Wenn Zauberkunst ins eigene Wohnzimmer streamt

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SAVE THE ART nennt sich ein neues, spannendes Projekt, das von den Hamburger Zauberkünstlern Lucas Kaminski und Jan Logemann mit Studio 17 initiiert wurde. Das Ziel: “Das Theater kommt zum Gast” – und das per Livestream ins eigene Wohnzimmer. Es passt somit perfekt zum derzeitigen Corona-Lockdown, unter dem natürlich auch gerade die dadurch beschäftigungs- und umsatzlosen Künstler und Theaterbetreiber leiden. Der Ticketpreis beträgt 9,90 Euro. Weitere Gäste vor demselben Bildschirm zahlen – auf Vertrauensbasis – nur 6,90 Euro; auch Spenden sind möglich.

Die Premiere am 26. März zumindest darf schon mal als voller Erfolg gewertet werden. Registrierung, Link-Versand und Übertragung bei YouTube klappten bei mir einwandfrei, auch Bild und Ton waren bestens. In der Spitze waren 590 Bildschirme live dabei und davor etwa 1.000 zahlende Zuschauer (vermutlich plus eine Dunkelziffer nicht-zahlender Mitgucker). Denen hat es in Summe offenbar hervorragend gefallen, denn der begleitende Live-Chat quoll geradezu über von Lob und witzigen Kommentaren.

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Neben starker Zauberkunst und skurrilen Texten von Musik-Kabarettist Felix Oliver Schepp gefielen die natürliche Atmosphäre und der lockere Plauderton, der auch Raum für Improvisation ließ. So kam der Abend tatsächlich nicht als streng getaktetes Kleinkunst-Programm rüber, sondern mehr wie eine gesellige Runde unter guten Bekannten, an der man aus dem eigenen Wohnzimmer heraus teilhaben konnte. Den diesbezüglichen Vergleich eines Sehers zur Late-Night-TV-Sendung “Inas Nacht” fand ich sehr treffend.

Übertragen wurde professionell mit mehreren Kameras aus dem kleinen, feinen Zaubertheater Magiculum des Magischen Zirkels Hamburg. Der versendete Link ist nach wie vor gültig, d.h. wer bezahlt hat, kann die Show auch nachträglich noch einmal anschauen.

Schade nur, dass aufgrund einer Terminverschiebung dieser Premiere der angekündigte Roland Henning nicht mit dabei sein konnte; ich hätte ihn gerne einmal “live” gesehen! Dafür gab es zwei großartige Einspieler mit Gästen: Helge Thun bekämpfte das Coronavirus zuhause virtuos mit Münzen und viel Seife; Denis Behr überzeugte wie immer, diesmal als “Expert at the Kitchen Table” mit einer Center-Deal-Routine. (Und ich glaube, im Hintergrund lief seine Spülmaschine…)

Für die nächsten Donnerstage sind weitere Abende mit Jan Logemann und Gästen geplant. An anderen Abenden spielen auch andere Künstler. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht und ob diese Art des bezahlten Heim-Theaters in unserer Kostenlos-Kultur einen Platz finden wird. Schön wär’s!

Zu den weiteren Terminen und Künstlern geht es hier.


 

Scamming the Magic Lemmings?

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Phew… Michael Close posted this very interesting link in his Jan/Feb newsletter. The headline sounded rather compelling:

“How a Magician Made $200,000 in Sales on a $100 Budget”

I certainly cannot validate the claims raised by marketeer Geraint Clarke in this article. However, it does sound fully possible to me. The product under discussion here is Ellusionist’s 2017 bestseller, “Erdnase x Madison” by Daniel Madison, which caused some stir in the magic community – and especially among Erdnase worshippers – back then. As we learn, the rage was well planned and planted.

From the introduction of Clarke’s article:

In 2017, I was asked to work on a campaign and product launch for a new training set for magicians. The product was called Erdnase x Madison.

Taught by Daniel Madison, a famous magician turned YouTuber, it was his re-telling of the methods Erdnase once shared. Bringing those methods and magic tricks into the current day.The product took the magic industry by storm, but not for the right reasons. To many, it was the butt of a joke they assumed we weren’t in on.

However, the sinister truth behind that negativity is… I manufactured it. With one bold quote [“I’m better than Erdnase, and I can prove it”–Daniel Madison] and less than $100 worth of marketing spend, the product sold out and grossed well over $200,000 within its first month of release.

But why did it work?

Shock and awe are online media’s bullet train. The fast route to awareness.

(…)

Click here to read the full article.

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Done? OK.

Quite a sobering read, isn’t it?

Now, leaving aside the specific product, why don’t we take this as a free lesson and a well-meant warning to all of us magic lemmings? It’s just plain wrong and stupid how we tend to jump, in best stimulus-response fashion, time and again on every latest overhyped gimmick or trick or the most outrageous claim out there in our fierce and tireless quest for the next holy grail of magic, searching and spending, spending and hoping, praying and spending…

Remember the First Law of the magic trade: Tricks can be bought. Magic can’t.
(And don’t forget the Second Law either: Never preorder! Never ever.)


 

 

A Hocus Pocus Minded Comic

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Just out: A new psychic comic magazine by Prof. Richard Wiseman and friends. On 28 pages, issue #1 of “Hocus Pocus” features stories about Washington Irving Bishop, the cataleptic mentalist, J.B. Rhine investigating a psychic horse and Alexander, The Crystal Seer spilling his beans to two Laurel and Hardy type FBI investigators.

For magicians and mystics, the magazine contains some simple, but fun interactive features. Stories and texts are enlightening and often tongue-in-cheek (“Who is ‘Alexander’?… Man, who knows!?”). The best thing for you pennypinchers: While you can order a print version for £6,99 in the UK, you can download a free PDF version here.

Issue #2 is already in the making. I enjoyed this first, quirky ride and learned some interesting bits along the way. Have fun with it, too!


 

MRA richtet Corona-Hilfsfonds ein

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Hanno Rhomberg schreibt im Namen des Vorstandes des Magischen Rings Austria (MRA):

In Österreich sind derzeit alle Veranstaltungen über 100 Personen verboten worden. Das bedeutet ein Zusammenbruch der kulturellen Szene, stornierte Aufträge für Künstler. Auch unsere Mitglieder und die Gemeinschaft der Aladin Leser kommen unter Druck, vor allem wenn Zauberei zu 100% der Broterwerb ist. Aber auch unsere deutschen und Schweizer Zauberfreunde haben Probleme und Einschränkungen.

Ich bin sehr stolz darauf, dass unser Vorstand einstimmig bereit war, einen Hilfsfond für professionelle Künstler zu schaffen, die durch diese Maßnahmen an den Rand ihrer Existenz gedrängt werden. Wir bitten um Verständnis, dass wir ausschließlich Künstler mit dem Fond unterstützen die hauptberuflich die Zauberkunst betreiben und ansonsten keine Absicherungen haben.

Der MRA – der als kleiner gemeinnütziger Dachverband mit 290 Mitgliedern über keine größeren Mittel verfügt  hat 5.000 Euro in den Fond eingezahlt. Wir hoffen, dass viele Zauberfreunde bei diesem Solidaritätsprojekt mitmachen. Wer kann und diese Aktion unterstützen möchte kann auf folgendes Konto einen Betrag mit dem Kennwort “Solidarität” einzahlen. Die Verwendung der Gelder und Zuteilung erfolgt unter Aufsicht eines Rechtsanwalts und wird durch einstimmige Beschlüsse im Vorstand des MRA vergeben.

Es wäre eine tolle Geste, wenn wir gemeinsam so Künstlern helfen könnten, die durch diese Maßnahmen die Allgemeinheit schützen und nicht verdient haben jetzt allein stehen gelassen werden. Jeder kleine Betrag kann helfen.

Hier unsere Kontonummer (Bitte Verwendungszweck: “Solidarität” nicht vergessen!)

Bankverbindung: Magischer Ring Austria, Oberbank-Zentrale
IBAN: AT 61 1500 0007 5109 5621
BIC: OBKLAT 2L
Kennwort: „Solidarität“

Auf unserer HP: www.mra.at findet Ihr weitere Infos dazu.

Und da sage nochmal einer, die Österreicher seien langsam… Eine schnelle Reaktion und eine tolle Initiative, wie ich finde! Mal sehen, ob der Magische Zirkel etwas Ähnliches auf die Beine stellt.


 

Absage des Sammler- und Chronistentreffens 2020!

Sammlertreffen

Gerade wollte ich eine Reminder-Meldung im Sinne von “Nur noch wenige Tage bis zur hochkarätig besetzten Konferenz für Zaubersammler und -historiker am 20. bis 22. März in Frankfurt am Main …” veröffentlichen, da kommt per Mail die offizielle Absage der Organisatoren Andreas Fleckenstein und Ulrich Rausch – das Corona-Virus lässt traurig grüßen.

Neben der Sorge um die Gesundheit der Teilnehmer hat dabei offenbar auch eine Rolle gespielt, dass es bereits eine Reihe von Absagen gegeben hat. Auch das Programm hätte dadurch deutlich gekürzt werden müssen. Sehr schade, aber natürlich nachvollziehbar!

Nun wird ein neuer Termin für 2020 gesucht, voraussichtlich im November. Wir drücken die Daumen, dass es dann im zweiten Anlauf klappt!

Und dies wäre das vollständige Programm gewesen.


 

The 60% Force

Having a spectator freely select one out of four objects gives you a chance of 1:4 or 25% that each single object is picked. By knowing which face-down card in a row of four is selected more often than others, you can increase the chances of having your “favorite” card picked to 60%. (You could call this a force, even though it’s not surefire.) This is the essence of a new piece of academic research by Gustav Kuhn et. al., which has just been published. You can read the abstract online here.

According to the paper, out of four cards, 60% of the participants in an experiment freely chose the third card from their left (or the second from the right–but I’m sure that you’ve already calculated that). Please enjoy my masterful visualization of this key finding:

Graph60%

Yet these participants felt that their choice was extremely free. They also underestimated the actual proportion of people who selected the target card.

(My guess would be that this result is partly due to the overwhelming majority of right-handed people in the world.)

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By the way, Matt Tompkins from the SOMA Committee keeps a constantly updated “Science of Magic Bibliography” with academic papers published in English since 1887 (which means that some important early German and French research on the psychology of magic is missing there.) And here’s a special on the topic from “Frontiers in Psychology” in free PDF format.

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Read more about the upcoming SOMA conference in London here.


 

John Gaughan’s Chess Player at the Met

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The Chess Player at the Met Museum, NYC (snipped from the Met website, see links below)

If you happen to live or stay in New York City, you have but a few days left to visit the exhibit “Making Marvels: Science & Splendor at the Courts of Europe” at the Met Museum. Its magical highlight is the display of John Gaughan‘s famous reproduction of the even more famous Chess Player automaton (also called “The Turk” due to its costume back then). More than 800 books have been written on this marvelous, deceptive machine and its travels and encounters with the likes of Napoleon.

Which reminds me of a very funny anecdote Dai Vernon once shared in his column “The Vernon Touch” in Genii Magazine:

Concerning the „Chess Player,“ years ago it was on exhibit in Coney Island in the Dreamland Circus Sideshow. This show had twenty-one exhibits. Freaks of all descriptions such as the Ossified Man, Cuckoo the Bird Girl, Half Man/Half Woman, and many others.

The last one was Al Flosso, the Coney Island Fakir. One of these exhibits was the Chess Player. Flosso told me that the person concealed within the apparatus was an escaped prisoner from Sing Sing. It happened one day that another jailbird played the Chess Player and recognized the play of his ex-inmate. Smoking a pipe, he blew smoke inside the base. Presently he heard a cough and and the concealed guy inside had to exit the apparatus. This was a perfect hiding place.

(Genii, July 1989, Vol. 53, No. 1)

It might actually have happened. Even though the original automaton was already destroyed in a Boston fire in 1854, a similar Chess Player called “Ajeeb”, built in England by Charles Hooper, came to America in 1885. Later on, it was displayed at Coney Island until 1929, when it was also destroyed by a fire.

You can read some more about the Chess Player as a popular motif on postage stamps here and find some additional links and books there.


 

A Conference on Magic and Happiness

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The SOMA has just announced a new symposium on the “Science of Magic, Wellbeing & Happiness,” which will take place on April 4th, 2020, at Goldsmiths University of London.

As they write,

The symposium focuses on how the impossible art of magic can enhance social, psychological, and physical wellbeing.

Not only will you learn about the scientific evidence, but you’ll also gain perspectives from experts who run wellbeing-focused magic organizations in healthcare, as charities, and more.  It will be a great opportunity to connect with others in this field and explore further research avenues together.

Organized by Steve Bagienski and Gustav Kuhn, the line-up of speakers will bring together academic researchers of magic like Richard Wiseman with representatives of various magic charity organizations.

You can find more information here.


 

Zauberei sehen und hören

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Jörg Alexander – Vimeo-Screenshot (s.u.)

Wer gestern die “Lange Nacht der Zauberei” von Margot Litten im Deutschlandfunk verpasst hat, kann den dreistündigen Kessel Buntes mit vielen O-Tönen (u.a. mit Siegfried, Wittus Witt, Thomas Fraps, Helge Thun, Jörg Alexander, Christoph Borer) derzeit hier nachhören und auch das 57-seitige (!) Manuskript der Sendung herunterladen. Im Vorfeld gab es auch noch ein Interview mit Hans Klok.

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Harry Keaton wurde vor ein paar Tagen in einem Beitrag der “Hessenschau” des hr-Fernsehens als “Ein Magier mit Doktortitel” vorgestellt, der hier abrufbar ist.

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Roberto Giobbi bietet am 7. und 8. März 2020 auf Schloss Guteneck eine neue Masterclass über “Stand-up Card Magic” an.

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 Hier gibt es ein neues kurzes Video von Jörg Alexander über die Zauberkunst.

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Wenn Anfang Juli FISM Europe in Manresa (Spanien) über die Bühne geht, werden die folgenden deutschen Acts und Seminarleiter dabei sein: Topas, Eberhard Riese, Gaston Florin (mit Jaqueline!) und Nikolai Striebel.


 

Die Rückkehr des Zauberzwerges

Auch „Er“ ist wieder da: Der Zauberzwerg. Volkmar Karsten hat sein Magazin rund die Zauberkunst für Kinder, das von 2008 bis 2013 in gedruckter Form erschien, dieser Tage als Blog neu belebt.

Das erklärte Ziel:

Mit dem Blog „Der Zauberzwerg“ sollen Themen rund um die Zauberkunst für Kinder aufgegriffen und diskutiert werden: Theorie und Praxis, Trickrezensionen, Vorstellung von Programmen oder Tricks, Wie mache ich aus einem Trick ein Zauberkunststück für Kinder?, pädagogische Grundlagen, tricktechnische Grundlagen, Porträts von Zauberkünstlern, Berichte von Kongressen, Auftritten oder Meisterschaften – kurzum alles, was für die Zauberkunst für Kinder von Interesse und Bedeutung ist.

Mitmachen und Mitdiskutieren ist natürlich gewünscht und auch nötig! Volkmar freut sich auf viele Mitstreiter, die nicht nur Mit-Leser sind.

Einen Bonus gibt es jetzt schon: ein Seminarheft zum Thema „Was Kinder sehen wollen“ als kostenlosen Download.

Zauberzwerg Blog