Frühe Kartenzauber-Psychologie (2)

“Forcieren der Karten”

Während die Volte nur durch stete Übung erlernt werden kann, gehört zum Forcieren einer Karte erstens, gleich wie bei der Volte, grosse Übung, dann kommt es aber auch noch auf eine undefinierbare individuelle Auffassung des Ganzen an. Es muss vom Künstler ein gewisser unbemerkbarer Zwang ausgehen, so dass eine Person gerade die vom Künstler gewünschte Karte wählt oder zieht. Hierbei muss den Künstler nun im Wesentlichsten seine eigene Beredsamkeit unterstützen, ja, er muss den oder die Zuschauer quasi fascinieren. — Für Bühnenkünstler ist dies nicht allzuschwer, da bei diesen noch zu viele Äusserlichkeiten als unterstützende Momente hinzukommen; schwerer ist es schon im Salon; am schwersten aber im guten Freundeskreise, da hier jeder conventionelle Zwang aufhört und Zwischenfragen an den Vortragenden gethan werden, denen derselbe dann natürlich kleine ausweichende Scherze entgegenhalten muss.

F.W. Conradi, Der moderne Kartenkünstler (1896), S. 9

Mehr frühe Kartenpsychologie gibt es hier!


 

Alles über Zauber Bartl

Zauber Bartl in Hamburg war das erste Zaubergeschäft, das ich kennenlernte und bei dem ich als Jugendlicher per Post einkaufte. Jahrelang ging fast mein gesamtes Taschengeld für Requisiten und Tricks drauf, die zumeist “komplett, jedoch ohne Tuch” geliefert wurden. (Sollte ich jemals ein Buch über mein Zauberleben schreiben, wird das Kapitel über Zauberhändler genau diese Zeile als Überschrift erhalten!)

Birgit Bartl-Engelhardt, die Enkelin von Rosa und János Bartl, hat vor über zehn Jahren damit begonnen, deren magische Geschichte zu erforschen und zu schreiben. Im August erscheint nun das über 200 Seiten starke Werk Die Bartl-Chronik Hamburg 1910-1998 im Großformat und mit diversen Beilagen im Verlag Magische Welt von Wittus Witt. (Ein wunderbarer Fernsehbeitrag über Rosa Bartl von 1968 lässt sich übrigens hier betrachten.)

Bartl

Mit dem Buch wird sicher eine wichtige Lücke in der deutschen Zaubergeschichte geschlossen. Über die im gleichen Atemzug zu nennenden Händler Carl Willmann und F.W. Conradi-Horster liegen ja bereits seit einigen Jahren Monografien vor (die ebenfalls von Verwandten verfasst wurden – von John Willmann bzw. Waldemar Horster).

Offiziell wird das Bartl-Buch am 21. August um 18 Uhr mit einer Lesung der Autorin in der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky vorgestellt. Vorbestellungen sind ab sofort bei Wittus Witt zum Subskriptionspreis von 56,50 Euro plus Versand möglich. Ab August beträgt der reguläre Buchpreis dann 65,50 Euro plus Versand.

Meine Bestellung ist abgeschickt!


 

Lesen in der Zauberwelt

Lybrary.com hat vor wenigen Tagen Carl Willmanns Zeitschrift “Zauberwelt”, die von 1895 bis 1904 erschien, in sein Angebot aufgenommen. Alle Ausgaben zusammen kosten als PDF-Version 49,50 Dollar. Schon länger erhältlich ist dort auch F.W. Conradi-Horsters “Zauberspiegel” in 13 Jahrgängen. Der Preis beträgt 49 Dollar.

Zauberwelt

 


 

Antreten zum Tuchschwenken!

Ist das nicht ein wundervolles Bild? Preußischer Zauberdrill in F.W.C. Horsters “Akademie für magische Kunst”, vermutlich vom Anfang des letzten Jahrhunderts.

HorsterAkad

“Ach-tung, meine Herren! Und jetzt im Gleichschwung: Präää-sen-tiert das FOU-LARD!!!”

Allerdings frage ich mich, ob der junge Herr vorne links der Kursleiter ist oder etwa ein undisziplinierter Nonkonformist, der schon eine Lektion weiter ist und am Tuch-verschwinden mittels Revolver arbeitet?!

Ich entnehme das Bild dem Buch Der Zauberer und sein Enkel: F. W. Conradi-Horster. Aus der Lebensgeschichte des Magiers von Waldemar Hans Horster, das ich kürzlich gelesen habe (und das es in einer günstigen Kindle-Version bei Amazon gibt). Extrem detailreich und empfehlenswert!