Aus meiner Sammlung: Mandra der Magier

Mandra der Zauberer_Heft 1

Wussten Sie, liebe Zaubersammlerfreunde, dass es drei Versuche gab, die U.S.-Reihe “Mandrake the Magician” von Lee Falk mit etwa 30 Jahren Verspätung auch auf dem deutschen Comic-Markt einzuführen? Und das unter dem etwas ungelenk verkürzten Namen Mandra? Hier ist Heft 1 des zweiten Anlaufs aus dem Jahr 1967 zu bewundern, das ich in meiner Sammlung habe.

Dieser Start war jedoch etwas holprig. Das in Schweden produzierte Heft wurde womöglich auch dort ins Deutsche übersetzt oder zumindest in Satz gegeben; die Titelgeschichte heißt “GEFAHREIM STADTSCHUNGEL” (genau so geschrieben). Auch in den Sprechblasen sind ein paar Buchstaben auf Abwege geraten wie sonst nur die Bösewichte. Kurios liest sich zudem die einfache Sprache von Lothar (!), dem afrikanischen “Dschungelmann” und Sidekick von Mandra. Er spricht so (“Ich nur versuchen zu beschützen Stadtpark”), wie wir es zehn Jahre später im Kino schmunzelnd von Meister Yoda in “Star Wars” hören sollten…

Enttäuschend fand ich, dass Mandra trotz seines schnieken BühBlitzGordonnen-Outfits, das er auch im Alltag trägt, gar nicht mit Zaubertricks arbeitet, sondern alle Bösewichte mal eben hypnotisiert und so zu Opfern ihrer Einbildungskraft macht. Keine Force, keine Blitzwatte und auch keine Spielkarten als Wurfgeschosse aus dem Ärmel… Schade!

Auf der hinteren Umschlagseite des Comics fand sich übrigens Werbung für eine weitere “neue Serienzeitung”, ebenfalls etwas gewollt eingedeutscht: “Blitz Gordon”.

In beiden Fällen war jedoch das Beste: das Titelbild!


 

Neustart für TV-Zauber mit Pan Tau

Pan Tau
Bild: ARD/Caligari/Film2020; Quelle: obs/ARD Das Erste

Er ist wieder da, wenn auch ganz anders: Pan Tau. In 14 Serienfolgen verzaubert er ab 27. September in der ARD Mediathek und ab 4. Oktober in Doppelfolgen im Ersten als Maskottchen die Schüler der Westpark Schule, wann immer diese Hilfe brauchen. Aber damit nicht genug: “Dank ihm entdecken sie ihre eigenen Superkräfte: Mit Mut, Cleverness, Selbstbewusstsein und Freundschaft meistern sie am Ende jede Herausforderung und wachsen so über sich selbst hinaus”, verspricht der Pressetext.

Die Hauptrolle in der deutsch-englischen Koproduktion, die in Bayern gedreht wurde, spielt der britische Comedy-Zauberer Matt Edwards. Mit Armin Rohde, Bettina Lamprecht, Sophie von Kessel, Helmfried von Lüttichau und Tom Gerhardt sind zahlreiche bekannte TV-Schauspieler in den Episoden zu sehen.

Ob mit der neuen Inszenierung an den schlichten Charme des schwarz-weißen Originals der 70er Jahre mit Otto Simanek in der Titelrolle angeknüpft werden kann? Wir sind gespannt!


 

On the Concept of Time in Magic

Karussell

“We must use time as a tool, not as a couch.”
– John F. Kennedy

The concept of time is a wonderful invention (or discovery?). In short, time is both momentary and eternal, flying and stretching, a constant blending of then, now and soon, irretrievable and virtually inescapable. Except for magicians, of course, be they on stage, in books or in movies.

Incidentally, I believe that time traveling is one of the most fascinating phenomena for people, besides resurrection and floating, as they know bloody well from daily experience that time cannot be stopped, replayed or altered in retrospect. Time wasted is time lost forever. That’s why it’s a strong premise for any trick if it seemingly allows people or objects to travel through time and space.

This got me thinking about various concepts of time in magic, beyond the time-traveling theme. Here are a dozen other aspects:

  • the time and age of magic, way back when and today, with fashions always shifting and sometimes coming back in circles (and magicians sometimes “falling out of time” with their props, patter, or demeanor)
  • tricks with clocks, watches, etc. or about time as an overarching theme
  • the right time (and place) you choose to perform (or not)
  • the specific, measurable time and duration of a trick or performance
  • time wasted during tricks or endless patter (see JFK quote above!)
  • the perception of time passing quickly or slowly during a show from a magician’s perspective vs. the audience’s (and boy, that gap may be huge!)
  • time as a benchmark tool as in Silly Billy‘s laughs-per-minute ratio
  • the right “timing” of doing something, secret or not
  • time as in time misdirection
  • time used as a dramatic countdown towards the climax of a trick (cf. David Copperfield‘s death saw illusion)
  • time as a presentational choice to do tricks either in slow motion or in high speed/fast forward mode, or part of a trick as a replay
  • time as the crucial factor between trigger and effect that determines whether a transposition is actually perceived as a trick in the mind of the audience – a slow sub trunk illusion would not qualify as magic, neither a slow quick change.
  • …?

That’s my list so far, but I guess there’s at least another dozen more out there.

Time will tell…


Addendum:

There is a nice discussion on this topic over at the Genii Forum now!


Aus meiner Sammlung: Kontaktabzüge von Marvelli

Marvelli_sw_Kontaktabzug_2

Aus der Auflösung eines internationalen Fotoarchivs konnte ich kürzlich einen Bogen Kontaktabzüge ersteigern, von dem jedoch ein Bild schon ausgeschnitten war. Ich bin mir relativ sicher, dass es sich bei diesen Studioaufnahmen um Fredo Marvelli (Friedrich Jäckel, 1903-1968) bei der Vorführung seines “schwebenden Stabes” handelt.

Auf der Rückseite trägt der Abzug einen Stempel des Fotografen Konrad Weidenbaum, “Schriftleiter im R.D.P.”, was wohl für den Reichsverband der Deutschen Presse, der im Deutschen Reich bis 1945 bestand, steht. Vermutlich stammen die Aufnahmen aus den 1930er-Jahren.

Kennt vielleicht jemand ähnliche Bilder von Weidenbaum, ob von Marvelli oder anderen Zauberkünstlern seiner Zeit?


 

More Hocus Pocus from Prof. Wiseman

Wiseman HP_2

After a successful premiere, the second issue of Hocus Pocus by Richard Wiseman and friends is out now with more stories and interaction on “Magic, Mystery and the Mind!”

You can download it for free here or get a print copy at selected shops.

It’s fun, it’s clever and enlightening. Enjoy!


 

Wie umgehen mit Trickverrat???

Trickverrat

Liegt der Zauber der Zauberei im Geheimnis, in der Präsentation oder doch nur in der guten Laune? Eine ebenso alte wie ungelöste, weil kontroverse Kernfrage unseres Metiers. Fakt ist, dass es nach wie vor zum von Zaubervereinen gepflegten Initiationsritus junger Adepten gehört, sich Geheimnisse zu erarbeiten und zu verdienen, sie zu schätzen und zu hüten – und bei deren Verrat an Nichtzauberer den Zorn der Bruderschaft und mögliche Sanktionen bis zum Vereinsausschluss und der sozialen Ächtung auf sich zu ziehen.

Aber ist das noch zeitgemäß in Zeiten von Google, YouTube & Co.? Nimmt die Zauberkunst durch allgegenwärtigen Trickverrat wirklich Schaden? Werden prominente Trickerklärer besser oder schlechter behandelt als der Auchzauberer? Und wo verläuft die Grenze zwischen Trickverrat und Nachwuchsgewinnung?

Hanno Rhomberg, der ebenso rastlose wie ideenreiche Macher des Aladin, hat sich aus aktuellem Anlass dieser vielschichtigen und brisanten Fragestellung angenommen und dazu soeben ein kleines, lesenswertes Sonderheft produziert, das hier kostenlos heruntergeladen werden kann. Daneben hat er eine Umfrage initiiert, um ein möglichst breites Meinungsbild aus Zaubererkreisen einzuholen. Macht also gerne auch mit und verratet eure Einstellung zu Geheimniskrämerei und Trickverrat!

HIER GEHT’S ZUR UMFRAGE

TopSecret
Quelle: Screenshot Aladin Blog

 

A Farewell Message from Roy / Eine Abschiedsnachricht von Roy

Roy Horn

Wow! As Siegfried wrote on their Facebook account, Roy has left a touching career video and a farewell message in English and German to Siegfried and all magic friends at his funeral:

Roy_Farewell_Facebook_engl

Roy_Farewell_Facebook

Source/Quelle: Siegfried & Roy Facebook account

Roy passed away in May at age 75, a victim of COVID-19. You can find my short tribute to him here.


 

 

Blake Vogt’s Abracadabra by Design

Blake Vogt_Abracadabra_VanInc
Screenshot from Vanishing Inc. Newsletter

As you can see in this special section of my blog, I’m a sucker for magic art and art in magic. So I do get excited when a magician puts his artistry into art. Creative mastermind Blake Vogt has just designed a cool graphic poster which displays the word ABRACADABRA in a stunning, not-so-obvious way. You can order this piece from Vanishing Inc. while supply lasts.


 

Debunking the Maskelyne Myth

Maskelyne_BBC
Screenshot from BBC video

Somewhat related to my recent review of H. Wayne Capps’s disappointing book, Magicians at War, a fews days ago I was pointed towards this nifty BBC video animation by Dan John and Michael Bialozej. In less than seven minutes, they give you a crash course about the myth how Jasper Maskelyne supposedly contributed eminently to the British War effort by employing means of magic and ingenious engineering in the North African theatre. (No, he didn’t.) Some experts on magic and deception are also quoted. (Richard Stokes, the main debunker, is sadly not among them.) Recommended!


 

Fröhliche Becher-Tage?!

Der Corona-Virus gibt uns immerhin gerade reichlich Gelegenheit, viele unserer alltäglichen Routinen zu hinterfragen und alternative Wege auszuprobieren. Warum zukünftig nicht auch mal beim Thema Zauberkongresse und -seminare?

Ich habe mich gefragt, ob zwischen diesen etablierten Formaten mit all ihren Vor- und Nachteilen noch Luft ist für ein “Zwischending”. Meine Idee: Statt bunt-beliebigen Verkaufskongressen – oder ergänzend dazu – monothematische Ein-Tages-Workshops mit begrenztem Teilnehmerkreis.

Am Beispiel “Becherspiel” könnte ein solcher Workshop etwa so ablaufen:

1. Video-Einstieg (und/oder Videos oder Live-Demonstrationen nach jedem Programmpunkt)

2. Historie und Bedeutung des Becherspiels in der Zauberkunst

3. Klassische Routinen und ihre Schöpfer (inkl. Detailanalysen)

4. Etwas Kultur: Das Becherspiel in der bildenden Kunst

5. Besonderheiten von Chop-Cup- und Zwei-Becher-Routinen

6. Praktische Tipps für das Becherspiel am Tisch / im “Salon” / auf der Bühne / auf der Straße

7. Schlussladung: Eine Parade neuer Griffe, Variationen und Präsentationsideen (unter Beteiligung des Fachpublikums)

Ich für meinen Teil hätte reges Interesse und große Lust, daran oder an ähnlich gestalteten monothematischen Veranstaltungen teilzunehmen!

Dies als kleine Anregung, die jemand hoffentlich in der Zukunft einmal aufgreifen und weiterdenken mag. Vielleicht ja die Stiftung Zauberkunst?

Andererseits gilt es zu bedenken: Vielleicht sind für so eine tiefe Auseinandersetzung nicht sehr viele Tricks und Themen geeignet? Wenig ist so vielseitig wie das Becherspiel. Insofern könnte ein ganzer Workshop-Tag über Theorie und Praxis des Ladens und Stehlens der DS vielleicht schnell ermüden? (Aber als Ermutigung könnte man ja vielleicht den “Goldenen Daumen” für eine echte Spitzen-Darbietung ausloben!)

Kurzfassungen dieses Konzeptes sind sicher auch für Zirkelabende denkbar und machbar. Es muss ja nicht immer gleich enzyklopäisch sein! Sonst gipfelt das Ganze am Ende noch in den Tollen Tübinger Thumbtip Tagen, dem Wuppertaler Wasserzeitungs-Wochenende oder gar im fünftägigen Remscheider Ringe-Piez…