Spione, Tricks und Täuschung

In Berlin, der Welthauptstadt der Spione in der Zeit des Kalten Krieges, gibt es seit einiger Zeit ein Spionagemuseum. Die umfassende, schön aufbereitete und teils interaktive Sammlung informiert von Geheimschriften der Antike bis zur ausgefeilten Spionagetechnik der Stasi in der DDR. Auch ein Exemplar der berühmten deutschen Verschlüsselungsmaschine Enigma ist hier zu bestaunen. Unter den Exponaten zum Zweiten Weltkrieg befinden sich auch Spielkarten für Kriegsgefangene (offenbar keine Originale, sie sahen ziemlich neu aus), zwischen deren Kartonschichten sich Landkarten als Hilfe für eine Flucht verbargen. (Mehr darüber gibt es hier und hier zu lesen, allerdings auf englisch).

Ein Besuch ist absolut empfehlenswert! Zudem bietet der Museumsshop coole Spielsachen (neudeutsch: Gadgets) für kleine und große Spione an.


 

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Houdini befreien – in Köln

In Köln startete im letzten Jahr eine besonders originelle Variante der zunehmend beliebten “Escape Rooms”: eine Gerichtsverhandlung mit und über Harry Houdini, dem “Fesselsprenger”, um seine Ehre wiederherzustellen. Schließlich war er des Betrugs angeklagt worden, und zwar in Köln im Jahre 1902. Derzeit ruht das Geschäft aufgrund des Brandes mit tödlichem Ausgang in einem polnischen Escape Room, sagte mir einer der Betreiber kürzlich. Es soll aber im Frühjahr wieder geöffnet werden. Hoffentlich stets mit Freispruch, wie im historischen Vorbild!

HH1902


 

Markige Worte

Kürzlich hatte ich die Ehre, beim “Sammlertreffen 2019” der Stiftung Zauberkunst einen Vortrag über mein Spezialgebiet “Magische Briefmarken” halten zu dürfen. So “close-up” zwischen Szene-Größen wie z.B. Magic Christian und Fl!p, Wittus Witt und Christian Knudsen, Reinhard Müller und Peter Rawert fühlt man sich schon ein bisschen wie ein Schwammball… Aber ich wurde sehr freundlich aufgenommen und habe viele neue Kontakte knüpfen können.

Mit etwas Glück entsteht bis Jahresende sogar eine kleine Publikation rund um die zauberhaften Markenmotive aus aller Welt.

Hier ein Ausschnitt einer Collage aus den 50er Jahren aus den Räumen der Stiftung Zauberkunst – mit einer Kongressmarke aus Wien (IMK 1958), die ich derzeit tatsächlich noch nicht in meiner Sammlung habe:

SK IMK


 

Trending: Nose flag magic

Not sure who started this when and why, but when you enter “Trump nose flags” into the big Googelidoogel, you will get more than 3 million hits and lots and lots of great pictures of magic lovers who have way too much time on their hands and stuff digital silks up the POTUS’s behinnose.

By the way, some of these pictures would look great with ropes or razor blades, too.

I guess the big ELLUS. is already working on downloadable tutorials…

1trump


 

Have you seen this bookplate before?

Gallaway_bookplate_300dpi

The reason why I’m asking is quite an exciting one: This bookplate belonged to the man some scholars believe to be S.W. Erdnase: Edward Gallaway. In his library, a copy of The Expert at the Card Table was found, with this very bookplate inside. Gallaway owned other books on gambling, maybe also on magic. Each bookplate found can help in identifying Erdnase. So if you have ever seen this bookplate before in a book or two, or have some old libraries of magic and gambling books (most likely from the 1850s to the 1920s) to haunt, please give it a try and give a shout to Chris Wasshuber over at Lybrary, the main researcher who favors Gallaway as the man who was Erdnase!


 

A Silent Treatment for Tricks

Georges Méliès

Ever noticed?

If you turn off the sound when watching a magic video you can focus much better on the handling and flow of a performance and on the clarity of the effect(s). Let’s call this the Méliès Method, in honor of that great pioneer of movies and magic, Georges Méliès.

As a spectator, it will become abundantly clear to you that too many magicians fumble and gesture far too much, particularly with a deck of cards in their hands, which magically seems to keep them twisting and turning, tapping and pointing, riffling and ruffling.

As a performer, watching yourself in a silent performance mode can help you tremendously in streamlining your presentation and in cutting out loads of unnecessary and unpleasant hectic or distracting gestures and movements. Give it a try!

On the other hand, if you want to improve your script (and who doesn’t or shouldn’t?), you may want to focus only on the sound of a taped performance and refrain from watching it at the same time.


 

Rising Stars: Hauptsache „stylish“!

10 wertvolle Tipps zur eigenen DVD-Produktion

Die digitale Film- und Computertechnik erlaubt es heute jedem Zauberer, kostengünstig eigene Trick-DVDs zu produzieren und weltweit zu vertreiben. Für einen kommerziellen Erfolg ist jedoch die Beachtung einiger wichtiger Spielregeln aus Marketing und Design unerlässlich.

  1. Geben Sie Ihrem Effekt unbedingt einen englischen Titel, am besten noch inklusive eines Wortspiels. Das weist Sie als souveränen Zauber-Titan mit Wortwitz und internationalem Flair aus. Versäumen Sie es möglichst nicht, in dem Tricknamen einen Superlativ wie „Ultimate“ oder „Extreme“ zu platzieren. Schließlich wollen Sie die definitive Variante dieses Effektes auf dem Markt bringen und alle Vorgänger in Grund und Boden rammen!
  2. Beschränken Sie sich pro DVD auf nur ein Kunststück. Zu viele Tricks und Varianten auf einer Scheibe würden nur das Produkt verwässern und so den potenziellen Käufer unnötig verwirren. Heben Sie sich alles andere einfach für weitere DVDs auf, dann geht Ihnen auch nicht so schnell das Material aus!
  3. Tragen Sie bei den Filmaufnahmen unbedingt eine coole Sonnenbrille und eine Wollmütze. Staffieren Sie sich zusätzlich mit schwerem Modeschmuck aus und lassen Sie sich noch kurzfristig ein paar bedrohliche Tätowierungen stechen, um Ihrer biederen Reihenmittelhaus-Herkunft die nötige „Street Credibility“ in der Szene zu verleihen.
  4. Verwenden Sie alle Stilmittel, die der moderne Film und die digitale Schnitt-Technik am heimischen Computer hergeben, also insbesondere wackelige Handkamera-Bilder, Sequenzen in Schwarzweiß und Superzeitlupen-Effekte, die von flimmernden Wortfetzen durchzogen werden. Filmen Sie möglichst in Industrie-Ruinen, Katakomben oder Parkhäusern, unterlegt mit pathetischem Klaviergeklimper oder jaulendem Hardrock. Dazwischen gibt es nur ästhetisch faule Kompromisse!
  5. Verschwenden Sie nicht zuviel Zeit auf die technische Entwicklung, die Gimmick-Produktion oder die Zusammenstellung einer sauberen Routine. Schließlich werden die meisten gekauften Tricks ohnehin nie vorgeführt!
  6. Fügen Sie Ihrer DVD mindestens eine Doppelrückenkarte, ein Stück Bindfaden oder einen Aufkleber bei. So können Sie mit dem wichtigen Hinweis „DVD inklusive aller benötigten Gimmicks“ werben und einen zusätzlichen Kaufanreiz schaffen!
  7. Besorgen Sie sich für die Bewerbung Ihrer DVD ein paar enthusiastische Zitate von guten Freunden oder halbwegs bekannten Zauberern, die für ein Gratisexemplar oder ein paar Schnäpse alles tun würden. Notfalls schreiben Sie einfach anderswo einige gut geeignete Zitate ab und beziehen diese auf sich selbst – das ist schließlich seit Frank Garcia gängige Zauberpraxis. Loben Sie zudem Ihr eigenes Produkt unter Verwendung falscher Namen in den wichtigsten Internetforen in den Himmel, um den Verkauf ordentlich anzukurbeln.
  8. Wenn Sie begleitend zu Ihrer DVD-Veröffentlichung eine Internetseite bauen, verwenden Sie ein freakig-düsteres Design und möglichst viele verschiedene Schriften, die Sie klein in weiß auf schwarzem Hintergrund setzen. Das kann zwar kein Mensch lesen, sieht aber wahnsinnig stylish aus und weist sie als echten Cutting-Edge-Performer aus!
  9. Wischen Sie mutig Ihre letzten Selbstzweifel beiseite und bringen Sie endlich Ihre minimal personalisierte, gimmickgeladene und effektüberfrachtete Version der „Ultimate Collectors Sandwich Ambitious Card through Window Matrix“ in den Handel – die Zauberwelt wartet schon gierig auf Sie!
  10. Setzen Sie den Preis nicht unnötig niedrig an. Wenn Sie sich schon die ganze Mühe machen, sollte Ihr DVD-Erstlingswerk mitsamt den beiden Gummibändern und dem 17-minütigen Lehrvideo nicht unter 29,95 Euro über die Ladentheke gehen. Sie wollen ja schließlich noch was werden!

(Zuerst erschienen in ALADIN 03-2010)


 

Elmsley doesn’t, Goldin does it

Today I am convinced: You can’t fool kids with an Elmsley Count (at least I can’t). And I had to learn it the hard way. If they watch closely, they will inevitably catch you (or me) false-counting or at least “doing something while counting.“ To present any face-up card twice within the count also does not fly by them. Is it just me? Anyway, I have come to accept this and refrain from having good old Count Elmsley haunt my packet tricks or even myself!

On the other hand, I have never been caught or questioned on the Goldin Force, not even by those little rugrats. This one does fly by! I take it as another proof that this force is not only quick, elegant and surefire, but also brutally underrated and underused among majishuns. Go look it up in Roberto Giobbi’s Card College Vol. 1 in case you are interested!

Do you agree? What are your experiences?


 

10 Good Reasons Why This Man Was Erdnase

(…and one or two why probably not.)

Foollowing the lines of, uhmm, “special thinking” and wild inductive reasoning often displayed in the Erdnase thread over at the Genii Forum,  minutes and hours of my own dedicated research and uninformed opinining have unearthed that the author of “Expert” had, in fact, always been around, hiding in plain sight before us and even among us, as he was no outsider to our community. On the contrary, he was and is one of our most respected practitioners and innovators!

This man…

  • like few others had the expertise to perform all the sleights described in the book with unflinching audacity
  • was interested and well-versed both in gambling and magic
  • was a true artist but also a logical, almost scientific thinker
  • could write well and did so elsewhere
  • preached to be natural and to handle the deck lightly
  • loved a good secret and fooling the boys (and he did keep many secrets over decades)
  • was almost always in need of money
  • became, in fact, the biggest promoter of his own book
  • had a special reason for using the anagram “Erdnase”: At one point in time, in New York, a Dr. S. Weenas (sic!) was his optometrician
    • hid and displayed his name very prominently on the famous title page of TEATCT, centered within the inverted pyramid text:  DetAIl eVERy kNOwN

Finally, Erdnase has been found. There can be no doubt that DAI VERNON is the man.

Yes, yes, I know what you’re saying… Officially, Dai Vernon was only born in 1894 and the book appeared in 1902. What a boy wonder! Or maybe he just cheated about his real age. Was he probably about 15 years older than he claimed? Considering his early proficiency with cards, this must be true! Or maybe it was a father and son ploy, elaborately planned and executed over decades. (Just like some U.S. White House takeovers.) And yes, he didn’t choose to be called Dai Vernon until much later on, but, hey, maybe the guy was just planning ahead! All part of the ploy.

Vernon’s the man. Case closed. Thread closed. Now let’s move on to other secrets, please:

  1. Who was the mysterious Frenchman (?) “Mr Charlier”?
  2. Who invented the legendary Horse Drop?
  3. And who is “R.G.”, the German (?) author of the early card book Ein Spiel Karten (A Deck of Cards) from 1853?

Go, Geniis!


A Magic Mount Rushmore

Imagine a millionaire would donate a mountain and pay a sculptor to chisel some famous faces of past masters out of the stone for a magicians’ version of Mount Rushmore.

I guess my top list would carry the names of  Jean-Eugène Robert-Houdin, Johann Nepomuk Hofzinser, Harry Houdini, Dai Vernon, and Fred Kaps.

Which four or five heads of the stellar exponents of our art would you like to see up there preserved in stone?