Neues A-B-C der Taschenspieler-Kunst

Wittus Witt hat soeben den fünften Band seiner wunderschönen Buchreihe vorgelegt. Die aktuelle Ausgabe ist eher dokumentarisch als erforschend-inspirierend ausgefallen und enthält auf 156 Seiten die folgenden Beiträge:

  • eine Würdigung von Dieter Michel-Argola (1936-2018) mit Beiträgen von Marc Michel, Oguz Engin und Frank Musilinski sowie zahlreichen Memorabilien, u.a. Briefen von Alois Kassner (Diesen Beiträgen hätte allerdings ein Korrekturleser gut getan.)
  • eine Fortsetzung der akribischen bibliografischen Erfassung alter Zauberkataloge durch Dr. Steffen Taut, diesmal mit den Horster-Katalogen von 1920 bis 1959
  • die Buchstaben D bis F aus dem Künstlerarchiv von Jochen Zmeck.

Ergänzt wird der Band wieder durch eine Reihe schöner Dreingaben, darunter eine nachgedruckte Autogrammkarte von Argola sowie eine Horster-Preisliste von 1925 als Faksimile.

<<>>>

Zeitgleich kündigt Wittus Witt sein neuestes Werk an, eine umfassende und reich bebilderte Chronik der Zauberstadt Hamburg. Beigelegt sind eine DVD mit Mitschnitten Hamburger Zauberer, ein Kalanag-Programmheft im Faksimile sowie ein Nachdruck der ersten Zauberzeitschrift von 1897. Das Buch erscheint im Juni 2021 zum Preis von 47,50 Euro.

<<>>>

Im Interview: Kalanag-Biograf Malte Herwig

“Kalanags Leben ist eine Parabel über die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts”

Nach sieben Jahren Arbeit erscheint morgen Malte Herwigs umfassende Biografie Der große Kalanag im Verlag Penguin Random House mit einer Startauflage von 10.000 Exemplaren. Auf nun 480 Seiten – zunächst waren “nur” 340 angekündigt – beschreibt und durchleuchtet der promovierte Literaturwissenschaftler, Historiker, Autor und Journalist das trick- und wendungsreiche Leben von Helmut Schreiber (1903-1963), jenem umtriebigen Zauberamateur, der im Dritten Reich zu einem bedeutenden Kulturfunktionär aufstieg und dabei stets die Nähe von Nazi-Größen bis hin zu Adolf Hitler persönlich suchte und auch fand. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, zweifelhaftem Entnazifizierungsverfahren und Berufsverbot als Filmschaffender erfand er sich ebenso erfolgreich wie mysteriös neu als Illusionist “Kalanag”, der fortan mit einer magisch-musikalischen Revue von atemberaubender Größe die Welt bereiste und seine Vergangenheit verschwinden ließ.

Malte Herwig ist tief in Archive und Quellen eingestiegen, wie nicht nur knapp 50 Seiten mit Fußnoten im Buch belegen, und hat zahlreiche Zeitzeugen aufgespürt. Im Interview spricht er über seinen Zugang zu Helmut Schreiber-Kalanag, die vielfältige Unterstützung durch die Zauberszene und seine größten Entdeckungen.

Bild: (c) Christina Körte

Malte, wann und wo ist dir zum ersten Mal die Person Helmut Schreiber-Kalanag begegnet oder ins Auge gefallen?

Vor zehn Jahren stieß ich im Internet auf den Magischen Zirkel in Hamburg und dachte mir: „Magischer Zirkel“ – das klingt so schön verschwiegen und mysteriös. Ich habe Thomas Gundlach, den 1. Vorsitzenden des Hamburger Ortszirkels, angemailt und gefragt, ob ich mal vorbeischauen dürfte. Thomas hat sofort geantwortet und mich zu einer der öffentlichen Vorführungen ins Magiculum eingeladen. In der Bar dort bemerkte ich das Foto eines Mannes an der Wand, der ein bisschen wie Heinz Erhardt aussah, und wurde gleich aufgeklärt, das sei der berühmte Kalanag. Ich hatte den Namen noch nie gehört und habe dann noch in der gleichen Nacht angefangen mit der Recherche. The rest is history.

Was hat dich denn so besonders an Schreiber oder seiner Lebensgeschichte gereizt, um gleich seine Biografie zu verfassen?

Ich bin Historiker und habe mich immer wieder mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts beschäftigt, weil ihre Folgen noch heute spürbar sind. Aber ich komme aus der Kunst, der Literatur, dem Feuilleton. Kalanag fasziniert mich, weil er nicht nur ein interessanter Künstler war, sondern auch eine ungeheuer spannende politische Biographie hat. Er hat schon im Ersten Weltkrieg als Dreizehnjähriger im Lazarett gezaubert, die wilden Zwanziger in Berlin erlebt, im Dritten Reich Karriere gemacht und ist nach dem Krieg als Zauberkünstler aus Wirtschaftswunderdeutschland weltberühmt geworden. Kalanags Leben ist eine Parabel über die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er ist der Zauberer der Stunde Null – vielleicht der größten Illusion überhaupt.

Der Jungzauberer Helmut Schreiber
(Bild: Archiv Stiftung Zauberkunst)

Spielte es dabei für dich eine große Rolle, dass er Zauberkünstler und -funktionär war, oder hätte er bei ähnlicher deutscher Vita zum Beispiel auch Unternehmer, Dirigent oder Beamter sein können?

Ich muss ein Geständnis machen: Für die 500-Seiten-Biographie eines Abteilungsleiters hätte ich nie die nötige Geduld. Ich habe sieben Jahre an diesem Buch gearbeitet. Da will man ja nicht nur das Publikum gut unterhalten, sondern auch sich selbst. Im Übrigen glaube ich, dass die Begeisterung, die man selbst bei der Arbeit spürt, auf andere überspringt. Das kann man nicht künstlich erzeugen oder einfach behaupten. Es muss authentisch sein. Für mich war es ein Abenteuer, und das soll es auch für meine Leserinnen und Leser sein. Deshalb auch das szenische Erzählen – es hat in der angelsächsischen Biographik eine lange Tradition, zum Beispiel bei Claire Tomalin und A.N. Wilson, und hat nichts mit Fiktion zu tun, auch wenn es sich literarischer Hilfsmittel bedient.

Was war dann dein konkreter Einstieg in sein Leben, welche Quellen hast du dir zuerst erschlossen?

Ich habe als ersten Michael Holderried besucht, und er hat mir seine Scheune aufgeschlossen, in der diese wunderbaren originalen Kalanag-Illusionen standen. Da ist dem Reporter in mir gleich das Herz aufgegangen, ich liebe solche Recherchen, die auf Dachböden und in Scheunen führen, und Michael war ein wunderbarer erster Cicerone ins Reich von Kalanag. Dann kam die Stiftung Zauberkunst mit dem Kalanag-Nachlass, dann Wittus Witt mit seinem umfangreichen Zauberwissen. Auch mit Richard Hatch und Bernd Heller, deren frühere Recherchen zu Kalanag wegweisend waren, habe ich mich oft ausgetauscht. Magic Christian in Wien und Rico Leitner in Zürich haben mir mit ihrem Wissen über Kalanags Wirken in Österreich und der Schweiz wertvolle Unterstützung geleistet. Ich habe in all diesen Jahren als Außenstehender eine Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft aus Zauberkreisen erfahren, die ihresgleichen sucht.

Das ist schön zu hören. Wie hilfreich waren für dich speziell der Kontakt zur und die Quellen der Stiftung Zauberkunst von Michael Sondermeyer und Uwe Schenk?

Mir wurde schnell klar, dass die beiden auf einem Schatz sitzen mit dem Kalanag-Nachlass. Als ich dann das erste Mal nach Nottuln-Appelhülsen kam, war ich überwältigt: Von der Hilfsbereitschaft und Kenntnis der beiden, von der Fülle des Kalanag-Materials und von der großartigen Sammlung und Bibliothek, die Michael und Uwe dort über Jahrzehnte aufgebaut haben. Ich war dann über die Jahre immer wieder dort und bin davon überzeugt: Dass mitten in einem grauen Industriezentrum am Bahnsteig in der westfälischen Provinz so etwas existiert, grenzt wirklich an Magie. Dass die beiden das jetzt mit der Gründung der „Stiftung Zauberkunst“ für zukünftige Generationen bewahren, ist jede Unterstützung wert.

Du hast auch früh versucht, noch lebende Zeitzeugen – etwa ehemalige Tänzerinnen der Kalanag-Revue – ausfindig zu machen. Wie erfolgreich warst du dabei?

Das war der schwierigste Teil meiner Recherchen. Aber als alter Reporter habe ich ein bisschen Übung darin, Menschen aufzuspüren und wurde auch aus Zauberkreisen sehr unterstützt bei der Kontaktaufnahme. Die Gespräche mit ehemaligen Mitarbeiterinnen wie Fritzi, Gisela, Gitta, Heidi, Heike, Lilo und Ursula, mit Zeitzeugen wie David Berglas, Paul Potassy, Siegfried und vielen weiteren gehören zu den schönsten Erfahrungen meiner Arbeit. Besonders wichtig war auch die Begegnung mit seinen beiden Töchtern, Brigitte und Brigitte. Deshalb habe ich auch nie locker gelassen und würde bis ans Ende der Welt gehen, um mit interessanten Menschen zu sprechen.

Eine doppelte Brigitte? Bitte erzähle mir mehr von den beiden!

Ich bin wahrscheinlich der einzige, der beide Töchter kennengelernt hat. Diese Begegnungen gehören mit zu dem Bewegendsten, was ich bei der Recherche erlebt habe. Die ältere Brigitte war bereits über neunzig, als ich sie traf, aber was für eine lebhafte und besondere Frau! Die jüngere Brigitte habe ich kurz vor Schluss noch gefunden, obwohl mir immer wieder erzählt wurde, sie sei längst gestorben. Man darf eben nie aufgeben. Von beiden Treffen erzähle ich ausführlich im Buch.

Kalanags Ehefrau und Partnerin Gloria de Vos mit Tochter Brigitte
(Bild: Archiv Stiftung Zauberkunst)

Unglaublich… Hast du etwa auch noch Neuigkeiten zum Verbleib des Nazi-Goldes und Schreibers Rolle dabei?

Hätte ich das Nazi-Gold gefunden, dann würde ich dieses Interview jetzt von meinem Anwesen auf den Seychellen aus geben oder wenigsten von den Philippinen wie der alte Paul Potassy, der bei unseren Skype-Gesprächen zwischendurch Goldtaler aus dem Mund spuckte. Tatsächlich habe ich nach jahrelanger Recherche detaillierte Informationen über Kalanags Konten und sogar über die mysteriösen Schlüssel entdeckt, die Gloria nach seinem Tod fand und die ich ursprünglich für eine reine Erfindung von Punx hielt. Ich lege diese Informationen im Buch offen: Schatzjäger in spe können sie gerne als Karte nutzen und weitermachen.

Gibt es ein Leitmotiv deiner Biografie, vielleicht einen Satz, der Helmut Schreibers illusionsreiches Wesen als Mensch und Magier aus deiner Sicht am besten beschreibt?

„Simsalabim – Da bin ich wieder.“ Das ist die Zauberformel, mit der Kalanag sich und sein Leben neu erfunden hat. Das Simsalabim, das er von Dante übernommen hat, gehört genauso dazu wie das „Da bin ich wieder“: Er war ein Stehaufmann, ein Comeback-Kid und auch ein Karrierist. Mich hat von Anfang an die Frage interessiert, wie Helmut Schreiber-Kalanag sein Talent als Zauberkünstler im wirklichen Leben genutzt hat. Ich finde den Begriff Täuschungskünstler sehr treffend. Der Zauberkünstler Kalanag hat auf der Bühne sein Publikum getäuscht – der Mensch Helmut Schreiber im zivilen Leben die Alliierten, die Nazis und sogar die Menschen, die ihm am nächsten standen, also Freunde und Familie. Und das hat er so geschickt gemacht, dass die meisten, allerdings nicht alle, sich sogar gerne täuschen ließen – das ist wahre Zauber-Kunst!

Die Schreibers zu Gast bei Adolf Hitler auf dem Obersalzberg
(Bild: Bildarchiv der National Archives at College Park, Maryland, Foto: Heinrich Hoffmann)

Dein Buch erscheint im Penguin Verlag für ein breites Publikum. Welche Schmankerl kannst du den Zauberern unter deinen Lesern versprechen?

Einblicke in seine Zaubernotizbücher (auch im Bildteil), Blicke hinter die Kulissen und vieles mehr. Ich habe im Nachlass wirklich aus dem Vollen schöpfen können. Außerdem zeige ich, mit welchen Mitteln dieser Junge aus Schwaben es geschafft hat, so eine beeindruckende Weltkarriere hinzulegen. Davon kann man heute noch lernen, im Guten wie im Schlechten. Eine spannende Geschichte ist auch das Duell der Magier: Ich erzähle zum ersten Mal ausführlich von der erbitterten Fehde zwischen Kalanag und Marvelli, die im Dritten Reich und danach mit allen Mitteln ausgetragen wurde.

Auch ein dunkles Kapitel… Was ist denn für dich deine allergrößte Entdeckung oder Neubewertung im Leben Kalanags?

Seine Persönlichkeit. Der Mensch Helmut Schreiber ist ja vollkommen hinter dem Zauberkünstler Kalanag mit seinen flotten Sprüchen und der atemberaubenden Tempo-Magie verschwunden. Ich bin überzeugt davon, dass er das so gewollt hat. Er selbst, sein Charakter, sein Innerstes, sollte geheim bleiben. Ich bin ihm dennoch sehr nahe gekommen, vor allem in den Gesprächen mit seinen beiden Töchtern.

Dieses Buch ist kein Roman, sondern eine wahre Geschichte. Für einen Roman wäre Kalanags Leben zu unglaublich. (M.H., Seite 420)

Und wieviel Wahrheit oder Illusion steckt nach deinen Recherchen in Schreibers selbst verfassten „Lebenserinnerungen“?

Kalanag hat eine Handvoll Körnchen Wahrheit genommen und sie dann in einer ganz großen Büchse voll Erfindungen geschüttelt. Ich habe ihm erstmal gar nichts geglaubt, nach Belegen gesucht und seine Geschichten auf ihre Plausibilität geprüft. Ich zeige im Buch auch, wie er sich gezielt stilisiert – und zwar in der literarischen Tradition eines Robert-Houdin und anderer berühmter Vorgänger. Kalanags Memoiren sind, wie es sich für eine ordentlichen Zauberkünstler gehört, Teil einer großen Illusion.

Immer im Mittelpunkt: Kalanag mit seinen Mystery-Girls
(Bild: Archiv Stiftung Zauberkunst)

Hattest du eigentlich schon früher Berührungspunkte zur Zauberkunst? Und hat sich deine Sicht auf sie womöglich durch dein Buchprojekt verändert?

Ich habe als Teenager ein paar Zauberbücher gelesen und einen Zauberkasten gehabt. Halbwegs stolz bin ich darauf, dass ich mir damals immerhin die Drehkarte beigebracht habe. Aber für mich waren das nur Tricks, ich hatte noch kein Gespür für die Kunst. Heute fehlt mir die Fingerfertigkeit, aber nach sieben Jahren mit Kalanag und vielen interessanten Begegnungen mit Zauberkünstlern und -künstlerinnen habe ich enormen Respekt und Wertschätzung für die Kunst des Zauberns, ihre Traditionen und Werte. Ich glaube, das scheint auch in meinem Buch durch, das nicht nur vom „großen Kalanag“ erzählt, sondern auch von der Faszination der Zauberkunst.

Letzte Frage: Ist womöglich auch schon eine englische Ausgabe deines Buches angedacht?

Mein Verlag Penguin Random House bietet aktuell die weltweiten Rechte für das Buch an. Die abenteuerliche Geschichte des Zauberkünstler Kalanag und seiner Zeit ist ja nicht nur für ein deutsches Publikum interessant. Kalanag hat vor Hitler gezaubert und dann – im wahrsten Sinne des Wortes – die Welt erobert. Es ist eine Geschichte voller Erfolge und Rückschläge, eine Geschichte über Wahrheit, Lüge und Verrat und darüber, warum wir alle uns manchmal bereitwillig täuschen lassen. Kalanag ist Stoff für Hollywood.

Besten Dank für das Gespräch, Malte, und viel Erfolg mit deinem Buch!

(Interview: Jan Isenbart)

<<>>>

Nein, Helmut Schreiber log nicht. Dafür war er viel zu raffiniert. Er erweckte Anschein, machte vor, redete ein, suggerierte, manipulierte und verwirrte die Tatsachen, bis man von selbst auf ganz andere kam. Überhaupt, diese Liebe zur Wahrheit. Philosophen hatten einfach keine Fantasie. Für den Zauberkünstler Helmut Schreiber war die Welt alles, was der Fall sein könnte. Die Wirklichkeit hatte viele Facetten, am Ende war es eine Frage der Perspektive, nicht wahr? Lügen tut nur, wer sich festlegt. (M.H., Seite 44)

<<>>>

Hier geht es zu Malte Herwigs Website. Bei Twitter und Instagram findet man ihn unter @malteherwig.

<<>>>

Aus dem Waschzettel des Verlages zum Buch:

Das Buch kann neben dem regulären Buchhandel auch über den Zauberfachhandel oder die Stiftung Zauberkunst bezogen werden.

<<>>>

Der Trailer zum Buch:

<<>>>

TV-Doku: „Verzaubert und verdrängt – die Karriere des Magiers Kalanag“

Passenderweise zeigt Das Erste am Abend der Buchveröffentlichung (Montag, 22. März 2021, 23:35 Uhr) eine 45-minütige TV-Dokumentation über Helmut Schreiber-Kalanag. „Verzaubert und verdrängt – die Karriere des Magiers Kalanag“ ist ein Film von Oliver Schwehm (Lunabeach TV und Media GmbH) im Auftrag des SWR. Zu Wort kommen darin neben Malte Herwig auch der Filmhistoriker und Autor Rolf Aurich sowie Liselotte Littobarski, die letzte Sekretärin Kalanags. Sprecher ist der Schauspieler Ben Becker. Nach der Ausstrahlung wird die Dokumentation ein Jahr lang in der ARD Mediathek abrufbar sein.

Mit einer Truppe von bis zu 80 Mitwirkenden bereiste Kalanag die Welt
(Bild: SWR/Stiftung Zauberkunst)

<<>>>

The Many Deceptions of Master Bosch

YOMM_Bosch

I feel happy and honored because my analysis of the relationship between the juggler and the thief in Bosch’s famous painting “The Juggler” has just been published in Marco Pusterla‘s fine journal, Ye Olde Magic Mag! If you are not a subscriber yet, but interested in the field of magic history and collecting, you should check it out; also, if you are just curious to find out why I believe that the juggler and the thief are actually brothers in deceit! The magazine is published quarterly, both in print and digital, and Marco does a great job in researching and compiling scholarly articles, reviews of books and magic auctions, and other interesting bits.

To warm you up for the many layers of trickery in Bosch’s masterpiece, here’s a little game of seek and find:
Can you spot at least 15 mistakes in my manipulated mock version of the original?

Original:

JI_18_Gewinnspiel_1_Originalbild


Forgery:

JI_18_Gewinnspiel_2_Fälschung

Look closely – and don’t take anything for granted! (Just like in real life.) I will post the solution here in a couple of days, so please call again. Have fun!

<<>>>

Click here and scroll down to the end of that page to see the solution! How did you do???


Worauf wir uns freuen können

Mal abgesehen von den zahlreichen magischen Zoom-Shows und Livestreams, die inzwischen angeboten werden, gibt es auch noch Neues aus der klassisch-analogen Medienwelt zu vermelden:

Für den 22. März ist nun die Veröffentlichung der schon länger erwarteten Kalanag-Biografie von Malte Herwig angekündigt. Der große Kalanag: Wie Hitlers Zauberer die Vergangenheit verschwinden ließ und die Welt eroberte umfasst stolze 480 Seiten und erscheint im Penguin Verlag.

Ich konnte in den letzten Jahren bei zwei Anlässen mit Malte über Facetten in Kalanags (illusions)reichem Leben sprechen und bin schon sehr gespannt auf das fertige Werk!

<<>>>

Wer die Zeit bis dahin themennah mit spannender Lektüre nutzen möchte, könnte sich zum Beispiel der deutschen Ausgabe von Nazi-Gold von Sayer/Botting widmen, die nach jahrelanger Ankündigung nun endlich im FinanzBuch Verlag erschienen ist. Es handelt sich hierbei um die Geschichte des weithin ungelösten Rätsels der bei Kriegsende verschwundenen Reichsbank-Millionen. Und wer es noch nicht wusste: In dieser Geschichte spielt Helmut Schreiber-Kalanag mindestens eine interessante Nebenrolle…

<<>>>

Farid bekommt nach drei Jahren Pause eine neue Staffel seines Formates “Farid – Magic Unplugged” beim Sender SKY, wie der Mediendienst DWDL kurz vor Weihnachten berichtete. Ab dem 1. März werden immer montags um 20:15 Uhr Doppelfolgen zu sehen sein. Als staunende Gäste dabei sind u.a. Boris Becker, Lothar Matthäus, Felix Neureuther und Nico Rosberg.

<<>>>

Die Gerüchte halten sich schon länger, nun scheint aber tatsächlich ein magisches Houdini-Musical am Broadway langsam Gestalt anzunehmen. Auf der entsprechenden Webseite gibt es jetzt erste Informationen und Skizzen zu sehen. Die Show verspricht etwa 20 verschiedene Großillusionen – wohl mehr als Houdini jemals in seinem Leben vorgeführt hat…


Rüdiger Deutsch Auction, Part Two

Potter_Deutsch_2

The second part of Rüdiger Deutsch‘s fine and unique collection will be auctioned off by Potter&Potter on October 31. Again, there is a fine catalogue of 100+ pages available than can be downloaded for free here.

A shame to see this collection go and be dispersed all over the magic world, but that’s just the way it is…


Neues A-B-C der Taschenspieler-Kunst

ABC_Band 4

Wittus Witt hat soeben die vierte Ausgabe seines A-B-C der Taschenspieler-Kunst veröffentlicht. Das Buch enthält auf 156 Seiten die folgenden Beiträge:

Olaf Güthling über die jährlichen “Tenyo plus Eins”-Tricks für Sammler

Jan Isenbart mit einer Detailanalyse des ikonischen Gemäldes “Der Gaukler” von (?) Hieronymus Bosch

Peter Mika über Leben und Karriere des Semiprofis Hans-Georg Boginski alias Mister Bogo

Dr. Steffen Taut über die frühen Zauberkataloge und Listen von Willmann und Horster und ihre historische Einordnung (Teil 1)

Einträge unter dem Buchstaben “C” aus Jochen Zmecks Zauberarchiv

Besonders üppig fallen diesmal die Beilagen zum Buch aus: Neben einem Poster mit einer Übersicht der genannten Zauberkataloge und einer Autogrammkarte von Mister Bogo liegen sowohl eine Postkarte als auch ein auf Holz aufgezogener (!) Druck des Gemäldes “Der Gaukler” bei – eine tolle Idee!

Hier gibt es einen kurzen Video-Einblick in das neue Werk:


 

Show & Tell from Magic’s Top Collectors and Historians

Ye1
Screenshot from Marco’s live stream with David Copperfield

Marco Pusterla, magic historian and editor of that fine magazine for connoisseurs, Ye Olde Magic Mag, (check out the latest issue for some wonderful 16th century discovery predating Scot!) has just completed a run of ten live streams featuring some of magic’s biggest collectors and historians.

What an amazing experience to see David Copperfield‘s minute recreation of the old Tannen’s Magic Shop from 42nd Street in NYC! Our German friends Michael Sondermeyer and Uwe Schenk were also present with their unique magic collection at the German Conjuring Arts Foundation. Other chats and visits included Mike Caveney, Eddie Dawes and John Davenport.

If you are interested in catching up, you can find all streams here on Facebook (you don’t have to register to watch). But don’t wait too long, Marco says that he will take the videos down at the end of this month!

Ye5
Screenshot from Marco’s live stream with David Copperfield


 

Aus meiner Sammlung: Mandra der Magier

Mandra der Zauberer_Heft 1

Wussten Sie, liebe Zaubersammlerfreunde, dass es drei Versuche gab, die U.S.-Reihe “Mandrake the Magician” von Lee Falk mit etwa 30 Jahren Verspätung auch auf dem deutschen Comic-Markt einzuführen? Und das unter dem etwas ungelenk verkürzten Namen Mandra? Hier ist Heft 1 des zweiten Anlaufs aus dem Jahr 1967 zu bewundern, das ich in meiner Sammlung habe.

Dieser Start war jedoch etwas holprig. Das in Schweden produzierte Heft wurde womöglich auch dort ins Deutsche übersetzt oder zumindest in Satz gegeben; die Titelgeschichte heißt “GEFAHREIM STADTSCHUNGEL” (genau so geschrieben). Auch in den Sprechblasen sind ein paar Buchstaben auf Abwege geraten wie sonst nur die Bösewichte. Kurios liest sich zudem die einfache Sprache von Lothar (!), dem afrikanischen “Dschungelmann” und Sidekick von Mandra. Er spricht so (“Ich nur versuchen zu beschützen Stadtpark”), wie wir es zehn Jahre später im Kino schmunzelnd von Meister Yoda in “Star Wars” hören sollten…

Enttäuschend fand ich, dass Mandra trotz seines schnieken BühBlitzGordonnen-Outfits, das er auch im Alltag trägt, gar nicht mit Zaubertricks arbeitet, sondern alle Bösewichte mal eben hypnotisiert und so zu Opfern ihrer Einbildungskraft macht. Keine Force, keine Blitzwatte und auch keine Spielkarten als Wurfgeschosse aus dem Ärmel… Schade!

Auf der hinteren Umschlagseite des Comics fand sich übrigens Werbung für eine weitere “neue Serienzeitung”, ebenfalls etwas gewollt eingedeutscht: “Blitz Gordon”.

In beiden Fällen war jedoch das Beste: das Titelbild!


 

Aus meiner Sammlung: Kontaktabzüge von Marvelli

Marvelli_sw_Kontaktabzug_2

Aus der Auflösung eines internationalen Fotoarchivs konnte ich kürzlich einen Bogen Kontaktabzüge ersteigern, von dem jedoch ein Bild schon ausgeschnitten war. Ich bin mir relativ sicher, dass es sich bei diesen Studioaufnahmen um Fredo Marvelli (Friedrich Jäckel, 1903-1968) bei der Vorführung seines “schwebenden Stabes” handelt.

Auf der Rückseite trägt der Abzug einen Stempel des Fotografen Konrad Weidenbaum, “Schriftleiter im R.D.P.”, was wohl für den Reichsverband der Deutschen Presse, der im Deutschen Reich bis 1945 bestand, steht. Vermutlich stammen die Aufnahmen aus den 1930er-Jahren.

Kennt vielleicht jemand ähnliche Bilder von Weidenbaum, ob von Marvelli oder anderen Zauberkünstlern seiner Zeit?


 

Magicians at War…with Truth

Capps

A Review of Magicians at War by H. Wayne Capps (2020)

“Great liars are also great magicians,” Adolf Hitler supposedly once said or wrote. I have yet to find a German source for this alleged quote (any help?), but hey, it’s all over the internet, so it must be true, right?! And it’s printed in this book, like many other tales, semi-truths and lies. But if you turn the quote around, you will get an undisputed truth: Great magicians are also great liars. Just like, among others, many politicians or trumping spin doctors. So I wouldn’t dream of buying juicy or heroic stories from any of them easily. You have to take them with a grain of salt, if not with a big handful of woofledust.

Yet magic lore is full of these stories, and we all love them, don’t we? Because it sounds so exciting, so great and reassuring for our magic passion or profession: “How Espionage and Deceit Changed History” (subtitle of the book); “The Card Trick That Stopped WWII” (title of chapter 5); “Magicians in history have literally changed the world” (final chapter). Yeah, right! Sadly, the backstage view of magic is less glorious, less interesting and often shabby.

The author, H. Wayne Capps, is both a professional magician (under the name of Howard Blackwell) and a U.S. Air Force Reserve Lieutenant Colonel. With this slim booklet, which has grown out of a magic club mini lecture, he has tried to fuse his two occupations and passions. As the author states, this book was mainly written in the back of a C-17 cargo aircraft that took him around the world on military missions. That may explain why his offer is somewhat drafty and shaky. Why exactly?

Despite a fascinating and broad topic, the author has chosen the path of least resistence and has limited his work to mainly retelling the best, and already best-known, rehashed stories. Now, if you are a bit proficient in magic history, which names would you list with regard to magicians in and around the battlefields of war and espionage? Right, Robert-Houdin, Jasper Maskelyne, John Mulholland, Kalanag, maybe Houdini, “the spy” (?). And yes, all of them are covered in this book, plus a few other obvious ones (see www.magiciansatwar.com for the table of contents). Surprisingly, neither the Trojan Horse nor The Man Who Never Was nor The Death Camp Magicians are covered, not to mention Dudley Clarke, the real British master deceiver in World War II.

Capps is aware of the lore and its questionable lure, as he points out several times. At the same time, he exploits these myths carelessly, in order to tell and sell, and shows little interest in unlinking the rings of fiction and facts. I find this annoying, as uninitiated readers have no chance of making up their own mind because of the poor crediting. With a few notable exceptions, only the most basic sources are given.

The two main sources on Jasper Maskelyne, for example, are his own, largely fictitious “autobiography” and David Fisher’s subsequent super-fiction novel, The War Magician. Richard Stokes, who has done so much research to investigate and debunk the Maskelyne myths, is not even mentioned. At times, the crediting is also sloppy. Robert-Houdin’s seminal autobiography is not even listed as a primary source; and as I looked up a supposed author named Clarke Sternberg, “he” turned out be the U.K.-based Sternberg Clarke entertainment agency which once ran a blog post on Robert-Houdin on their website. Duh!

Yet the author emphasizes more than once that he has “thoroughly researched” the field, despite quoting sources like ABC News or writing sentences like this: “John Mulholland was a New York based magician and according to his widow, performed several times at Radio City Music Hall and wrote a number of books on magic.” He also claims that Robert-Houdin had toured the United States. And we learn that his in-depth research of the obscure (?) artist Paul Potassy made the author discover two important sources, Potassy’s biography & trick book by Uwe Schenk and Michael Sondermeyer and his 3-DVD set from L&L Publishing. Wow!

Sadly, and although announced in the introduction, there is no noticeable attempt of the reserve author to cast the actions and magic principles described into a bigger theoretical context on the role of deception in warfare or the parallels between the theaters of war and theater illusions. With a bit more care and effort, he could have dug into Sun Tzu or the eminent works of Barton Whaley and many other scholars.

Capps’ original contributions are limited to interviews with two fellow magicians, one an Army veteran, the other a former CIA director. While the brief chapter on military veterans “who used magic as a healing tool to fight the war within” taps into uncharted territory that I feel would have deserved a much bigger expedition, the CIA chapter falls short of its promise of top secrets revealed. As we learn, the CIA magician was merely fond of showing tricks to foreign diplomats and helped train his team on hostile deception tactics “to benefit a nation.” Abraca-poof!

Like almost any self-published book, this one could have used an editor and a spell checker to good results. Without, the “proverbial” cat becomes “preverbal”, the “ruse” a “rouse”, and Eugene Burger is misspelled as Berger. Ouch! If the chapters are in any meaningful order, I must have missed it. I also find it both amusing and irritating that the book’s cover image of my Kindle edition is still speckled with the watermark logo from fiverr, a web platform for freelance services…

I realize this review is already much longer than some of the book’s chapters, which is not a good thing. So to conclude, if you have never heard of any of the magicians mentioned above and are mildly interested in their claimed endeavors and achievements in the wars of the world, this slim book of 72 pages might serve as a quick and unambitious introduction. I would advise you, however, to consider getting the Kindle version via Amazon for less than €5 and not bother with the paperback edition for a hefty $24,95.

But if you have some background in magic history and more than a passing interest in this topic, you likely won’t find much of value here. For an in-depth, no-nonsense approach on the bigger context of military deception, let me recommend some major sources instead (out of about 30+ books on this subject in my library): Jon Latimer’s Deception in War, Thaddeus Holt’s The Deceivers, and any book by Barton Whaley, like Stratagem.

To end on a positive note, I fully agree with the author’s final assessment: “All of these stories, no matter how far-fetched, are certainly fun to tell and will no doubt outlive us all.” Amen to that, and cheers to all you great liars and master deceivers out there!


Full disclosure: I consider myself rather well-read in this particular area of magic and military deception, and I have delivered a detailed lecture about “Magicians at War” (sic!) at the recent 8th European Magic History Conference in Vienna in 2019. That’s why I’m both a bit saddened and annoyed that this book underdelivers on a truly fascinating facet of our beloved art.

MaW_EMHC


A slightly shorter version of this review has just appeared in Marco Pusterla‘s fine Ye Olde Magic Mag (Vol. 6, Issue 3).