Fundsache: Wie aus Feuer Zauber und aus Puncks Punx wurde…

Punx der Unfassliche

Ludwig Hanemann-Punx war nicht nur ein Meister der Zauberkunst, sondern auch des Wortes und der Ästhetik. Sein frühes, kleinformatiges Programmheft, “Punx der Unfassliche” betitelt, darf als wunderbarer Beleg dafür dienen und ist daher, obwohl nicht gerade selten, ein kleines Schmuckstück meiner Zaubersammlung.

In dem Heftchen schildert Hanemann auch, wie er als Schüler unter dramatischen Umständen zu seinem Künstlernamen kam:

Punx der Unfassliche_Puncks

Wenn’s denn stimmt, hat jener Dr. Kappe auf diesem Weg einem wahrlich zauberhaften Künstlernamen ins Leben verholfen, der um so viel magischer klingt als jeder dahergelaufene Scholzano oder Müllerini!

Mehr über das “Prairiefeuerzeug Punks” (hier nur mit ‘k’ geschrieben) findet sich übrigens in Karl Mays Der Scout, wie hier nachzulesen ist.


 

A Hocus Pocus Minded Comic

Wiseman Hocus Pocus

Just out: A new psychic comic magazine by Prof. Richard Wiseman and friends. On 28 pages, issue #1 of “Hocus Pocus” features stories about Washington Irving Bishop, the cataleptic mentalist, J.B. Rhine investigating a psychic horse and Alexander, The Crystal Seer spilling his beans to two Laurel and Hardy type FBI investigators.

For magicians and mystics, the magazine contains some simple, but fun interactive features. Stories and texts are enlightening and often tongue-in-cheek (“Who is ‘Alexander’?… Man, who knows!?”). The best thing for you pennypinchers: While you can order a print version for £6,99 in the UK, you can download a free PDF version here.

Issue #2 is already in the making. I enjoyed this first, quirky ride and learned some interesting bits along the way. Have fun with it, too!


 

Absage des Sammler- und Chronistentreffens 2020!

Sammlertreffen

Gerade wollte ich eine Reminder-Meldung im Sinne von “Nur noch wenige Tage bis zur hochkarätig besetzten Konferenz für Zaubersammler und -historiker am 20. bis 22. März in Frankfurt am Main …” veröffentlichen, da kommt per Mail die offizielle Absage der Organisatoren Andreas Fleckenstein und Ulrich Rausch – das Corona-Virus lässt traurig grüßen.

Neben der Sorge um die Gesundheit der Teilnehmer hat dabei offenbar auch eine Rolle gespielt, dass es bereits eine Reihe von Absagen gegeben hat. Auch das Programm hätte dadurch deutlich gekürzt werden müssen. Sehr schade, aber natürlich nachvollziehbar!

Nun wird ein neuer Termin für 2020 gesucht, voraussichtlich im November. Wir drücken die Daumen, dass es dann im zweiten Anlauf klappt!

Und dies wäre das vollständige Programm gewesen.


 

Neues zur Kulturgeschichte der Zauberkunst

Wittus Witt hat soeben die zweite Ausgabe vom A-B-C der Taschenspielerkunst vorgelegt. Der 192-seitige Band enthält Beiträge von Peter Mika, Peter Rawert, Waldemar Hans Horster und Witt selbst. Highlights sind eine umfassende Biografie von Alexander Heimbürger sowie eine bisher unveröffentlichte Becherspiel-Routine von Reinhard Rohnstein. Dank Stefan Alexander Rautenberg gibt es aus dem Nachlass von Alexander Adrion eine CD-Beilage mit einem Heimbürger-Feature des Deutschlandfunks von 1982.

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Schriftliche Bestellungen am besten direkt an abc@wittuswitt.de.

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Ende März erscheint die recht spannend klingende Dissertation von Katharina Rein als Buch: Techniken der Täuschung: Eine Kultur- und Mediengeschichte der Bühnenzauberkunst im späten 19. Jahrhundert.

Rein Täuschung

In der Kurzbeschreibung des Titels heißt es:

Katharina Reins preisgekrönte kulturwissenschaftliche Dissertation widmet sich der Bühnenzauberkunst in ihrem “Goldenen Zeitalter” (ca. 1860–1900), das von wissenschaftlicher und technischer Innovation ebenso geprägt war wie von einer florierenden Medienkultur, den Umbrüchen der Industrialisierung oder den Erfahrungen von Globalisierung und Kolonialismus. Moderne Bühnenzauberei beansprucht keine übernatürliche Wirkung, vielmehr präsentiert sie technisch erzeugte Illusionen, deren Funktionsweisen sie allerdings verbirgt. Sie stellt damit eine spezifische Form des Mediengebrauchs dar, die mediale Effekte exzessiv ausstellt, während sie das dahinterstehende technische Geschehen zum Verschwinden bringt. Die Analyse von vier paradigmatischen Großillusionen (“Pepper’s Ghost”, “Vanishing Lady”-, Levitations- und Telepathie-Illusion) eröffnet nicht nur schlaglichtartige Einblicke in die bislang weitgehend ungeschriebene Zaubergeschichte des späten 19. Jahrhunderts. Sie geben zugleich die Sicht frei auf einschneidende kulturelle Veränderungen und Innovationen, die in diese moderne, hoch technisierte Form von Magie Eingang fanden.

Das Buch wird gebunden 34 Euro kosten und kann z.B. hier bei Amazon vorbestellt werden.

Die Autorin wird darüber auch bei Magica 2020 referieren.

Hier ist sie im Interview mit den Machern des Trickverrat Podcasts zu hören.


 

Historisch-Kunstvolles für Taschenspieler

ABC Witt

Rechtzeitig zu Weihnachten hat Wittus Witt seine neueste, ambitionierte Publikation auf den Markt gebracht: Das A-B-C der Taschenspieler-Kunst. Als Schriftenreihe für Liebhaber geplant, hat sich schon die Erstausgabe zu einem richtigen Buch ausgewachsen: 156 Seiten Umfang, fest gebunden, edel gedruckt, mit Schutzumschlag und diversen Beilagen (Poster-Reprint und Zauberbriefmarken) versehen. Es sollen künftig zwei Ausgaben pro Jahr erscheinen.

Hier gibt es einen flotten Video-Preview:

Da ich selbst mit einem Beitrag vertreten sein darf, fällt mein Urteil natürlich nicht ganz neutral aus, doch unabhängig davon ist dieses Werk aus meiner Sicht ein sprichwörtliches “Muss” zum Blättern, Schmökern und Genießen für jeden Zaubersammler und -historiker!


 

Tenyo würdigt Werry

1954 erfand und vermarktete Werner Geissler-Werry das “Schlangenseil” – ein Seil, das in eine Tüte voller Spielkarten gehalten wird und dort eine vorher gewählte Karte in einer Schlinge “einfängt”. Das Kunststück ist bis heute in Variationen auf dem magischen Markt erhältlich. Nun, ganze 66 Jahre später, kommt es auch in der 2020-Kollektion von Tenyo zu neuen Ehren, unter dem Titel “Miracle Fishing” (T-293) und mit einem neuen Gimmick von Kenichi Komiya.

Tenyo Werry

Schade nur, dass Richard Kaufman im aktuellen Genii Magazine (Dezember 2019) den Urheber fälschlich als “Werry Geissler” bezeichnet…

Alle neuen Tenyo-Tricks für 2020 gibt es hier zu sehen.


 

Die Stiftung Zauberkunst lädt ein

StiftZK

Ein Update von Uwe Schenk und Michael Sondermeyer:

Einladung zum Stiftungstag am 16.11.19

Am 3. November 2018 wurde die Stiftung Zauberkunst im Zentrum für Zauberkunst in Appelhülsen gegründet. Ein Jahr später möchten wir interessierte, engagierte, neugierige und kritische Menschen einladen, mit uns über die weitere Entwicklung und die Zukunft der Stiftung zu beraten. Dazu laden wir am 16.11.19 zu unserem ersten Stiftungstag ein.

Der Stiftungstag wird am Samstag, dem 16.11.19 stattfinden. Da viele Teilnehmer eine weite Anreise haben werden, gibt es die Möglichkeit, schon ab Freitag Nachmittag ins Zentrum für Zauberkunst zu kommen, und auch am Sonntag Vormittag ist das Zentrum geöffnet.

Ob und wie diese Zeiten schon für Gespräche, Arbeitsgruppen oder noch für die Vorbereitung genutzt werden, entscheidet jeder selbst. Wir gehen davon aus, dass viele Teilnehmer schon früher anreisen, so dass sich auf jeden Fall die Gelegenheit zum Austausch und dem Zusammensein mit Zauberfreunden ergibt.

Am Samstag wird es zum Einstieg einen kurzen Bericht über das erste Jahr der Stiftung geben. Danach soll in Kleingruppen an verschiedenen Themen gearbeitet werden, die für die Zukunft der Stiftung von Bedeutung sind. Zurzeit sind AGs zu folgenden Themen geplant:

  • Ist Zaubern Kunst?
  • Ideen zur Ausbildung von Zauberkünstlern
  • Inventarisierung und Dokumentation der Sammlung
  • Finanzierung der Stiftung (u.a. der Förderverein)
  • Räumlichkeiten der Stiftung
  • Mögliche weitere Aufgaben und Tätigkeiten der Stiftung

Die Liste kann gerne um weitere interessante Fragestellungen erweitert werden.

Wir freuen uns über jeden, der sich an diesen Diskussionen beteiligen möchte. Die Stiftungsgründung hatte ja vor allem den Zweck, eine Zukunft für die Sammlung und das Dokumentationszentrum zu ermöglichen – losgelöst von unseren Personen. Von daher wünschen wir uns eine möglichst große Beteiligung an den weiteren Planungen … und dann auch an deren Umsetzungen.

Wir hoffen auf viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen und freuen uns auf einen anregenden und spannenden Tag!

Michael Sondermeyer und Uwe Schenk

Auf der Website zum Stiftungstag gibt es weitere Informationen zur Organisation, zu den Themen und die Möglichkeit zur Anmeldung.
Ich bin dabei!

Frühe Kartenzauber-Psychologie (2)

“Forcieren der Karten”

Während die Volte nur durch stete Übung erlernt werden kann, gehört zum Forcieren einer Karte erstens, gleich wie bei der Volte, grosse Übung, dann kommt es aber auch noch auf eine undefinierbare individuelle Auffassung des Ganzen an. Es muss vom Künstler ein gewisser unbemerkbarer Zwang ausgehen, so dass eine Person gerade die vom Künstler gewünschte Karte wählt oder zieht. Hierbei muss den Künstler nun im Wesentlichsten seine eigene Beredsamkeit unterstützen, ja, er muss den oder die Zuschauer quasi fascinieren. — Für Bühnenkünstler ist dies nicht allzuschwer, da bei diesen noch zu viele Äusserlichkeiten als unterstützende Momente hinzukommen; schwerer ist es schon im Salon; am schwersten aber im guten Freundeskreise, da hier jeder conventionelle Zwang aufhört und Zwischenfragen an den Vortragenden gethan werden, denen derselbe dann natürlich kleine ausweichende Scherze entgegenhalten muss.

F.W. Conradi, Der moderne Kartenkünstler (1896), S. 9

Mehr frühe Kartenpsychologie gibt es hier!


 

Fundsache: Hoch verehrtes Publikum!

Nachgesch

Wenn man zeitgenössische Programmhefte (oder auch Werbematerialien) aufschlägt, schreit einem oft schon in der Begrüßung entgegen, wie UNGLAUBLICH und GROSSARTIG der MEHRFACH AUSGEZEICHNETE und WELTWEIT ERFOLGE FEIERNDE MEISTERMAGIER einfach ist, der in Kürze leibhaftig vor einem stehen soll.

Subtext: Der kunstfremde Pöbel möge sich gefälligst dankbar zeigen, dass der ILLUSIONIST DES NEUEN JAHRTAUSENDS sich heute Abend, nach UMJUBELTEN GASTSPIELEN in Los Wochos und Klein-Paris, in der Stadthalle Bitterfeld überhaupt die Ehre gibt, und das zu Schmutzpreisen!

Wer derartige sprachliche Kraftmeierei für normal und gar sympathisch hält (Hallo an alle MERLIN Preisträgkäufer!), der möge sich als Kontrast vielleicht einmal das nachfolgende Intro aus einem alten Programmheft von Alois Kassner zu Gemüte führen:

Kassner1

Der ebenfalls große Zaubermeister nicht als Ehrfurcht heischender, ferner Halbgott, sondern als (ziemlich) bescheidener und dankbarer Verbündeter des Publikums – so geht’s auch! Sicher auch heute noch.

Tja, früher war eben alles besser, sogar die gute, alte Zeit…


Bildnachweis: Die schöne Lota Vase oben gibt es z.B. bei New Magic Line.


Kleinanzeigen Flimmer


 

Snapshots and Pieces from The Davenport Collection

Speaking of magic websites brimming with inspiring information on tricks, tricksters, and history, I also need to mention The Davenport Collection website, which is fed (you guessed it) by the Davenport dynasty. It was started in 2016, today it already hosts about 900 entries, and it keeps growing.

The layout is so Nineties, but the content is wonderful! Serious students of the past should find the articles and conference papers of magic historians particularly interesting. Here’s an excerpt:

Davenports
Screenshot from the website

Go and have a look, but don’t complain to me later that you have just spent two or three hours of browsing, reading, and marveling over there!