Im Interview: Nicolai Friedrich

 

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„Mein Fokus ist immer das Erlebnis der Zuschauer“

Hallo, Nicolai! Schön, dass ich dich so kurz nach dem Ende deines winterlichen Zeltpalast-Gastspiels in Frankfurt erwische. Wie fällt dein Fazit darüber aus?

Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, fast 50 Shows in diesem wirklich tollen Rahmen zu spielen. Insbesondere hat mir gefallen, dass die Zuschauer es wirklich schätzen, Zauberei einmal ganz nah zu erleben. Daher wurde das ganze Projekt wohl auch so gut angenommen, und ich kann an dieser Stelle schon verraten, dass es eine Fortsetzung geben wird: Dieses Jahr im Dezember wird der Zeltpalast wieder aufgebaut, und ich freue mich schon sehr darauf.

Wie ist das Projekt entstanden, und welche Vorlaufzeit hat es gebraucht?

Ich habe mich im Frühjahr 2019 mit meinem Veranstalter zusammengesetzt, und wir haben darüber geredet, ob wir für 2020 ein neues Programm benötigen. Die Bühnenshow läuft zwar im dritten Jahr, dennoch sind wir überein gekommen, dass wir bei den bundesweiten Zuschauerzahlen noch Luft nach oben haben. Anders im Rhein-Main-Gebiet, wo ich seit vielen Jahren auch mit öffentlichen Shows sehr präsent bin. Hier wollten wir etwas Neues machen.

Ich komme ja ursprünglich aus der Close-up-Magie und konnte oder wollte mich nie einzig auf Mentalmagie festlegen. Mein Fokus war nie eine spezielle Sparte, sondern ist immer das Erlebnis der Zuschauer. Jeder weiß, dass Zauberei umso erstaunlicher ist, je näher und unmittelbarer sie stattfindet. Also habe ich meinem Veranstalter gesagt, wir brauchen einen solchen „Close-up“-Rahmen. So kamen wir auf die Idee mit dem Zelt.

Es stand auch die Idee im Raum, sich das Zelt und die Termine mit anderen Künstlern zu teilen…

Ja diese Idee wurde auch umgesetzt. Verschiedene Künstler hatten Einzelshows im Zeltpalast, etwa Bodo Bach, Ingo Appelt, Matthias Fischedick und Alexander Herrmann.

Neben dem ganzen organisatorischen Aufwand war das ja sicher auch kein kleines finanzielles Risiko. Hattest du starke Investoren in der Hinterhand oder andere Partner und Unterstützer, die man einmal nennen sollte?

Wir hatten keine klassischen Sponsoren. Das Hauptrisiko trug mein Veranstalter S-Promotion zusammen mit mir. Wir hatten aber tolle Werbepartner, ohne die das Projekt sicher nicht möglich geworden wäre. Vielen Dank daher an die Stadt Frankfurt, die Commerzbank-Arena, an Hitradio FFH und an die Frankfurter Neue Presse!

Am Ende scheint die Rechnung ja gut aufgegangen zu sein, denn du hast vorhin bereits angekündigt, dass es im Dezember weitergeht…

Ja das stimmt zum Glück, aber natürlich lernt man im ersten Jahr auch einiges dazu und zahlt etwas Lehrgeld. Insgesamt sind wir jedoch alle sehr zufrieden und freuen uns auf die Fortsetzung!

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Nicolai Friedrich im Zeltpalast in Frankfurt (Foto: Salar)

Täuscht der Eindruck, oder hattest du im Verhältnis zu früher mehr Zauberei und etwas weniger Mentales im Programm?

Ich habe zwar schon immer stark gemischt und mich bewusst nie auf die Mentalmagie beschränkt. Im besonderen Rahmen des Zeltpalastes war es mir aber auch wichtig, viele klassische Close-up-Kunststücke wie Karten, Matrix oder Chop Cup zu zeigen. Dein Eindruck trifft also sicher zu!

Was steht bei dir noch so in diesem Jahr an?

Meine Tour startet wieder im April, und ich arbeite im Hintergrund fleißig an neuen Nummern. Ob daraus am Ende ein neues Bühnenprogramm wird oder ein zweiter Teil von „Magie ganz nah“ entsteht, kann ich noch nicht sicher sagen. Dazwischen läuft das normale Auftrittsgeschäft mit Firmen-Events und Galas im In- und Ausland.

Noch ein kurzer Blick zurück. 2019 war ja auch das Jahr des 25-jährigen Jubiläums der Fertigen Finger, das ihr in München gefeiert habt. Nach Thomas Fraps, Pit Hartling und Helge Thun möchte ich auch dich noch dazu im besten Sportreporter-Duktus befragen: „Nicolai Friedrich, wie hat sich das in dem Moment angefühlt?“

Es kommt mir überhaupt nicht wie 25 Jahre vor. Immer wenn wir uns treffen, fühlt es sich so an wie damals vor 25 Jahren. Es ist einfach toll, mit so vielen guten, aber auch völlig unterschiedlichen Leuten auf kleinstem Raum quasi eingeschlossen zu sein, denn so entstehen wirklich neue Impulse und Ideen, auf die man alleine niemals gekommen wäre.

Glaubst du, dass Ihr auch über die nächsten 25 Jahre noch ab und an zusammen auf der Bühne stehen werdet?

Es wird sicher schwieriger, aber ich hoffe es! Für mich kann ich sagen, dass es mir immer unheimlich viel bringt, wenn ich neue Nummern im Kreise der Finger ausprobieren und einspielen kann. Ich werde versuchen, soweit es meine Zeit erlaubt, weiterhin dabei zu sein!

Wie und wo könntest du dir denn das Jubiläum „50 Jahre Gichtige Griffel Fertige Finger“ vorstellen?

Dann machen alle Mentalmagie und Großillusionen! Nein, ich lasse mich überraschen, die Kollegen kommen immer wieder mit total neuen Ideen um die Ecke – Ben mit seinem Toilettenzelt, Jörg Alexander im Hasenkostüm, oder Gaston als Jaqueline. Das Potenzial für weitere Überraschungen ist auf jeden Fall da…

Was würdest du denn deinem 25 Jahre jüngeren Selbst aus heutiger Sicht gerne zurufen wollen? (Außer vielleicht „Augen auf bei der Berufswahl!“?)

Alles wird gut!

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Ich begegne deinem Vornamen fast ebenso häufig mit „k“ wie mit „c“ geschrieben. Klär uns doch bitte mal darüber auf!

Also, im wahren Leben werde ich mit „k“ geschrieben. So steht es auch in meinem Personalausweis. Als ich mich in den 90er Jahren zum ersten Mal daran machte, einen eigenen Prospekt zu entwerfen, meinte die damalige Grafikdesignerin, dass Nicolai mit „c“ vom Schriftbild schöner wirken würde, außerdem „internationaler“. Demzufolge habe ich quasi durch die Änderung eines Buchstabens meinen Künstlernamen geschaffen. Aber du hast recht, man kann da ganz schön durcheinander kommen!

Passier es auch noch, dass du ab und an als Friedrich Nikolai angesprochen oder angeschrieben wirst?

Ja, das kommt hin und wieder vor und zeigt, dass ich noch nicht wirklich berühmt bin…

Welchen großartigen Künstlernamen hättest du dir beinahe einmal gegeben?

Ich hatte tatsächlich mal Nicolai Alexander überlegt, denn so heiße ich wirklich mit Zweitnamen, aber da ist mir Jörg (Alexander) Weber zuvorgekommen. Aber Du willst sicher auf „großartige“ Namen heraus… Also auf meinem ersten Plakat – da war ich 12 – steht Nikolai Nikoleiowitsch!

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Das hat auch was… Und welchen Zaubertraum möchtest du unbedingt noch realisieren?

Es gibt viele Ideen, die ich gerne hinbekommen würde, zum Beispiel eine neuartige Erscheinungsillusion (ja, Illusion!), die ich total schön finde und sehr sehr gerne einmal auf die Bühne bringen würde. Ich hoffe, das klappt irgendwann… Mehr möchte ich noch nicht verraten.

Apropos, Helge Thun hat mir neulich verraten, dass 2021 hoffentlich sein Zauberbuch erscheinen wird. Schreibst du auch schon an deinem?

Nicht wirklich. Natürlich habe ich im Lauf der Zeit Material angesammelt, aber ich lege meinen Fokus derzeit noch voll auf das aktive Vorführen. Wenn das irgendwann mal nachlässt, werde ich sicher auch Seminare halten oder ein Buch schreiben. Aber das hebe ich mir tendenziell fürs Alter auf, also so wie Helge…

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Bitte kommentiere abschließend noch die folgenden Namen und Begriffspaare möglichst kurz und knackig:

Mona Lisa:

Sicher ein Meilenstein in meiner Karriere. Ohne ihr Lächeln wäre ich sicher nicht da, wo ich heute bin!

David Copperfield:

Nach wie vor für mich der innovativste Zauberkünstler der Gegenwart. Seine gesetzten Maßstäbe sind in vielen Bereichen bis heute unerreicht. Obwohl er fast jeden Tag noch zwei Shows spielt, ist er immer noch hungrig und interessiert sich für alle Neuheiten in der Zauberkunst.

Stadthalle oder Zeltpalast?

Wenn du so fragst, ganz klar der Zeltpalast! Obwohl ein schönes Theater oder eine große Location wie die Jahrhunderthalle auch ihren ganz eigenen Reiz haben. Ich liebe beides!

Mentalismus oder Mentalmagie?

Mentalmagie natürlich! Mentalismus impliziert für mich, dass übersinnliche Fähigkeiten im Spiel sind, und das ist überhaupt nicht meine Ding!

Zauberer und Mentalisten / als Elektronik-Spezialisten (hey, eine Reimvorlage für Helge!):

Das ist Fluch und Segen zugleich. Man sollte immer ein solides Handwerk und einen Plan B in der Hinterhand haben / sonst geht man ganz schnell baden (auch ein Reim!).

Mehr Charme: Gaston oder Jaqueline?

Wenn ich jetzt Gaston sage, wird Jaqueline total unglücklich – also sage ich Gisbert!

Mehr Rampensau: Pit oder Heinz?

Superheinz!

Besten Dank für das Gespräch, Nicolai, und weiterhin viel Erfolg!


Alle weiteren Interviews gibt es hier.

Hier geht es zu Nicolais Website.

Und hier ist sein jüngster Auftritt in der NDR Talkshow zu sehen sehen:


 

 

Im Interview: Helge Thun

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Ganz weg war ich nie

Hallo, Helge! Schön, dass ich dich gerade erwische, bevor du vielleicht bald schon wieder auf Tour durch die Bredouille bist… Wie bist du ins neue Jahr gestartet, und was steht bei dir zauberseitig demnächst so an?

Ins neue Jahr bin ich mit Bronchitis gestartet. Im Moment versuche ich mich an einem Theatermonolog übers Zaubern, der im Herbst Premiere haben soll, Arbeitstitel „Der verschwundene Mann“. Und Anfang nächsten Jahres plane ich zusammen mit Topas einen Zauber-Comedy Abend, „Funny Magic“.

„Er ist wieder da!“ – So beschrieben sinngemäß manche Beobachter deine Rückkehr in die Zauberszene im letzten Jahr: neues Soloprogramm, Branchenauftritte und die Video-Kolumne „Magische Monologe“ in der magie und im Genii Magazine. Hast du das selbst so erlebt oder gar forciert? Oder warst du eigentlich nie so richtig weg?

Ganz weg war ich nie. Vor allem mit den Fertigen Fingern und einigen anderen Kollegen hatte ich immer Kontakt. Aber dass mich das Zauberfieber wieder so heftig packen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Das genieße ich sehr.

Du positionierst dich auf deiner Website mit dem Viersprung Comedy – Kabarett – Zauberei – Moderation. Steckt da irgendeine quantitative oder qualitative Wertung in dieser Reihenfolge?

Nein, wobei es momentan eigentlich Comedy, Zauberei und Impro heißen müsste. Vor allem Moderation mache ich kommerziell fast gar nicht mehr. Das kann ich zwar gut, aber die Vorbereitung nimmt mir einfach zu viel Lebenszeit.

Was ist eigentlich der große Reiz der Comedy-Szene für gelernte Zauberer? Und wo liegen aus deiner Sicht womöglich wesentliche Unterschiede?

Ehrlich gesagt besteht da für mich kein großer Unterschied, außer dass beim Zaubern noch das Trickhandwerk und das Staunen dazu kommen. Ansonsten sind die Mechanismen die gleichen. Der Aufbau, die Dramaturgie, die Überraschung am Schluss. Und ob es die nicht auflösbare Ambivalenz einer guten Pointe oder eines Zaubereffektes ist – im Gehirn der Zuschauer passiert das Gleiche. Und Zauberei ohne Humor ist genauso komisch – halt nur ungewollt.

Für mich lag der Unterschied eigentlich immer nur im Grad der Einschränkung bzw. der Freiheit was Themen und Inhalte angeht. Die Zauberei ist so dominant, dass der Effekt andere Inhalte immer überlagert. Ich kann mir noch so eine lustige Präsentation oder einen tiefgründigen Vortrag überlegen, am Ende beschäftigt doch alle nur, wie die Zeitung wieder ganz wurde oder der Ring in die Ananas kam. Aber in der Comedy, im Kabarett oder im Theater habe ich die absolute Freiheit über jedes Thema zu sprechen, das mich interessiert. Und darum geht es dann auch, und kein Trick lenkt davon ab.

Wie fügen sich für dich Theatersport und Improvisationskunst da noch mit ein?

Wie gesagt, für mich fühlen sich die Unterschiede nicht besonders groß an. Im Grunde ist es immer das Gleiche: Ich stehe auf der Bühne und bringe die Menschen zum Lachen und Staunen. Bei der Zauberei über den Effekt, bei der Comedy über die Gedanken und Pointen. Und bei Impro über die verblüffende Geistesgegenwart. In jede Sparte fließen bei mir auch die Erfahrungen aus den jeweils anderen Disziplinen ein. Die Offenheit und Bereitschaft zur Improvisation ist aber immer da und ehrlich gesagt das Wichtigste von allem! Nur dann ist man wirklich im Moment, und der Abend kann etwas Besonderes für Publikum und Künstler gemeinsam werden.

Deine „Magischen Monologe“ haben sicher viele Fans gefunden, aber hier und da offenbar auch Unverständnis hervorgerufen. Wie ist die Idee entstanden, und was war dir bei der Umsetzung besonders wichtig?

Ich habe die ersten drei Monologe für mein aktuelles Programm „TRiX“ geschrieben. Ich wollte den Zuschauern eine Ahnung davon vermitteln, was mich selber an der Zauberei fasziniert, ohne dabei langweilige Vorträge zu halten. So ist die Form entstanden: Gedanken, die sonst in einen Fachaufsatz oder philosophischen Essay gehören, mit den Mitteln der Comedy-Schreibweise kurz, prägnant und pointiert, aber hoffentlich trotzdem interessant umzusetzen. Als ich dann auf YouTube das Video „Invisible Dialogues“ von Derek DelGaudio gesehen habe, kam mir sofort die Idee, so etwas Ähnliches auch mit meinen Monologen zu machen.

Der filmische Aufwand, auch durch die Liebe zum Detail und Zwischenschnitt, erschien mir recht beträchtlich. Wie lange hat es gedauert vom ersten Skript bis zur fertigen Umsetzung?

Ehrlich gesagt ging das alles recht flott und aus der Hüfte geschossen. Mein Cousin Paul studiert gerade Mediengestaltung in Kiel und ist nicht nur ein guter Kameramann, sondern auch ein Technik-Nerd, ein guter Cutter und vor allem genauso offen und improvisationsbereit beim Filmen wie ich. Wir haben geschaut, dass wir eine fotogene und ruhige Location finden und haben ohne Plan losgelegt. Ein paar Ideen hatten wir vorher, aber vieles ist spontan beim Drehen entstanden. Da haben wir uns blind verstanden. Er wusste immer sofort, was ich will und umgekehrt. Meistens waren wir so vertieft, dass wir vergessen haben mittags was zu essen. Abends hat Paul dann schon den ersten Rohschnitt gemacht und wir hatten das Ding nach einem Tag im Kasten. Manchmal war dann der Aufwand noch etwas größer, weil noch Animationen dazu kamen. Aber da meine Frau Carolin Trickfilmerin ist und ihr Ex-Freund Erich unser Musiker, blieb auch das „in der Familie“.

Chapeau! An manchen Stellen hatte ich allerdings den Eindruck, dass das optische, magische Geschehen meine komplette Aufmerksamkeit bündelt und die Tonspur derweil ungehört weiterrauscht… ein Problem?

Klar! Aber das Gute an YouTube ist ja, dass man sich ein Video mehrmals anschauen kann. Also lieber schnell, kurz, inhaltlich überladen und visuell und sprachlich verschachtelt, als schön langsam und verständlich ausgebreitet. Lieber mehrmals schauen und Dinge entdecken, die man beim ersten Mal übersehen hat, als dass sich das niemand bis zum Ende anschaut.

Können wir uns irgendwann auch noch auf Outtakes oder gar weitere Folgen freuen? Und wo bleibt eigentlich nach mehreren Gedichtbänden dein erstes eigenes Zauberbuch?

Wenn mir mal wieder ein gutes Thema einfällt – vielleicht. Aber geplant habe ich erst mal keine weiteren Folgen. Buch kommt als Nächstes, aber da muss ich mich eher zwingen und quälen. Das war damals beim Buch der Fertigen Finger auch schon so. Aber mein Plan ist es, das bis FISM 2021 fertig zu kriegen.

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Da freuen uns doch schon drauf! 2019 war auch das Jahr des 25-jährigen Jubiläums der Fertigen Finger, das ihr in München gefeiert habt. Nach Thomas Fraps und Pit Hartling möchte ich auch dich noch dazu im besten Sportreporter-Duktus befragen: Helge Thun, wie hat sich das in dem Moment angefühlt?

Wie Heimat.

Was würdest du denn deinem 25 Jahre jüngeren Selbst aus heutiger Sicht gerne zurufen wollen? (Außer vielleicht „Augen auf bei der Berufswahl!“)

Mach weiter mit den Ziergriffen! Daraus wird mal eine eigene Kunstform!

Wie und wo könntest du dir denn das Jubiläum “50 Jahre Gichtige Griff Fertige Finger” vorstellen?

In einem dunklen Raum mit Scheinwerfern und Publikum.

Welche Frage wolltest du einem anderen Finger schon immer mal öffentlich stellen?

Keine offenen Fragen. Wir wissen alles voneinander.

Von Pit darf ich dir jedenfalls die folgende Frage übermitteln: „Wann geht es denn jetzt endlich mit unserer großen Vegas-Tour los? Viel Zeit haben wir nicht mehr!“

Vegas war mal. Wanne-Eickel heißt das neue Ziel!

Neben den Fertigen Fingern bist du ja auch Mitglied anderer langlebiger Kollektive, etwa bei der Comedy Stube oder bei deinen Duetten mit Heiner Kondschak und Udo Zepezauer. Bist du ein geborener Ensemble-Spieler? Oder dir vielleicht nur selbst allein auf der Bühne zu langweilig?

Beim Theatersport und als Schauspieler habe ich gelernt mit anderen zu spielen. Das war das Beste, was mir passieren konnte. Vor allem zu lernen, dass man selber am besten rüberkommt, wenn man versucht, die anderen gut aussehen zu lassen. Als ich mit Heiner Kondschak angefangen habe zu spielen, habe ich auf der Bühne in kürzester Zeit mehr über mich gelernt, als in all den Jahren zuvor. Seitdem versuche ich mir immer Kollegen zu suchen, die in irgendetwas besser sind als ich. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich eine Tendenz habe, mich immer wieder ungewollt in die Chefrolle zu manövrieren…

Jetzt wo du es sagst… Wie liefen eigentlich zum Jahresende in Tübingen die Werkstatt-Impro-Abende „zum gemütlichen Ausprobieren und fröhlichen Scheitern“ mit dir, einem Musiker und einem emeritierten Professor?

Das war Wohnzimmeratmosphäre mit Menschen und Dingen, die nicht zueinander passen. Wir haben gleich wieder ein paar neue Termine gemacht.

Welchen großartigen Künstlernamen hättest du dir beinahe einmal gegeben?

Helgini Thunino.

Das hätte was werden können! Bitte kommentiere jetzt noch die folgenden Namen und Begriffspaare möglichst kurz und knackig:

Heinz Erhardt oder Joachim Ringelnatz?

Heinz Erhardt, Robert Gernhardt und Erich Kästner.

Gut singende Zauberer: Topas oder Desimo?

Singen: Topas. Pferdedressur: Desimo.

Das Udo oder das Biest?

Äpfel und Birnen.

Jan Böhmermann oder Jan Logemann?

Logemann, ist doch klar! Alleine schon wegen der Fernsehsendung.

Sudhaus in Tübingen oder Magic Castle in Hollywood?

Sudhaus. Hat mehr Glamour.

Münzen oder Karten?

Becher. Nee, Münzen. Nee, Karten. Nee, Becher. Nee, Münzen. Nee, Karten…

Anzug oder Hawaii-Hemd?

Anzug mit Hemd auf Hawaii.

Was reimt sich eigentlich gut auf „Eutin“ (außer „Bilbo Beutlin / fährt noch heut‘ hin“) und „Tübingen“ (außer „trüb‘ Dingen“)?

Nichts, was den Aufwand lohnt.

Zum Abschluss: Schenkst du uns bitte noch einen gepflegten Vierzeiler? Gerne auch mit aktuellem Bezug, etwa zu Greta oder den Ehrlich Brothers…

Also Ehrlich sind die Brothers
Greta than the others.
Afterthought (nur etwas später):
Some others are noch Greta.

(Andächtiges Schweigen.) Das lassen wir jetzt einfach mal so im Raum schweben… Ganz herzlichen Dank, Helge, für deine Zeit, und weiterhin toi toi toi, wie der Schwede sagt!

(Interview: Jan Isenbart)


Hier beispielhaft der letzte von Helges zehn Magischen Monologen:

Und hier geht es zu Helges Website!


Alle weiteren Interviews − u.a. mit den Fertigen Fingern Pit Hartling und Thomas Fraps − finden sich gleich hier.


 

Im Interview: Denis Behr

Behr

„Langzeit-Ziele sind nicht meine Natur

Denis Behr gilt als einer der führenden Kartenkünstler weltweit. Auch als Trickschöpfer, Autor und Seminarleiter genießt er großes Ansehen. Daneben betreibt er ein ständig wachsendes Online-Archiv zur Zauberliteratur, das frei zugänglich ist und für das er 2018 mit einem “Award of Merit” der Academy of Magical Arts ausgezeichnet wurde.

Hallo Denis, ich hoffe, du bist mit Herbert gut ins neue Jahr gestartet! Was steht denn bei euch demnächst so an, jetzt nach The Session und neben eurer regelmäßigen Show?

The Session war wieder ein schöner Kongress. Dort bin ich fast jedes Jahr, und ich finde, es hat dort eine entspannte Atmosphäre und in der Regel einige interessante Künstler. Die beiden Shows im Alexander Krist Theater, The King of Cards 1 & 2, werden weiter regelmäßig gespielt. Dann geht es bald auf den CardWorkshop in Nürnberg. Das ist ein jährliches Treffen für deutschsprachige, geladene Kartenzauberer, bei dem jeder einen Beitrag vorbereiten muss. Ich habe einen kurzen Vortrag über den Effekt “The Tantalizer” geplant. Zu diesem Effekt habe ich beim Recherchieren einen neuen Ursprung finden können, und eine Liste von über 130 veröffentlichten Varianten angesammelt. Die werde ich selbstverständlich alle mehrfach vorführen. Und dann stehen natürlich im Mai die Deutschen Meisterschaften in Fürstenfeldbruck an, auf die ich mich schon freue.

Gibt es einen zauberhaften Wunsch oder ein besonderes Ziel, das du in diesem Jahr noch erreichen möchtest? Und wie stehst du überhaupt zu Neujahrsvorsätzen?

Ich habe weder konkrete Vorsätze noch Ziele. Diverse Coaches, Motivationsredner oder Lebenshilfe-Ratgeber werden zwar nicht müde zu betonen, dass man sich solche setzen sollte – und dann vielleicht noch leichter erreichbare Zwischenziele auf dem Weg dorthin definieren muss –, aber nichts liegt mir ferner. Langzeit-Ziele oder gar eine “Bucket List” sind nicht meine Natur. Ich wurschtle vor mich hin, und es kommt immer wieder mal etwas dabei heraus oder auch nicht. Ich denke, das ist Typ-Sache. Aber ich habe für mich das Gefühl, so entspannter leben zu können.

Zu deinen schon lange laufenden Projekten gehört dein fantastisches Conjuring Archive. Was erwartet uns da Neues?

Neu ist nur der Newsletter, der unregelmäßig verschickt wird. Ich habe ein paar Sachen in der Entwicklung der Datenbank geplant, habe allerdings den Code schon längere Zeit nicht mehr angefasst. Ich gebe in letzter Zeit lieber neue Inhalte an, statt am System selbst zu arbeiten. Das wird jedoch bald mal wieder notwendig sein, und ich hoffe ich komme in den nächsten Monaten mal dazu. Das System zum Eingeben von neuen Büchern würde ich ganz gerne als erstes überarbeiten.

Du steckst da unglaublich viel Arbeit rein und auch in die Conjuring Credits. Warum sind dir Quellen und Credits so wichtig?

Es gibt dafür mehrere Gründe. Zum einen hilft es nicht, wenn altes oder bekanntes Material wieder und wieder veröffentlicht wird, nur weil jemand nicht wusste, dass es das schon gibt. Bevor man etwas veröffentlicht, muss man recherchieren, ob es neu ist und etwas taugt. Dann ist es ganz schlicht und ergreifend interessant, wie sich Tricks, Plot, Techniken oder Konzepte entwickelt haben, wie weit sie in die Vergangenheit zurückreichen und in welchen anderen Kontexten sie so verwendet wurden.

Vor allem aber werden damit die Zauberkünstler gewürdigt, auf deren Schultern wir stehen und aus deren Ideen und Kreativität wir uns bedienen dürfen. Nur dadurch bleiben deren Arbeit und nicht zuletzt deren Namen in Erinnerung. Dasselbe erwarten wir, wenn andere Ideen von uns verwenden oder weiterentwickeln: dass unser eigener Beitrag zur Zauberkunst nicht in Vergessenheit gerät oder gar verschwiegen wird, um sich mit fremden Federn zu schmücken.

Mal von deinem Gummiband-Buddy Herbert abgesehen, scheinst du eher der magische Einzelgänger zu sein, deine eigene One-Man-Show. Bist du nicht der Typ für zaubernde Ensembles, oder hat es sich bisher einfach noch nicht so oft ergeben?

Wir hatten tatsächlich im Theater längere Zeit zwei Shows, die wir in einem Team zu dritt gespielt haben. Sie hießen Magic Misch Masch (Teil 1 und Teil 2), und Jörg Alexander und Christian Münch waren die Mitstreiter. Das hat großen Spaß gemacht. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Shows im Team; da ich jedoch wenig Material für die große Bühne habe, ergibt es sich selten.

Was das Erarbeiten von Tricks angeht, bin ich tatsächlich eher ein Einzelgänger. Ich zeige Kollegen selten Sachen, die noch in Arbeit sind, sondern warte bis ich so weit bin wie ich alleine komme.

Laut deines Instagram-Accounts bist du auch als leidenschaftlicher Hobby-Konditor unterwegs. Siehst du da irgendwelche Parallelen zur Kartenkunst – Techniken, Klassiker, Variationen, Streben nach Perfektion etc. –, oder ist beides für dich „totally unrelated“?

Man kann zwischen jedem beliebigen Hobby und der Zauberkunst Parallelen ziehen, wie etwa die Stichpunkte, die du ansprichst. Allerdings ist so etwas oft an den Haaren herbeigezogen und wenig erhellend, wenn man sich nicht zufällig selbst für beides im Detail interessiert. Die Wahrheit ist, dass ich für mich selbst keinerlei Verbindung sehe. Mir macht beides eigenständig Spaß.

Noch größer scheint nur deine Leidenschaft für die eine oder andere Maß Bier zu sein. Nun ist dein Name ein – etwas holpriges Anagramm für „H., send‘ Bier!“ – Zufall oder Bestimmung?

Das ist ja offenbar der Beweis dafür, dass es Bestimmung sein muss! Ich habe tatsächlich erst in München angefangen, Bier zu trinken. 2001 bin ich nach München gezogen, und erst seit 2004 trinke ich überhaupt Alkohol. Ich trinke zwar gerne Bier und bemühe mich, kein Bier zu wenig zu trinken, aber sicher seltener, als es die Anzahl der Bierfotos auf Instagram suggerieren. Die Motivwahl dort fällt da teilweise eher in die Kategorie “Character Building”.

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Screenshot Denis Behr Instagram Account

Das ist ja beruhigend zu erfahren! Du sollst auch die größten Hände in der Welt der Kartenkünstler haben. Ist das eher ein Vorteil, ein Nachteil oder völlig egal?

Wie alles hat es Vor- und Nachteile. Manche Techniken fallen leichter, ein paar auch schwerer, weil die Proportionen nicht stimmen. Und natürlich wird es von Zuschauern gerne erwähnt, dass man sicher so große Hände haben müsse zum Zaubern. Fast alles lässt sich mit jeder Handgröße bewerkstelligen. Mein Freund Pit ist in Sachen Handgröße eher das Gegenteil, und palmiert beispielsweise auch fleißig (und erfolgreich).

Welche deiner vielen Trickkreationen lässt dich bei der Vorführung ob ihrer Raffinesse innerlich am meisten schmunzeln?

Da gibt es einiges, und das wechselt auch. In letzter Zeit vielleicht “Mating Season”. Eigentlich führe ich nur Sachen vor, die mir gefallen. Ich bin in der Trickauswahl insofern relativ egoistisch, als dass ich meinen Geschmack über den des Publikums stelle. Ich denke mir, wenn ein Kunststück mir selbst gefällt, dass sich dieses Gefühl überträgt und auch die Zuschauer leichter mitzureißen sind als wenn ich angeblich super-kommerzielle Tricks vorführe, die mir keinen großen Spaß bereiten.

Und welchen Kartenklassiker hättest du selbst gerne erdacht?

Ich freue mich genauso darüber, wenn ich tolle Ideen von anderen Künstlern verwende, wie wenn ich Eigenentwicklungen vorführe. Daher hatte ich nie das Gefühl, dass ich etwas von anderen lieber selbst erfunden hätte.

Bitte kommentiere die folgenden Begriffe und Namen möglichst kurz und knackig: Trickkarten?

Jederzeit, wenn es sich lohnt.

Erdnase?

Keine Bibel.

Macarons?

Kann ich.

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Screenshot Denis Behr Instagram Account

Ganz offensichtlich! – Harry Lorayne oder Simon Aronson?

Aronson.

Zauberforen oder Instagram?

Darf man beides nicht zu ernst nehmen.

Kölsch oder Altbier?

Jeweils vier, bitte!

Bei nächster Gelegenheit sehr gerne! Zum Abschluss: Du findest immer so herrlich schräge Zitate in der Zauberliteratur. Hast du bitte noch so ein Schätzchen für uns parat?

Aus der Magischen Welt stammt diese bemerkenswerte und fragwürdige Beobachtung von Franz Kaslatter: „Erschreckend viele Kollegen beschäftigen sich mit der Zauberkunst hauptsächlich aus Angst. Die Furcht vor dem Gefühl, sich einmal ein Zauberkunststück nicht irgendwie erklären zu können, halte ich für einen der häufigsten Gründe, selbst Zauberkünstler zu werden.“

Vielen Dank, Denis, und weiterhin viel Erfolg!

(Interview: Jan Isenbart)


Zur Homepage von Denis Behr geht es hier, zu seinen nächsten Auftritten im Alexander Krist Theater hier.

Und hier ist ein kurzer Trailer für seine Show:

Video-Interview von Semjon Sidanov (2018):

Magischer Podcast-Interview (2017):


An Interview with Michael Close

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“If you happen to fool Penn & Teller, that’s a bonus”

 

Hi Michael! When and how did you get involved with Penn & Teller: Fool Us as a magic consultant?

Michael Close: I met Penn & Teller about thirty years ago; I had been friends with Johnny Thompson since the mid 1970s. When I moved out to Las Vegas from Indiana in 1998, Johnny suggested that I join him in working with Penn & Teller on their stage show and television projects. This I did for twelve years, until I moved away from Vegas in 2010.

Johnny and I had the same mentor, a man named Harry Riser, who was one of the best magicians of the twentieth century. Consequently, Johnny and I looked at conjuring the same way. We worked well together.

The first season of Fool Us was shot in England. I was not a part of that season. When the show moved to Las Vegas for the second season, Johnny, Penn, and Teller suggested to the producers that I come on board as a second magic consultant. I have worked on seasons two through six.

And after the sad loss of Johnny Thompson, were you the only magical consultant on the show?

Johnny collapsed and was taken to the hospital at the end of the first full day of rehearsal for season six in Las Vegas. He never left the hospital, consequently I did the entire sixth season by myself. I have no idea if the producers will add another consultant for season seven, if there is a season seven.

In your opinion, what does it take for a performer and a routine to be “ready” for the show?

There are two aspects to this question. If you mean, “ready” to send in an audition video, it helps if you have an interesting or novel presentation and a strong effect. If you mean, “ready” to perform on the show–that is, you’ve been accepted by the producers–, then you want a tight routine, with any imperfections smoothed out.

I understand that the premise “You try to fool us–we try to catch you!” creates the necessary element of conflict of the show, but how much focus should the performer actually put on the aspect of fooling Penn & Teller?

The reason to come on Fool Us is that it puts you, your brand, and your magic in front of millions of viewers. If you happen to fool them, that’s a bonus. But it should not be the only reason you want to be on the show.

We all have egos, creative magicians have plenty of ego. We want the effects we create to fool our peers. But that can overshadow the real benefits of being on the show. Penn & Teller are extremely knowledgeable magicians. They have figured out acts that I thought were going to fool them. If you don’t fool them, I wouldn’t feel bad about that.

There have been some discussions why or whether this act or that actually fooled them or not. How detailed or full do the explanations have to be? Are you the judge?

During the time Alyson (Hannigan) interviews the performer, Penn & Teller discuss the act, working out possible methods. On television, this lasts about forty-five seconds. During the taping it can last up to five minutes, maybe more. This is also true of Penn’s conversation with the performer. It is almost always edited down for the sake of time.

In previous seasons, Johnny Thompson was the judge if there were any questions about whether the performer fooled them. In season six, I was the judge. As I have told magicians privately and at convention appearances, if you ever wondered, ‘Did that act really fool them?’ there is probably a story behind it. Penn sometimes recounts these stories on his podcast.

In season six, this aspect of the show–whether or not Penn&Teller were fooled–ran smoothly. If they said they were fooled, they were fooled. If they said they weren’t fooled, they weren’t fooled.

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Michael Close backstage with Alyson Hannigan and Penn Jillette

Please describe your process of working with the signed acts until their performance. What are your main goals and your major contribution in that process?

I wear many hats during pre-production and during the two weeks we record the show in Las Vegas. During pre-production I evaluate every act the producers are considering. I make notes of the effect performed, what I think the method is, whether or not I am fooled, if there will be time problems when the act is too long, if there will be problems shooting the routine on the Penn & Teller stage when the act uses, for example, small props or a large number of spectators, and if I spot any technical–that is, magic technique-problems that need to be fixed. I also begin to make notes on what “secret words” Penn could use in his discussion with the performer.

Once the producers make their decisions, I go back to my notes to see how I can help. Many times, my help isn’t necessary. If the act is a professional who has done the routine a thousand times, probably any glitches have been worked out. Sometimes I discover small suggestions that help. I pass those suggestions along via email or phone calls.

For some performers, I need to offer more help, working with script, blocking, and technique. With some of the young performers I work on stage presence and delivering patter so it is clear and understandable. This I most often do over Skype, and it works out well. Something I work on most often with all performers is helping cut their acts down to fit the five-minute time limit. This is always challenging.

At which point before production do you want to “tick off” an act?

The most important thing is that these consultations happen as early as possible. My goal is to have everything worked out before the performer arrives in Vegas. I have discovered the hard way that trying to learn a new technique or action two days before you record the act is difficult. When the performer hits the stage, nerves happen. The new information disappears and muscle memory takes over. This happens with even the most experienced performers. It is best to have everything worked out early.

So what does your production schedule look like then?

In the two weeks the production crew and the performers are in Las Vegas, we record sixty-two magicians and thirteen Penn & Teller routines. This year we also recorded an April Fool Us Day special and a Christmas special.

I am responsible for watching a performer’s initial rehearsal with the director, assistant director, executive producers, and property master, the camera rehearsal, shot on stage the day of the performance, and the performance taping. If anyone needs extra help, I try schedule time for that. For the two weeks of taping, I work sixteen-hour days.

Close and Teller Season Six
Michael Close on stage with Teller

Could you comment briefly on working with some of the recent performers I have spoken to, like Tom Stone, Wolfgang Moser, Pit Hartling, and Axel Hecklau?

I am always delighted when a professional performer agrees to appear on Fool Us. As I mentioned, they make my job easy. Sometimes it is not so easy to convince them to come on the show, and I understand this. I saw Tom Stone do the Quantum Logic routine at a convention in Lund, Sweden, in the fall last year, and I thought it was great. It took a bit of arm twisting to get him to agree to do the show. I’m so glad he did, and he was great to work with. I had high hopes he would fool Penn & Teller with this. But, regardless, it was a great spot!

Beyond that, I also enjoy discussing magic with people like Tom, Pit, and Axel. Pit and I spent some time on Skype working on his two-deck matching routine. For me, the pleasure is that I also learn things during the process. These guys are not just excellent magicians, they are also really smart people.

I did not know Wolfgang and Harry before they came on the show. Wolfgang did a terrific job and was a delight to work with. He and I had a lot of back-and-forth on this routine, mainly because he had to tighten it up considerably for television and in particular for the time constraints Fool Us imposes. When he performs this on cruise ships and other venues, he brings up twenty people and the routine is lengthy, so it was no small task for him to reconfigure it. I applaud him for his effort.

A special question on the Feel Box, invented by Boretti back in the 1990s, co-improved and performed by Harry Keaton: Was this trick really new for you, or had you or Penn & Teller seen a version of it before?

The Feel Box was new to me and also new to Penn & Teller. The only problem I had when I watched Harry’s audition video was it was in German, so I was unclear on exactly what effect he was going for. But I thought the trick was really great.

Final question: Where can performers apply for Fool Us, and what do they need to bring?

As of today, we have not officially received any word from the network whether there will be a season seven. So, doing anything at this time would be premature. However, if your readers would like to get prepared, they should record a demo video of the routine they want to submit. This can be in a real performance situation in front of an audience, or a casual video with friends or family helping. Regardless, it should be a full performance, with a rehearsed script. The key is the five-minute time limit. Also remember, Fool Us does not allow preshow or the use of stooges.

My Fool Us email address is fuclose@gmail.com. If you are interested in being on the show, drop me an email on October 1, and I’ll let you know the status of the show.

Thank you so much, Michael, for your time and for sharing so many details. Let’s hope for season seven then!

(Interview: Jan Isenbart)


Besides his job as a magic consultant, Michael Close is a world-famous card magician, a busy teacher, lecturer, musician, and magic author. His latest book, The T.O.M. Epiphany, came out just a few weeks ago and deals with strategies for turning tricks into miracles. He also publishes an extensive monthly newsletter and podcast interviews for subscribers. Check out his website here.


Addendum October 3, 2019:

As Michael has disclosed on the Genii Forum, Penn & Teller: Fool Us has been renewed for a seventh season. I look forward to it!


 

Im Interview: Pit Hartling

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„Ich liebe vor allem die Abwechslung“

 

Hallo Pit! Um meiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachzukommen, möchte ich nach Thomas Fraps natürlich gerne noch weitere Fertige Finger zu ihren aktuellen Befindlichkeiten und zur Wahrnehmung ihres 25. Jubiläums befragen. Wie hast du dich denn dabei gefühlt?

Pit Hartling: Während des Finales im Theater Die Drehleier in München, zusammen mit Helge, Thomas, Jörg Alexander, Ben, Niko, Guido, Gaston und den anderen Gästen an diesem Abend, überkam mich eine kleine Welle nostalgischer Freude! Es ist sehr schön, nach 25 Jahren noch immer – oder zumindest wieder einmal – gemeinsam mit den Jungs auf der Bühne zu stehen. Ich habe das als einen ganz besonderen, kleinen Glücksmoment sehr genossen.

Was macht die Zahl 25 mit dir? Auch FISM Yokohama dürfte jetzt schon 25 Jahre her sein…

Ja, es ist verrückt! Da macht man einfach in aller Ruhe sein Ding, und – zack! – sind 25 Jahre rum! Vor allem fällt es mir auf, wenn ich mir anschaue, was die 16- und 17-Jährigen heute mit Spielkarten machen. Da schlackert man ja zum Teil mit den Ohren!

Wie und wo kannst du dir denn das Jubiläum “50 Jahre Gichtige Griffel Fertige Finger” vorstellen?

Haha, das planen wir dann, wenn es soweit ist, aber grundsätzlich hat man ja im Alter, was Comedy angeht, ganz andere Möglichkeiten! So manches, was von einem jungen Menschen ganz amüsant wäre, kann von einem altem sehr viel witziger sein. Ich habe neulich ein großartiges Foto gesehen, auf dem Mel Brooks, Carl Reiner und Dick van Dyke mit weit über 80 gemeinsam Grimassen schneiden – das finde ich schon eine ziemlich gute Zielvorgabe.

Wenn Thomas der “Zeigefinger” der Finger ist, welcher bist dann du? Der kleine Finger, der Linking-Ring-Finger oder der…?

Die Bezeichnung “Kleiner Finger” fiel tatsächlich das eine oder andere Mal. Aber das ist schon ok, zumindest bin ich nicht der Mittelfinger – das ist Guido!

Da zwei Fälle in der Boulevardpresse ja schon ein Trend und drei eine Massenbewegung sind, würde ich gerne mindestens noch einen weiteren Finger befragen. Du darfst bestimmen, wer das sein soll (Instant Stooging: Helge! Helge! Helge!) – und welche Frage ich ihm unbedingt stellen muss!

Klar, Helge! Frag ihn bitte, wann es denn jetzt endlich mit unserer großen Vegas-Tour losgeht, viel Zeit haben wir nicht mehr!

Prima, geht klar! Wahrscheinlich ist er gerade wieder in der Bredouille unterwegs. Aber was macht eigentlich Heinz, der kleine Schwerenöter? Er müsste ja so langsam mal in die Pubertät kommen…

Du, es ist ganz seltsam, aber im Gegensatz zu mir scheint Heinz kaum zu altern!? Vermutlich eine Stoffwechselsache. Andererseits war er halt auch immer schon ziemlich altklug, der kleine Scheißer.

Neben den Fertigen Fingern bist du ja auch Mitglied anderer langlebiger Kollektive, wie der Magic Monday Show im Kabarett „Die Schmiere“ oder beim Zauber-Dinner in Frankfurt. Welche Bedeutung haben diese für dich – ewiges Jugendlager, ruhiger Heimathafen oder kreative Testbühne?

Ich liebe vor allem die Abwechslung! So sehr ich es genieße, solo unterwegs zu sein, so sehr freue ich mich auch immer auf unsere Magic Mondays – die Show geht jetzt auch ins 20. Jahr – oder auch das „Metamagicum“ mit Thomas Fraps, immerhin seit 15 Jahren. Am ehesten kreative Testbühne sind für mich unsere Zauber-Dinner auf dem Schiff, vor allem, weil wir dort das Publikum in drei Gruppen aufteilen. Damit hat man dort die Gelegenheit, neue Nummern gleich drei Mal am Abend zu spielen – sehr, sehr nützlich!

Vor vier Jahren waren Denis Behr und du die deutschen Mitbegründer des internationalen Kollektivs Half Half Man. Nach einem sehr ambitionierten Start mit ausgewählten Produkten und hochwertigen Publikationen ist es dann bald ruhiger geworden. Lebt das Projekt noch?

Das scheint für viele so gewirkt zu haben, aber tatsächlich kann von „Mitbegründern“ oder gar „Kollektiv“ keine Rede sein. Helder (Guimarães) hatte einfach sowohl Denis als auch mich wegen einer Kolumne für eine neue, geplante Zeitschrift gefragt. Einzeln hatten wir beide keine Lust, aber wir schlugen ihm vor, gemeinsam etwas zu machen, in Dialogform. Unsere einzige Bitte war „carte blanche“, sprich, wir wollten einfach über alles reden bzw. schreiben können, wonach uns gerade der Sinn stand. Und so haben wir es dann gemacht. Irgendwann schlief das Ganze ein. Und irgendwo muss noch unsere letzte, bisher unveröffentlichte Kolumne herumliegen.

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Schade drum! Kommen wir endlich zu den Kartensachen. In einem Podcast-Interview mit dir habe ich neulich gehört, dass 80 Prozent deines Broterwerbs tatsächlich Stand-up-Auftritte sind. Heißt das, du zauberst mit Karten eigentlich mehr für andere Zauberer als für Laien?

Karten kommen bei mir im professionellen Bereich vor allem bei formellen Close-up-Shows zum Einsatz, meinem sogenannten „Magic Circle“. Wann immer ich Anfragen für kleine Gruppen bis zu maximal 50 Personen habe, schlage ich dieses Format vor: Die Gäste sind in einem engem Kreis dicht um einen runden Tisch herum versammelt, dazu ein grüner Casino-Filz und zwei Scheinwerfer. Diese Situation mag ich sehr, und dort ist es auch, wo ich zum Beispiel Kunststücke aus Card Fictions und In Order to Amaze hauptsächlich vorführe.

Dazu noch der eine oder andere „normale“ Close-up-Auftritt, aber ansonsten gibt es Spielkarten bei mir in der Tat mehr auf Kongressen, bei Seminaren und Workshops, das stimmt. Und natürlich öffentlich, bei meinen sogenannten „Magischen Soiréen“ im Grandhotel Hessischer Hof hier in Frankfurt oder bei Close-up-Gastspielen in Spielorten wie Stephan Kirschbaums Wundermanufaktur, bei Jan Logemann im Magiculum in Hamburg, der Close-up Lounge Hannover etc.

Dein lange vergriffenes erstes Buch Card Fictions ist inzwischen ja wieder erhältlich. Die Liste deiner Veröffentlichungen ist im Vergleich zu einigen anderen Kartenprofis eher schmal, aber dafür werden deine praktisch durch die Bank weg hoch gelobt ob ihrer Originalität und Perfektion. Wie intensiv verfolgst du und wie bewertest du denn den fast täglichen Auswurf der heutigen Zauberindustrie mit Tricks, Decks, Moves, Gimmicks und Instant Downloads?

Ich muss gestehen, dass ich diesen „Markt“ fast gar nicht verfolge. Allein bei der Menge an Buchveröffentlichungen halte ich mich an das Motto „Mut zur Lücke“. Das ist allerdings weniger irgendeiner Skepsis geschuldet, als vielmehr ganz profanem Zeitmangel. Ich bin sicher, dass mir dabei auch viele tolle Ideen und Entwicklungen entgehen, und ich versuche gerade in den letzten Jahren, da wieder etwas genauer hinzuschauen.

Was würdest du sagen: Auf welche deiner eigenen Trickschöpfungen bist du am meisten stolz?

Stolz empfinde ich in diesem Zusammenhang eigentlich kaum. Man kann ja nichts dafür, dass einem etwas einfällt. Stolz bin ich, wenn ich zu Hause ausgemistet habe oder zehn Kilometer joggen war! Aber was die Kartensache angeht: Zu den „Dauerbrennern“ in meinem Repertoire gehören sicher „Amor“, „Feurio“, „Finger Flicker“, die O-Saft Gedächtnisdemo oder die Pokerformeln.

Aber manchmal habe ich auch gerade Lust auf ganz andere Sachen. Das liebste „Baby“ ist ja sowieso immer das aktuelle Projekt, aber was dann den Test der Zeit besteht und gewissermaßen „überdauert“, das weiß man ja ohnehin immer erst nachher.

Gibt es neben dem memorierten Spiel noch ein besonderes Karten-Steckenpferd für dich, also zum Beispiel Story-Tricks, Gambling-Routinen oder Gimmick-Karten?

Nicht wirklich, nein. Methoden sind ja nur Werkzeuge. Sie sind Mittel zum Zweck, und der Zweck ist der Effekt. Und was Effekte angeht, mag ich in einer Show eine gewisse Abwechslung: Mal eine Skill-Demo, mal ein mehr „unmöglichkeitsbetontes“ Kunststück, mal etwas sehr Lustiges, etwas zum Thema Casino und Gambling, mal ein leiser, langsamer Rhythmus, dann wieder schnell und interaktiv. Ob dabei ein gemischtes Spiel zum Einsatz kommt oder ein Memospiel, Psychologie, Mathematik oder Gimmicks oder eine Kombination aus allem, ist für die Wirkung und das Publikum erstmal kein Kriterium.

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Noch ein ganz anderes Thema, passend zu den meisten meiner anderen aktuellen Interviews: Du warst bereits im letzten Jahr zu Gast bei „Penn & Teller: Fool Us“, mit einer ganz starken Kartenroutine. Wie hast du die Show und die Gastgeber erlebt, und wie enttäuschst warst du womöglich, dass es nicht zu einer begehrten F.U.-Trophäe gereicht hat?

„Fool Us“ war eine rundum schöne Erfahrung! Die Produzenten hatten mich im Jahr davor schon einmal angefragt. Da ich aber zu diesem Zeitpunkt das Format nicht sehr gut kannte, hatte ich abgesagt. Ich glaubte zu wissen, dass es um eine Art Wettbewerb geht: Wenn du uns täuschst, hast du gewonnen, wenn nicht, haben wir gewonnen. Das fand ich die denkbar schlechteste Haltung für Zauberei.

Erst danach habe ich mitbekommen, dass das einfach eine kleine Mogelpackung von Penn und Teller ist, um zur besten Sendezeit gute Zauberei ins Fernsehen zu bringen. Das „Foolen“ oder nicht ist eher ein schönes Schmankerl, so dass sich eine größere Enttäuschung dort, glaube ich, wirklich für niemanden einstellt. Im Gegenteil: Es ist eine Freude zu erleben, wie dort alle an einem Strang ziehen, um möglichst gute Ergebnisse zu erzielen. In meiner Vorführung waren zum Beispiel diverse Kleinigkeiten daneben gegangen, so dass ich ein wenig improvisieren musste. Der Effekt und der Gesamt-Rhythmus waren davon zum Glück nicht groß betroffen, und die kleinen „Slalom“-Schlenker, die ich machen musste, wurden im Schnitt bereinigt.

Dabei ist das Konzept durchaus echt und ehrlich: Penn und Teller erfahren erst in dem Moment, wer ihnen da vorgesetzt wird, wenn man auf die Bühne tritt, und sie haben tatsächlich keinerlei Ahnung, was sie zu sehen bekommen werden. Ihre „Beratungen“ dauern live sehr viel länger, als am Ende zu sehen ist, aber ein Großteil dieser Zeit verwenden sie nicht um zu überlegen, wie die Methode war – das kennt man ja selbst: Entweder man ist getäuscht oder nicht -, sondern um die Texte für ihre „codierten“, verklausulierten Kommentare zu schreiben.

Überhaupt ist die ganze Sendung ein Kraftakt: Die Produktion geht über zwei Wochen, es sind ca. 200 Personen beteiligt, und an sechs Drehtagen werden 64 Acts aufgezeichnet plus 13 Penn & Teller-Nummern! Und dabei sind alle noch gut gelaunt und professionell. Sehr beeindruckend!

Mit einem Jahr Abstand — was hat dir dieser Auftritt persönlich, künstlerisch oder auch geschäftlich an Mehrwert gebracht? Und würdest du es wieder tun?

Handwerklich vor allem zwei Dinge: Die Erfahrung, wie es logistisch bei einer TV-Produktion dieser Art zugeht. Und die Erkenntnis, wie man Darbietungen für den Bildschirm „verknappt“ und auf den Punkt bringt. TV hat andere Gesetze als die Bühne.

Geschäftlich: Nix. Zwar meldeten sich die Produzenten von „America’s Got Talent“, aber die melden sich glaube ich bei jedem, und im Gegensatz zu „Fool Us“ weht da ein ganz anderer Wind. Vielleicht hätte man den Auftritt pressemäßig etwas ausschlachten können, aber das habe ich vergessen oder war zu faul!?

Wieder tun: Eindeutig ja. Das hat großen Spaß gemacht!

Schenkst du uns zum Abschluss bitte noch eine magische Weisheit oder ein Kurzgedicht des Lebemanns, Fußgängers und Kleinillusionisten Heinz?

Na, dann doch gerne beides:

Die große Weisheit (die nur so trivial klingt): Die wichtigste Fähigkeit für einen Zauberkünstler ist, die Dinge aus der Sicht der Zuschauer zu sehen.

Und, anlässlich der aktuellen tropischen Temperaturen, hier ein Zweizeiler zum Thema „Air Condition“: „Die Kühlanlage tat ihn stör’n. Er konnt’ die schon nicht mehr hör’n.“

Ich verrate aber nicht, was von mir und was von Heinz ist!

Großartig, ich glaube, das wird auch nicht nötig sein! Doppelten Dank, Pit und Heinz, für diese Perlen und all die persönlichen Einblicke, und euch weiterhin alles Gute!

(Interview: Jan Isenbart)


Hier geht es zur Website von Pit Hartling.

Hier ist Pit in einem recht aktuellen Podcast-Interview bei Vanishing Inc. zu hören.

Und hier sein letztjähriger Auftritt bei “Penn & Teller: Fool Us”:


 

Words and Thoughts on Wonder

Speaking of interviews, science magician and professional speaker Dr. Matt Pritchard from the UK runs a fine, scholarly website which I have been pointed to only very recently. In his own words, the site’s concept is quite simple:

I interview a host of creatives, magicians and scientists about their work and how they cultivate & share wonder. They are all people who have inspired me in my own work or just made me go “Wow!”

The 70+ interviews are a treasure trove of interesting people with fascinating ideas or areas of expertise. Advice: Do not only hunt for the magicians! (But make sure to read R. Paul Wilson.)

Highly recommended!

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Website Screenshot

 

Im Interview: Thomas Fraps

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Zauberer mit Hirn: Thomas Fraps (Bild: Gerald Huber)
„Wir zaubern einfach weiter, solange Zuschauer kommen“

 

Hallo, Thomas! Das Jubiläum „25 Jahre Zauberwochen“ in München liegt seit ein paar Wochen hinter dir und deinen Mitstreitern. Wie lief es denn so?

Thomas Fraps: Sehr gut! Wir hatten drei fast ausverkaufte Abende, unter anderem mit Guy Hollingworth und David Sousa als Special Guests und mit vielen Fertigen Fingern, die sich ja auch vor 25 Jahren zusammengefunden haben in der Ursuppe des Kellertheaters, das es mittlerweile leider nicht mehr gibt. Ein immenser Wasserschaden im Sommer 2017 und ein schwieriges Verhältnis mit dem Vermieter, der den Vertrag mit dem Pächter einfach nicht erneuert hat, haben dazu geführt, dass der Raum nach fast 40 Jahren jetzt nur noch ein Keller ist, ohne Theater.

Wer oder was war denn dein persönliches Highlight, aktuell und auch aus den 25 Jahren?

Oh, das ist schwer zu sagen, sicher aber, dass wir zum 20-jährigen Jubiläum Mac King für zwei Abende als Stargast der Zauberwoche engagieren konnten, und ebenso die Tatsache, dass vorher auch schon “Kollegen” wie Richard McDougall, Noel Britten, David Williamson, Max Maven, Gary Kurtz – zwei Mal! –, Juan Tamaríz und viele andere im Keller als Stargäste ein Soloprogramm gespielt haben. Und das auch noch zu “Freundschaftskonditionen” aufgrund persönlicher Bekanntschaften im Lauf der Jahre, meist durch unsere Auftritte als Fertige Finger. Die Jungs wussten also, aus welcher Ecke die Anfrage kam und worauf sie sich einlassen – plus natürlich die Münchner Biergärten als Bonusargument!

Daneben bietet Ihr beim Magic Monday auch immer wieder dem Nachwuchs eine Bühne…

Ja, es gibt viele junge Kollegen, die die monatlichen Termine nutzen oder genutzt haben, zum Beispiel als eine weitere Auftrittsmöglichkeit vor den Deutschen Meisterschaften. Thommy Ten und Amelie oder Luke Dimon etwa haben 2013 jeden Magic Monday mitgemacht, um an ihren Nummern zu arbeiten und um die kreative Ursuppe zu nutzen, die da seit 1994 köchelt. Wir wiederum als Gastgeber haben dafür tolle Nummern im Programm.

Im Fall von Luke Dimon fiel mir in einer Anmoderation übrigens plötzlich auf, dass er ja noch gar nicht geboren war, als wir zum ersten Mal die Magic Mondays veranstaltet haben! Da steht man dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge vor schmunzelndem Publikum.

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Oh ja, tempus fugit! Dennoch, wie geht es denn 2020 und darüber hinaus weiter?

Wir zaubern einfach weiter, solange Zuschauer kommen, und versuchen die Magic Mondays weiterhin als Kreativlabor zu nutzen, also die Ursprungsidee fortzuführen: gemeinsam aufzutreten und sich gegenseitig Feedback zu geben, um Nummern oder Charaktere weiterzuentwickeln.

Du hast es erwähnt, zeitgleich mit dem Jubiläum der Zauberwochen gab es auch noch die sicher feucht-fröhlichen 25 Jahre Fertige Finger-Feierlichkeiten (FFFFF). Bei Paaren nennt man das Silberhochzeit oder Silberjoch – wie fühlt sich das in eurer offenen Gruppen-Beziehung an, außer vergänglich?

Das war ein schöner, gelungener Abend, zumal es auch mein 52. Geburtstag war! Wir haben einen der Abende des 25-jährigen Jubiläums offiziell als Fertige Finger gespielt und alte Team-Nummern reaktiviert, die wir zum letzten Mal 2015 im Magic Castle gespielt hatten.

Natürlich hat es auch nostalgische Anklänge, da wir alte Nummern wieder gebracht haben und aufgrund der anderen Lebensphasen wie vor 20, 25 Jahren. Wir haben einfach aus beruflichen oder privaten Gründen nicht mehr so viel freie Zeit für’s Proben, Rumspielen und Improvisieren wie damals. Entsprechend hatten wir auch nur ein paar Stunden am Nachmittag Zeit für die Proben und die “Rekonstruktion” der Nummern. Aber es war schön zu erleben, dass diese Nummern und wir als Team immer noch gut funktionieren.

Wo seht Ihr euch denn zum 50. Geburtstag? Große Gichtige Griffel-Matinee um 11 Uhr, direkt nach dem Mittagessen, im Ruhesaal des Geriatrikon in Baden-Baden? Oder doch noch einmal Magic Castle?

Alles zusammen! Ich kann es nicht genau sagen, aber schön wäre es natürlich, mit 77 Jahren nochmal einen gemeinsamen Auftritt vor ausverkauftem Haus hinzustellen und dazu ein paar neue Nummern im Gepäck zu haben…

Gibt es aktuell gemeinsame neue Pläne der Finger, auf die wir uns freuen können? Apps, Podcasts, Instagram-Stories, Netflix-Serien oder dergleichen?

Momentan reichen dafür leider die Zeit und Energie nicht aus, um alle Kollegen so zu synchronisieren, dass es kontinuierlich zu Treffen und Proben kommen könnte. Ich habe die (Chaos-)Truppe ja stets als “Zeigefinger” organisiert, und es gelingt immer mal wieder, die Kollegen für ein Spezialprojekt oder eben ein Jubiläum zusammenzurufen, aber das bedarf langer Vorlaufzeit und ist vor allem immer ein Freundschafts- und Hobbyprojekt, das aber organisatorisch fast professionellen Zeit- und Organisationsaufwand bedeutet. Diese Freizeit, die in meinem Fall dafür übrig war, ist jetzt seit einigen Jahren mit meiner Familie und ganz besonders mit meinem Sohn Max ausgefüllt.

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Noch ein ganz anderes Thema, Thomas. Du befasst dich seit Jahren auch intensiv mit der Verbindung von Hirnforschung und Zauberkunst. Was gibt es Neues aus dem Täuschungszentrum im Hirn zu berichten?

Auch hier bin ich aus zeitlichen Gründen nicht mehr so eingebunden wie früher und auch an keinem Experiment mehr beteiligt, verfolge aber die Aktivitäten weiter, so gut es geht. 2017 war ich als Keynote-Redner auf der ersten „Science of Magic“-Konferenz in London eingeladen, zur zweiten in Chicago in diesem Jahr habe ich es als reiner Besucher leider nicht geschafft.

Es gibt viele Veröffentlichungen in Form von wissenschaftlichen Fachartikeln mit Peer Review, die im Netz zu finden sind, und ein populärwissenschaftliches Buch von Gustav Kuhn, das gerade erschienen ist, Experiencing the Impossible. Sehr zu empfehlen für jeden, der wissen will, was da genau getrieben wird mit der Zauberkunst im Labor! Wirklich neue Erkenntnisse gibt es aus meiner Sicht allerdings für uns Zauberer noch nicht.

Teller hatte vor Jahren mal in der Hoffnung, etwas für die Zauberkunst zu lernen, mit Hirnforschern zusammengearbeitet, aber dann enttäuscht wieder aufgegeben. Man findet seinen Artikel dazu im Netz. Ich halte den Dialog zwischen Zauberkunst und Wissenschaft für wichtig und auf lange Sicht auch fruchtbar. Doch das ist sicher individuell sehr unterschiedlich. Ich denke, wir verstehen dadurch besser, auf welchen Wahrnehmungsmechanismen manche unserer Finten und psychologischen Techniken beruhen. Es hilft auch, ein tieferes theoretisches Verständnis dafür zu bekommen, vorausgesetzt, man ist überhaupt daran interessiert.

Sollte sich nicht jeder ernsthafte Zauberer hiermit auseinandersetzen?

Es ist für eine gute Vorführung oder Kreativität in der Zauberkunst nicht existenziell erforderlich. Um eine hinkende Metapher zu verwenden: Es hilft Ahnung zu haben von der Funktionsweise eines Motors, wenn man Rennen fahren will oder ein neues Auto bauen oder das eigene Auto im Alltag plötzlich Probleme macht. Aber natürlich kann man auch ein sehr guter Autofahrer sein ohne zu wissen, wie der Motor funktioniert, bzw. anderen die Reparatur überlassen.

Als Künstler ist ein intuitives Verständnis oft wichtiger als technische, psychologische oder wissenschaftliche Details, in denen man sich auch verlieren kann. Juan Tamaríz, David Berglas oder Derren Brown sind ja auch komplett ohne diese “Zauberwissenschaft” ausgekommen, ganz im Gegenteil, sie haben psychologische Werkzeuge entdeckt und Methoden für ihre Kunststücke selbst entwickelt, die die Wissenschaftler jetzt für ihre Zwecke untersuchen, um mehr über unsere Denk- und Wahrnehmungsmechanismen zu lernen. So gesehen lernt die Wissenschaft momentan noch mehr von der Zauberkunst als umgekehrt.

Mit deinem Wissen in diesem boomenden Zweig der Forschung: Welche menschliche Eigenschaft oder Unzulänglichkeit, die Täuschungen begünstigt, fasziniert dich eigentlich am meisten?

Da gibt es eigentlich keinen Favoriten oder Einzelfall, sondern es ist genau der Sachverhalt an sich, den du ansprichst, der mich am meisten fasziniert. Die Tatsache, dass Wissen nicht vor Täuschung schützt, dass die Evolution diese “Fehlwahrnehmungen” noch nicht ausgemerzt hat, sondern im Gegenteil die Fähigkeit zu täuschen fester Bestandteil der Evolution ist und zum Beispiel im Fall der Tiertarnung das Überleben ermöglicht. Die Fähigkeit unserer Wahrnehmung, ein und dieselben Sinnesdaten flexibel zu interpretieren und offen zu sein für alternative Möglichkeiten, ermöglicht es uns dann eben auch – ungefährliche – künstlerische Illusionen zu erleben.

Die Zauberkunst wiederum stellt hier für mich die schönste Anwendung dar, denn sie ist nicht einfach nur eine Illusion, die uns zum Beispiel parallele Linien als schief sehen oder einen Gorilla bei einem Basketballspiel übersehen lässt. Die Zauberkunst lässt uns etwas als real sehen und fühlen, das uns unser Verstand als „unmöglich“ meldet.

Und meine Vermutung ist, dass – egal welchen Wissenstand wir in 100 oder 1000 Jahren haben werden – die Zauberkunst immer möglich sein wird. Also Szenarien und Choreographien zu erschaffen, die uns unmögliche Illusionen erleben und im Idealfall fassungslos staunen lassen. Als Profi ist beruhigend zu wissen, dass die Grundlage unseres Berufes, Menschen zum Staunen zu bringen, auch für die nächsten Jahrhunderte gesichert ist.

Vielen Dank für das Gespräch, Thomas, und dir und den Fertigen Fingern weiterhin viel Erfolg!

(Interview: Jan Isenbart)


Hier geht es zu ausgewählten Texten von Thomas Fraps, und hier könnt Ihr ihn im “Magischen Podcast” Nr. 79 von Dominik Fontes und Daniel Dück hören!


 

Im Interview: Hakan Varol

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„Ich bin kreativer als ein Lochbohrer!“

 

Lieber Hakan Varol, wie hat Ihnen denn der Auftritt von Harry Keaton mit Ihrer gemeinsam entwickelten Fühlbox bei „Penn & Teller: Fool Us“ gefallen?

Hakan Varol: Er war super, richtig toll! Er hat ein Kunstwerk daraus gemacht!

Klingt da auch Stolz mit?

Ein bisschen, natürlich. Aber es geht ja nicht um mich. Es hat lange gedauert, die Box zu dem zu machen, was sie heute ist – ein schlichter Kasten in unschuldig weißem Look und so gar kein Zauberrequisit.

Beschreiben Sie doch bitte mal ein bisschen Ihre Arbeitsweise als Erfinder und Entwickler.

Ich bin Autodidakt. Bei mir gibt es keine gezeichneten Pläne. Ich probiere gerne stundenlang verschiedene Möglichkeiten mit allen möglichen Materialien aus und lasse mir alle Optionen offen. Wenn eine Idee nicht funktioniert, versuche ich eine andere. Bei mir kann sich jeder Kunde erst einmal alles nur Denkbare wünschen. Dann suche ich nach Wegen, das zu ermöglichen. Am Ende muss der Zeitaufwand natürlich in einem vernünftigen Verhältnis zum Ergebnis stehen.

Wie lief das bei der Entwicklung der Box mit Harry?

Harry hatte eine Gefühlsbox von Boretti gekauft und kam damit irgendwann zu mir. Wir wollten eine gute Idee auf ein ganz anderes Niveau bringen. Da ging es natürlich nicht nur darum, wie Boretti behauptet hat, das Loch zu versetzen. Wie er das behaupten kann ohne dabei gewesen zu sein, bleibt mir ein Rätsel. Ich bin kreativer als ein Lochbohrer! Das habe ich damals ja auch schon mit dem sechsfachen Würfelkasten für Helge Thun gezeigt.

Zuerst haben wir mehrere Tage lang zusammen überlegt, welche Effekte noch mit der Box möglich sind. Dann haben wir angefangen nach Lösungen zu suchen, ein kreatives Ping-Pong-Spiel. Eine frühe Idee war etwa, die Kiste von unten zu laden, aus einem speziellen Tisch heraus, aber das wäre einfach zu offensichtlich gewesen. Dann hat uns an dem Schieber gestört, dass er sich nicht ganz herausziehen lässt. Das war uns nicht überzeugend genug. Da hatten wir zunächst die Idee, den doppelten Boden mit Magneten am Schieber zu befestigen. Er musste dann aber heimlich gestohlen werden. Das bewährte sich in der Praxis nicht so sehr.

Naja, irgendwann hat es dann Klick gemacht und die jetzige Lösung war da. Das erste Problem war sauber gelöst. Nach und nach kamen weitere kleine Veränderungen hinzu, um das Ganze zu optimieren. In der Summe haben wir fast ein ganzes Jahr daran gearbeitet. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, es geht immer weiter!

Wo kann die Weiterentwicklung denn noch hingehen?

Es gibt immer neue Variationen. Deshalb möchte ich auch, dass die Box jedem Interessenten zugänglich ist und freue mich, wenn meine Kunden auf kreative Art eigene Ideen umsetzen, was auch schon geschieht. Die Box kann so vielfältig präsentiert werden, ob als klassische Sprechzauberei, als Comedy, als Hypnose-Darbietung oder als Produkt-Pitch. Sie wird sogar ganz ernsthaft im Coaching eingesetzt.

Ich selbst habe die Idee, am Ende gar keine Box mehr zu haben, sondern nur noch eine Platte. Da taste ich mich aber weiter voran.

Das klingt sehr puristisch und vielleicht auch günstiger… Ihre Fühlbox kostet im Grundpreis 650 Euro, dazu kommen optional verschiedene Ausführungen und Trickrequisiten. Reflektiert der Preis entsprechend auch den hohen Produktionsaufwand?

Ja. Es ist eine aufwändige Arbeit, die auch sehr sauber ausgeführt werden muss. Ich kann daher nur wenige Fühlboxen im Monat herstellen. Das kann nicht einfach jeder Bastler nachbauen.

Sind Sie deshalb bisher von billigen Raubkopien aus Fernost und anderswo verschont geblieben?

Ich denke schon, denn es ist ein sehr hoher Arbeitsaufwand. Auch das Material, das ich verwende, gibt es nicht im nächsten Baumarkt. Es ist einerseits sehr dünn, andererseits aber auch sehr stabil, auch in der zerlegbaren Variante der Box.

Gab es denn nach Harrys Auftritt eine verstärkte Nachfrage?

Ja, in den ersten zehn Tagen kamen einige Reaktionen. Jetzt lässt es schon wieder nach.

Wie viele Boxen haben Sie denn inzwischen verkauft?

Auf jeden Fall mehr als zwei! (lacht) Ich kann aber sagen, dass meine Box inzwischen weltweit verbreitet ist, von Europa bis Amerika und von Afrika bis Asien und Australien.

Das wird Boretti vermutlich nicht so gerne hören… Er verweist seit Jahren auf seine Urheberschaft der Gefühlsbox und ist Sie aktuell in seinem Newsletter auch sehr persönlich angegangen…

Dazu muss ich zwei Dinge sagen. Grundsätzlich baut in der Zauberei alles auf etwas anderem auf. Es gibt Weniges, was wirklich ganz neu ist. Auch die Box von Boretti hat mindestens Vorläufer in pädagogischen Fühlboxen, wie es sie in Kindergärten gibt. Gibt man bei Google das Wort “Fühlbox” ein, erscheinen dort sehr viele Varianten für Kinder bis zu Senioren. Und auch ein doppelter Boden ist nun keine ganz neue Idee in der Zauberkunst. Wenn ich mich mit einem Trickprinzip befasse, ist es mein Anspruch die zu diesem Zeitpunkt beste Variante davon herzustellen.

Was Borettis aktuelle Behauptungen und Beleidigungen betrifft, hat er gerade eine von meinem Anwalt verlangte Unterlassungsverpflichtungserklärung unterschrieben, dass er drei Dinge aus seinem Newsletter nicht mehr behaupten wird oder darf. Das hat ihn über 1.000 Euro Anwaltsgebühren gekostet, die Unterlagen kann ich gerne jedem zeigen. Entschuldigt hat er sich bislang für seine Ausfälle nicht, und er behauptet auch noch andere Sachen. Mich interessiert das alles eigentlich gar nicht. Aber wenn er mich nicht in Ruhe lässt, wird es wohl für ihn aufgrund der von ihm unterschriebenen Unterlassungsverpflichtungserklärung teuer werden.

Es wäre doch eine gute Idee, wenn Herr Boretti für jedes seiner Kunststücke, das er verkauft hat und noch verkaufen wird, öffentlich den genauen Nachweis der Rechte belegt. Das würde auch weitere Diskussionen um das Thema sehr erleichtern. Dafür würde ich ihm dann gerne die Hand reichen.

Kommen wir abschließend zu erfreulicheren Dingen. Woran arbeiten Sie derzeit?

Ich habe mit Harry in den letzten zwei Jahren eine neue Sache entwickelt, eine Variante eines Mentaltricks, die er bei den Vorentscheidungen zu den Meisterschaften zeigen will. Damit wird er sicher auch die Zauberer neu überraschen und verblüffen – wenn er es nicht verbockt! (lacht)

Da sind wir aber gespannt! Vielen Dank für das Gespräch, Hakan, und weiterhin alles Gute!

(Interview: Jan Isenbart)

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Die Fühlbox von Hakan Varol und Harry Keaton

Zum Interview mit Boretti geht es hier, zum Interview mit Harry Keaton hier.


 

Im Interview: Axel Hecklau

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„Es war ein tolles Erlebnis und eine große Ehre“

 

Lieber Axel Hecklau, Respekt für Ihren starken Auftritt bei Penn & Teller! Wie zufrieden waren Sie selbst damit?

Axel Hecklau: Es war ein tolles Erlebnis und eine große Ehre mit dabei gewesen zu sein. Die Vorbereitungen waren teilweise recht anstrengend, besonders, um das vorgegebene Zeitlimit zu erreichen. Ich hatte schon Schwierigkeiten, die zehn Minuten bei der FISM zu realisieren — für Penn & Teller musste ich unter fünf Minuten liegen.

In der letztendlich ausgestrahlten Version fehlen darüber hinaus noch zusätzlich einige Textzeilen und Gags. Das merke zwar nur ich, aber durch die vielen Schnitte kann nun auch der Eindruck entstehen, dass tricktechnisch relevante Momente eliminiert wurden, was nicht der Fall ist. Alles in Allem bin ich aber sehr happy!

Was hätte besser laufen können oder müssen, um die beiden möglichst zu “foolen“?

Bei „Fool Us“ gibt es keine klaren Regeln, deshalb ist es auch sehr schwer vorherzusagen ob eine Routine täuscht. Eric Mead hat es in seiner Performance genau richtig gemacht: Er hat vorher definiert, welchen Teil seiner Vorführung sie herausfinden müssen – das war perfekt. Im Nachhinein bin ich nicht mehr ganz sicher, ob ich Penn bei seiner recht vagen Andeutung richtig verstanden habe und ich sie nicht eventuell doch getäuscht habe. Was ich hätte anders machen können? Ich hätte Penn bitten sollen, seine Vermutung etwas zu präzisieren.

Wie kam es zu Ihrem Auftritt? Haben Sie sich selber beworben, wurden Sie empfohlen oder “gescouted”?

Ich hatte vor drei Jahren eine Idee für ein Kunststück, die ich mir bei „Fool Us“ gut vorstellen konnte. Leider passte das „Bild“ damals nicht, da es — obwohl ein völlig anderer Effekt — zu ähnlich zu einer gerade gesendeten Darbietung war. Aber der erste Kontakt war so entstanden. Dann habe ich 2018 die Produzenten bei einem spanischen Zauberfestival getroffen, und wir kamen erneut ins Gespräch. Ich habe ihnen zwei Vorschläge gemacht, die sie beide gut fanden.

Und wie fiel dann die Entscheidung für die “Führerscheinwanderung” mit Teller?

Ich habe meinen Favoriten etwas „forciert“, mit dem sie letztendlich einverstanden waren. Dass ich Teller als Mitspieler auf der Bühne hatte, haben wir erst in der ersten Probe vor Ort entschieden.

Wie haben Sie sich speziell auf diesen Auftritt in englischer Sprache vorbereitet? Und was musste an der Routine verändert werden?

Meine Darbietung musste ich ja schon für die FISM Europe und die Weltmeisterschaft in Busan auf Englisch zeigen, deshalb war das kein Problem. Den Mittelteil mit meinem Rubik‘s Cube-Effekt musste ich weglassen und einen anderen tricktechnischen Weg finden, um eine bestimmte Bewegung zu motivieren. Alle Plastikkarten mussten aus Copyright-Gründen neu gestaltet werden, und auch den Umschlagständer habe ich für „Fool Us“ neu konzipiert. Man sieht: Da steckt Arbeit drin!

Wie lief die Unterstützung und Beratung vor Ort ab?

Michael Close ist hinter den Kulissen für die Beratung zuständig und der Einzige, der das genaue Trickgeheimnis kennt. Mit ihm hat man einen oder zwei Tage vor der Aufzeichnung eine Probe, bei der man die Routine eventuell noch etwas „fernsehtüchtiger“ macht, also Gags durchspricht, wer einem am besten assistiert, wie man mit den Kameras umgeht etc.

Bis zur 6. Staffel hat er mit Johnny Thompson im Team zusammengearbeitet. Leider ist Johnny bei der Arbeit an der Staffel zusammengebrochen und ins Krankenhaus gebracht worden. Ich hätte mich sehr gefreut, ihn (wieder) zu treffen und mit ihm aktiv an meiner Darbietung zu arbeiten. Leider ist er dann an dem Tag, an dem ich zurück nach Deutschland geflogen bin, verstorben. Sein Tod ist ein herber Verlust für die Zauberkunst.

Die Aufzeichnung der Sendung ist ja schon einige Monate her. Wie schwer war es, nicht darüber sprechen zu dürfen?

Vertraglich ist man ja verpflichtet die Klappe zu halten – aber das wird mit zunehmender Zeit leichter und andere Projekte werden wichtig. Letztendlich kam dann die Ausstrahlung aber auch viel früher, als ich erwartet hatte.

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Wie geht es nun weiter? Streben Sie einen zweiten Anlauf bei Penn & Teller oder in einer anderen Castingshow an?

Zwei Tage nach der Ausstrahlung haben mich „America‘s Got Talent“ und „Das Supertalent“ angefragt. Ich habe aber kein Interesse, mich von irgendwelchen Promis „beurteilen“ zu lassen oder der Fernsehmaschinerie auszuliefern. Da ich nicht das Ziel habe berühmt zu werden, bin ich auf das Fernsehen zum Glück nicht angewiesen. Bei „Fool Us“ war ich sicher, dass hier im Vordergrund steht gute Zauberkunst zu zeigen. Bei den Castingshows geht es um etwas ganz anderes.

Zu noch einem Anlauf bei Penn & Teller hätte ich schon Lust. Es war ein tolles Erlebnis — allerdings braucht man dafür eine gute Idee. Und die wächst bekanntlich nicht auf Bäumen!

Wird Ihr gezeigter Trick bald auch vermarktet werden?

Ich habe sehr viele Anfragen bekommen, ob ich meine „Lost & Found“-Routine veröffentlichen würde. Ich werde es wohl nicht machen. Schließlich habe ich bereits eine ganze Menge aus meinem aktiven Repertoire geteilt — ein paar Dinge möchte ich da schon gerne nur für mich behalten wie z.B. meine Linking Cards, mein Rasierklingen-Essen oder meine Eierbeutel-Routine. Nächstes Jahr gehe ich auf meine vierte Deutschland-Seminartournee. Da gibt es dann viele (andere) schöne “Schmankerl”!

Vielen Dank für das Gespräch, Axel, und weiterhin viel Erfolg!

(Interview: Jan Isenbart)

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Zum Anschauen: Axel Hecklaus Auftritt!

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In der aktuellen Folge des Trickverrat-Podcasts von Ingo Brehm und Albin Zinnecker spricht Axel Hecklau ausführlich über seine Erfahrungen bei „Penn&Teller: Fool Us“.

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Und hier geht’s zum Interview mit “Fool Us”-Kandidat Harry Keaton!


 

Im Interview: Boretti

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„Ich hab‘s erfunden“

 

Lieber Boretti, vor fast 25 Jahren haben Sie die Gefühlsbox erfunden und erstmals in Ihrem Manuskript “And so on” veröffentlicht. Angeregt dazu wurden Sie seinerzeit, wie Sie schrieben, durch einen Trick eines ungenannten Zauberfreundes, der in einer Box eine Riesenkarte verwandelte. Wie wurde daraus dann die Gefühlsbox?

Boretti: Bei dem Zauberer, der mir seine Kiste schenkte, handelte es sich um den vor einigen Jahren verstorbenen Karlheinz Spindler aus dem Raum Freiburg. Es war eigentlich nur eine große Kiste mit Loch. Eine Doppelbildkarte wurde in das Loch gesteckt und “verwandelt” heraus gezogen – völlig unbrauchbar und zu simpel für ein Zauberkunststück. Herr Spindler hatte offenbar selbst gemerkt, dass dieser Effekt nicht der größte war und hat die Kiste neben anderen Requisiten an mich abgegeben.

Und dann?

Ich musste fast alle Requisiten entsorgen. Da die Box aber schön aussah, wollte ich sie nicht wegwerfen. Das Loch schrie praktisch danach, es als Eingriffsloch zu benutzen. Dann habe ich mir das Spiel mit den gegensätzlichen Begriffen – wie Schwamm/Stein und Seil/Stacheldraht – ausgedacht. Der Zuschauer sollte sich in seinen “Empfindungen” täuschen.

Und die Tricktechnik?

Die gab es noch nicht. Um eine passende Austauschmöglichkeit zu finden, kam ich dann auf die Idee, eine zweite Ebene unterhalb des Eingriffsloches einzubauen.

Entstanden ist dann eine dreiteilige Routine, die mit einem Kartenfinden endet. Warum dieses Finale?

Zunächst täuscht sich der Zuschauer ja zweimal. Zum Schluss sollte er aber als Star dastehen, indem er die von einem anderen Zuschauer gewählte Karte auf unerklärliche Weise findet. Das war mir sehr wichtig.

Ich liebe diese Art der Zuschauerspiele, sie sind immer noch meine Leidenschaft. So hat ja dann auch mein “Superquiz” seinen Siegeszug angetreten.

Wie hat Ihnen denn der Auftritt von Harry Keaton bei “Penn & Teller: Fool Us” gefallen?

Keaton hat das exzellent und souverän vorgeführt!

Und wie stehen Sie zu seiner Weiterentwicklung der Box?

Er hat seinerzeit meine Box gekauft und sie zwecks Änderung des Loches an Hakan Varol gegeben. Ihre Box ist sicher optisch wie technisch eine Modifizierung. Der Schieber lässt sich komplett herausziehen, und die Trickebene wurde zur Seite verlegt – bei mir ist sie ja oben.

Die nun kursierende Frage “Wer hat’s erfunden?” stellt sich also gar nicht…

Ich hab’s erfunden. Was meine Publikationen „And so on“ von 1995 und mein Buch Vorhang von 2013 dokumentieren.

Insgeheim freut es mich natürlich, dass meine Idee und Kreation und die Entwicklung der zweiten Trickebene nun den höchsten Ritterschlag von Penn Jillette erhalten haben! Er sagte, dass dies die beste Illusion sei, die er je gesehen habe.

Entscheidend waren natürlich nicht die Ausführung oder Konstruktion der Kiste, sondern insbesondere die Grundidee und die Effektfolge. Und die wurde vor vielen Jahren von mir konzipiert, veröffentlicht, und von der Firma Future Magic in Lizenz produziert.

Vielen Dank für das Gespräch, Boretti, und weiterhin alles Gute!

(Interview: Jan Isenbart)


Zum Interview mit Harry Keaton geht es hier und mit Hakan Varol hier.

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Aus meinem Zauberfundus:

Eine frühe Original Boretti Gefühlsbox in leicht geöffnetem Zustand und mit dem Stacheldraht-Ring, den der Zuschauer stets als Seilstück “erfühlt”.

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Update Mai 2020:

Boretti bietet die Gefühlsbox derzeit auch in weiß und “ohne Schnick-Schnack” an, zu sehen hier. Auch andere Farben sind möglich.