Neues zur Kulturgeschichte der Zauberkunst

Wittus Witt hat soeben die zweite Ausgabe vom A-B-C der Taschenspielerkunst vorgelegt. Der 192-seitige Band enthält Beiträge von Peter Mika, Peter Rawert, Waldemar Hans Horster und Witt selbst. Highlights sind eine umfassende Biografie von Alexander Heimbürger sowie eine bisher unveröffentlichte Becherspiel-Routine von Reinhard Rohnstein. Dank Stefan Alexander Rautenberg gibt es aus dem Nachlass von Alexander Adrion eine CD-Beilage mit einem Heimbürger-Feature des Deutschlandfunks von 1982.

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Schriftliche Bestellungen am besten direkt an abc@wittuswitt.de.

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Ende März erscheint die recht spannend klingende Dissertation von Katharina Rein als Buch: Techniken der Täuschung: Eine Kultur- und Mediengeschichte der Bühnenzauberkunst im späten 19. Jahrhundert.

Rein Täuschung

In der Kurzbeschreibung des Titels heißt es:

Katharina Reins preisgekrönte kulturwissenschaftliche Dissertation widmet sich der Bühnenzauberkunst in ihrem “Goldenen Zeitalter” (ca. 1860–1900), das von wissenschaftlicher und technischer Innovation ebenso geprägt war wie von einer florierenden Medienkultur, den Umbrüchen der Industrialisierung oder den Erfahrungen von Globalisierung und Kolonialismus. Moderne Bühnenzauberei beansprucht keine übernatürliche Wirkung, vielmehr präsentiert sie technisch erzeugte Illusionen, deren Funktionsweisen sie allerdings verbirgt. Sie stellt damit eine spezifische Form des Mediengebrauchs dar, die mediale Effekte exzessiv ausstellt, während sie das dahinterstehende technische Geschehen zum Verschwinden bringt. Die Analyse von vier paradigmatischen Großillusionen (“Pepper’s Ghost”, “Vanishing Lady”-, Levitations- und Telepathie-Illusion) eröffnet nicht nur schlaglichtartige Einblicke in die bislang weitgehend ungeschriebene Zaubergeschichte des späten 19. Jahrhunderts. Sie geben zugleich die Sicht frei auf einschneidende kulturelle Veränderungen und Innovationen, die in diese moderne, hoch technisierte Form von Magie Eingang fanden.

Das Buch wird gebunden 34 Euro kosten und kann z.B. hier bei Amazon vorbestellt werden.

Die Autorin wird darüber auch bei Magica 2020 referieren.

Hier ist sie im Interview mit den Machern des Trickverrat Podcasts zu hören.


 

Ausstellung zur “Lust der Täuschung”

Die Wahrheit ist nicht irgendwo da draußen, sondern stets nur in unserem Gehirn. Wir glauben, was wir sehen; aber wir sehen auch, was wir zu sehen glauben. Viele Täuschungen beruhen auf den Grenzen unserer Wahrnehmung, weil diese entweder fehlerhaft, selektiv oder schlichtweg bequem ist.

Nicht nur die Zauberkunst macht sich diese Schwächen zu Nutzen, sondern auch die bildende Kunst. Man denke etwa an optische Täuschungen, zum Beispiel vermeintliche Tiefenwirkungen auf zweidimensionaler Fläche oder sogenannte “Trompe l’Oeils” (wörtlich: Augentäuschungen) – das sind täuschend echt gemalte Bilder, die eine nicht existente Realität vorgaukeln. Bei der unten stehenden letzten Abbildung etwa ist alles nur gemalt – die Holztür, die Weintrauben, ja selbst die Schnur und der Nagel!

“Lust der Täuschung” nennt sich sehr passend eine große Ausstellung, die nach München nun bis zum 30. Juni in Aachen im Ludwig Forum zu sehen ist. Sie schlägt gekonnt den Bogen von antiker Kunst bis zu heutigen Virtual-Reality-Darstellungen. Georges Méliès ist hier übrigens auch mit Werken vertreten.

Ich habe die Ausstellung in München gesehen und kann einen Besuch nur wärmstens empfehlen! Interessant ist auch der umfangreiche Katalog, der im Hirmer Verlag erschienen ist.

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Täuschungen

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“Ich sehe, was ich denke, dass ich sehe.”

Unsere Sinne sind begrenzt und fehleranfällig. Unser Gehirn tut sein Übriges zu, dass wir nicht die externe Wirklichkeit wahrnehmen, sondern das, was wir für sie halten und in sie hinein interpretieren.

Ein faszinierendes Forschungsfeld – und eine der wesentlichen Voraussetzungen dafür, dass uns Zauberkünstler so trefflich täuschen und in die Irre führen können.


Marco Tempest ist “Wired”

04.09.10 High-Tech-Zauberer Marco Tempest ist mit einem ausführlichen Interview im amerikanischen Trendmagazin „Wired“ vertreten und spricht dort unter anderem über „Augmented Reality“ und seine Faszination für technische Spielereien. → http://www.wired.com/beyond_the_beyond/2010/08/augmented-reality-hanging-out-with-magician-marco-tempest/

WM der optischen Täuschungen

26.06.09 Neurowissenschaftler und Psychologen haben jüngst in Florida die besten optischen Täuschungen der Welt gekürt. Zu sehen und zu bestaunen sind sie hier: → http://www.foxnews.com/story/0,2933,520103,00.html

Magie mit Gehirn

26.05.09 Die Juni-Ausgabe von „Spektrum der Wissenschaft“ widmet sich dem Schwerpunktthema „Gehirn und Magie“. Thomas Fraps hat nicht nur an dem Heft mitgearbeitet, sondern ist ergänzend auf der Website mit mehreren zauberhaften Filmen vertreten, die eigens zu dieser Ausgabe produziert wurden.