Ermittlungen gegen Hocus Pocus Junior eingeleitet

Der britische Magic Shircle macht weiter Ernst in seinem rastlosen Kampf gegen Geheimnisverrat, den ja einst auch schon David Devant hart zu spüren bekam. Posthum wurde nun ein Disziplinarverfahren gegen Hocus Pocus Junior eingeleitet, Autor des frühen Zauberbuches The Anatomie of Legerdemain or, the Art of Jugling von 1634.

„Es führt ein direkter Weg von diesem beklagenswerten Pamphlet zu den neuzeitlichen Trickenthüllungen von Penn & Teller, dem Maskierten Magier und anderen perfiden Trittbrettfahrern in den sogenannten sozialen Medien“, erläutert der Generalsekretär des Zirkels, Pomfrey Lettuce-Judge, in einer Pressemitteilung. „Als besonders verwerflich bewerten wir, dass bereits auf dem Frontispiz des Buches ein wichtiges Trickprinzip des Becherspiels offengelegt wird – der vermutlich älteste gedruckte Trickverrat der Geschichte, und das an überaus prominenter Stelle!“ (siehe Abbildung).

Lettuce-Judge räumt jedoch ein, dass der Zirkel den derzeitigen Aufenthaltsort des längst verstorbenen Beschuldigten nicht kenne, weshalb sich eine Zustellung der Verfahrensunterlagen bislang eher schwierig gestalte. „Aber einige unsere besten Mentalisten arbeiten bereits daran“, verspricht der Sekretär.


Neues A-B-C der Taschenspieler-Kunst

Wittus Witt hat soeben den fünften Band seiner wunderschönen Buchreihe vorgelegt. Die aktuelle Ausgabe ist eher dokumentarisch als erforschend-inspirierend ausgefallen und enthält auf 156 Seiten die folgenden Beiträge:

  • eine Würdigung von Dieter Michel-Argola (1936-2018) mit Beiträgen von Marc Michel, Oguz Engin und Frank Musilinski sowie zahlreichen Memorabilien, u.a. Briefen von Alois Kassner (Diesen Beiträgen hätte allerdings ein Korrekturleser gut getan.)
  • eine Fortsetzung der akribischen bibliografischen Erfassung alter Zauberkataloge durch Dr. Steffen Taut, diesmal mit den Horster-Katalogen von 1920 bis 1959
  • die Buchstaben D bis F aus dem Künstlerarchiv von Jochen Zmeck.

Ergänzt wird der Band wieder durch eine Reihe schöner Dreingaben, darunter eine nachgedruckte Autogrammkarte von Argola sowie eine Horster-Preisliste von 1925 als Faksimile.

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Zeitgleich kündigt Wittus Witt sein neuestes Werk an, eine umfassende und reich bebilderte Chronik der Zauberstadt Hamburg. Beigelegt sind eine DVD mit Mitschnitten Hamburger Zauberer, ein Kalanag-Programmheft im Faksimile sowie ein Nachdruck der ersten Zauberzeitschrift von 1897. Das Buch erscheint im Juni 2021 zum Preis von 47,50 Euro.

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Zwei magische Aufmerksamkeitstests / Two Magic Tests of Attention

Bist du aufmerksamer als ein Hund? Schau genau hin, wie der junge Mentalist Timon Krause versucht, seinen Hund mit Fingerfertigkeit zu täuschen und zähle mit, wie oft du richtig liegst! Du wirst sicher staunen…

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Young mentalist Timon Krause will try to fool his dog with sleight of hand with dog biscuits. Are you smarter than the dog? Then watch closely and count your hits and misses! You may be in for a surprise… (You don’t have to understand German to enjoy this test. Just keep watching, it’s short and it’s sweet!)

And here is an older experiment by Radalou. Try to remember the cards as quickly as you can and see some change! (Again, you don’t have to understand German to enjoy this test. Just keep watching.)

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Und hier ein älteres Experiment von Radalou. Versuche dir die Karten möglichst schnell zu merken und staune über die Veränderungen!

Im Interview: Kalanag-Biograf Malte Herwig

“Kalanags Leben ist eine Parabel über die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts”

Nach sieben Jahren Arbeit erscheint morgen Malte Herwigs umfassende Biografie Der große Kalanag im Verlag Penguin Random House mit einer Startauflage von 10.000 Exemplaren. Auf nun 480 Seiten – zunächst waren “nur” 340 angekündigt – beschreibt und durchleuchtet der promovierte Literaturwissenschaftler, Historiker, Autor und Journalist das trick- und wendungsreiche Leben von Helmut Schreiber (1903-1963), jenem umtriebigen Zauberamateur, der im Dritten Reich zu einem bedeutenden Kulturfunktionär aufstieg und dabei stets die Nähe von Nazi-Größen bis hin zu Adolf Hitler persönlich suchte und auch fand. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, zweifelhaftem Entnazifizierungsverfahren und Berufsverbot als Filmschaffender erfand er sich ebenso erfolgreich wie mysteriös neu als Illusionist “Kalanag”, der fortan mit einer magisch-musikalischen Revue von atemberaubender Größe die Welt bereiste und seine Vergangenheit verschwinden ließ.

Malte Herwig ist tief in Archive und Quellen eingestiegen, wie nicht nur knapp 50 Seiten mit Fußnoten im Buch belegen, und hat zahlreiche Zeitzeugen aufgespürt. Im Interview spricht er über seinen Zugang zu Helmut Schreiber-Kalanag, die vielfältige Unterstützung durch die Zauberszene und seine größten Entdeckungen.

Bild: (c) Christina Körte

Malte, wann und wo ist dir zum ersten Mal die Person Helmut Schreiber-Kalanag begegnet oder ins Auge gefallen?

Vor zehn Jahren stieß ich im Internet auf den Magischen Zirkel in Hamburg und dachte mir: „Magischer Zirkel“ – das klingt so schön verschwiegen und mysteriös. Ich habe Thomas Gundlach, den 1. Vorsitzenden des Hamburger Ortszirkels, angemailt und gefragt, ob ich mal vorbeischauen dürfte. Thomas hat sofort geantwortet und mich zu einer der öffentlichen Vorführungen ins Magiculum eingeladen. In der Bar dort bemerkte ich das Foto eines Mannes an der Wand, der ein bisschen wie Heinz Erhardt aussah, und wurde gleich aufgeklärt, das sei der berühmte Kalanag. Ich hatte den Namen noch nie gehört und habe dann noch in der gleichen Nacht angefangen mit der Recherche. The rest is history.

Was hat dich denn so besonders an Schreiber oder seiner Lebensgeschichte gereizt, um gleich seine Biografie zu verfassen?

Ich bin Historiker und habe mich immer wieder mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts beschäftigt, weil ihre Folgen noch heute spürbar sind. Aber ich komme aus der Kunst, der Literatur, dem Feuilleton. Kalanag fasziniert mich, weil er nicht nur ein interessanter Künstler war, sondern auch eine ungeheuer spannende politische Biographie hat. Er hat schon im Ersten Weltkrieg als Dreizehnjähriger im Lazarett gezaubert, die wilden Zwanziger in Berlin erlebt, im Dritten Reich Karriere gemacht und ist nach dem Krieg als Zauberkünstler aus Wirtschaftswunderdeutschland weltberühmt geworden. Kalanags Leben ist eine Parabel über die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er ist der Zauberer der Stunde Null – vielleicht der größten Illusion überhaupt.

Der Jungzauberer Helmut Schreiber
(Bild: Archiv Stiftung Zauberkunst)

Spielte es dabei für dich eine große Rolle, dass er Zauberkünstler und -funktionär war, oder hätte er bei ähnlicher deutscher Vita zum Beispiel auch Unternehmer, Dirigent oder Beamter sein können?

Ich muss ein Geständnis machen: Für die 500-Seiten-Biographie eines Abteilungsleiters hätte ich nie die nötige Geduld. Ich habe sieben Jahre an diesem Buch gearbeitet. Da will man ja nicht nur das Publikum gut unterhalten, sondern auch sich selbst. Im Übrigen glaube ich, dass die Begeisterung, die man selbst bei der Arbeit spürt, auf andere überspringt. Das kann man nicht künstlich erzeugen oder einfach behaupten. Es muss authentisch sein. Für mich war es ein Abenteuer, und das soll es auch für meine Leserinnen und Leser sein. Deshalb auch das szenische Erzählen – es hat in der angelsächsischen Biographik eine lange Tradition, zum Beispiel bei Claire Tomalin und A.N. Wilson, und hat nichts mit Fiktion zu tun, auch wenn es sich literarischer Hilfsmittel bedient.

Was war dann dein konkreter Einstieg in sein Leben, welche Quellen hast du dir zuerst erschlossen?

Ich habe als ersten Michael Holderried besucht, und er hat mir seine Scheune aufgeschlossen, in der diese wunderbaren originalen Kalanag-Illusionen standen. Da ist dem Reporter in mir gleich das Herz aufgegangen, ich liebe solche Recherchen, die auf Dachböden und in Scheunen führen, und Michael war ein wunderbarer erster Cicerone ins Reich von Kalanag. Dann kam die Stiftung Zauberkunst mit dem Kalanag-Nachlass, dann Wittus Witt mit seinem umfangreichen Zauberwissen. Auch mit Richard Hatch und Bernd Heller, deren frühere Recherchen zu Kalanag wegweisend waren, habe ich mich oft ausgetauscht. Magic Christian in Wien und Rico Leitner in Zürich haben mir mit ihrem Wissen über Kalanags Wirken in Österreich und der Schweiz wertvolle Unterstützung geleistet. Ich habe in all diesen Jahren als Außenstehender eine Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft aus Zauberkreisen erfahren, die ihresgleichen sucht.

Das ist schön zu hören. Wie hilfreich waren für dich speziell der Kontakt zur und die Quellen der Stiftung Zauberkunst von Michael Sondermeyer und Uwe Schenk?

Mir wurde schnell klar, dass die beiden auf einem Schatz sitzen mit dem Kalanag-Nachlass. Als ich dann das erste Mal nach Nottuln-Appelhülsen kam, war ich überwältigt: Von der Hilfsbereitschaft und Kenntnis der beiden, von der Fülle des Kalanag-Materials und von der großartigen Sammlung und Bibliothek, die Michael und Uwe dort über Jahrzehnte aufgebaut haben. Ich war dann über die Jahre immer wieder dort und bin davon überzeugt: Dass mitten in einem grauen Industriezentrum am Bahnsteig in der westfälischen Provinz so etwas existiert, grenzt wirklich an Magie. Dass die beiden das jetzt mit der Gründung der „Stiftung Zauberkunst“ für zukünftige Generationen bewahren, ist jede Unterstützung wert.

Du hast auch früh versucht, noch lebende Zeitzeugen – etwa ehemalige Tänzerinnen der Kalanag-Revue – ausfindig zu machen. Wie erfolgreich warst du dabei?

Das war der schwierigste Teil meiner Recherchen. Aber als alter Reporter habe ich ein bisschen Übung darin, Menschen aufzuspüren und wurde auch aus Zauberkreisen sehr unterstützt bei der Kontaktaufnahme. Die Gespräche mit ehemaligen Mitarbeiterinnen wie Fritzi, Gisela, Gitta, Heidi, Heike, Lilo und Ursula, mit Zeitzeugen wie David Berglas, Paul Potassy, Siegfried und vielen weiteren gehören zu den schönsten Erfahrungen meiner Arbeit. Besonders wichtig war auch die Begegnung mit seinen beiden Töchtern, Brigitte und Brigitte. Deshalb habe ich auch nie locker gelassen und würde bis ans Ende der Welt gehen, um mit interessanten Menschen zu sprechen.

Eine doppelte Brigitte? Bitte erzähle mir mehr von den beiden!

Ich bin wahrscheinlich der einzige, der beide Töchter kennengelernt hat. Diese Begegnungen gehören mit zu dem Bewegendsten, was ich bei der Recherche erlebt habe. Die ältere Brigitte war bereits über neunzig, als ich sie traf, aber was für eine lebhafte und besondere Frau! Die jüngere Brigitte habe ich kurz vor Schluss noch gefunden, obwohl mir immer wieder erzählt wurde, sie sei längst gestorben. Man darf eben nie aufgeben. Von beiden Treffen erzähle ich ausführlich im Buch.

Kalanags Ehefrau und Partnerin Gloria de Vos mit Tochter Brigitte
(Bild: Archiv Stiftung Zauberkunst)

Unglaublich… Hast du etwa auch noch Neuigkeiten zum Verbleib des Nazi-Goldes und Schreibers Rolle dabei?

Hätte ich das Nazi-Gold gefunden, dann würde ich dieses Interview jetzt von meinem Anwesen auf den Seychellen aus geben oder wenigsten von den Philippinen wie der alte Paul Potassy, der bei unseren Skype-Gesprächen zwischendurch Goldtaler aus dem Mund spuckte. Tatsächlich habe ich nach jahrelanger Recherche detaillierte Informationen über Kalanags Konten und sogar über die mysteriösen Schlüssel entdeckt, die Gloria nach seinem Tod fand und die ich ursprünglich für eine reine Erfindung von Punx hielt. Ich lege diese Informationen im Buch offen: Schatzjäger in spe können sie gerne als Karte nutzen und weitermachen.

Gibt es ein Leitmotiv deiner Biografie, vielleicht einen Satz, der Helmut Schreibers illusionsreiches Wesen als Mensch und Magier aus deiner Sicht am besten beschreibt?

„Simsalabim – Da bin ich wieder.“ Das ist die Zauberformel, mit der Kalanag sich und sein Leben neu erfunden hat. Das Simsalabim, das er von Dante übernommen hat, gehört genauso dazu wie das „Da bin ich wieder“: Er war ein Stehaufmann, ein Comeback-Kid und auch ein Karrierist. Mich hat von Anfang an die Frage interessiert, wie Helmut Schreiber-Kalanag sein Talent als Zauberkünstler im wirklichen Leben genutzt hat. Ich finde den Begriff Täuschungskünstler sehr treffend. Der Zauberkünstler Kalanag hat auf der Bühne sein Publikum getäuscht – der Mensch Helmut Schreiber im zivilen Leben die Alliierten, die Nazis und sogar die Menschen, die ihm am nächsten standen, also Freunde und Familie. Und das hat er so geschickt gemacht, dass die meisten, allerdings nicht alle, sich sogar gerne täuschen ließen – das ist wahre Zauber-Kunst!

Die Schreibers zu Gast bei Adolf Hitler auf dem Obersalzberg
(Bild: Bildarchiv der National Archives at College Park, Maryland, Foto: Heinrich Hoffmann)

Dein Buch erscheint im Penguin Verlag für ein breites Publikum. Welche Schmankerl kannst du den Zauberern unter deinen Lesern versprechen?

Einblicke in seine Zaubernotizbücher (auch im Bildteil), Blicke hinter die Kulissen und vieles mehr. Ich habe im Nachlass wirklich aus dem Vollen schöpfen können. Außerdem zeige ich, mit welchen Mitteln dieser Junge aus Schwaben es geschafft hat, so eine beeindruckende Weltkarriere hinzulegen. Davon kann man heute noch lernen, im Guten wie im Schlechten. Eine spannende Geschichte ist auch das Duell der Magier: Ich erzähle zum ersten Mal ausführlich von der erbitterten Fehde zwischen Kalanag und Marvelli, die im Dritten Reich und danach mit allen Mitteln ausgetragen wurde.

Auch ein dunkles Kapitel… Was ist denn für dich deine allergrößte Entdeckung oder Neubewertung im Leben Kalanags?

Seine Persönlichkeit. Der Mensch Helmut Schreiber ist ja vollkommen hinter dem Zauberkünstler Kalanag mit seinen flotten Sprüchen und der atemberaubenden Tempo-Magie verschwunden. Ich bin überzeugt davon, dass er das so gewollt hat. Er selbst, sein Charakter, sein Innerstes, sollte geheim bleiben. Ich bin ihm dennoch sehr nahe gekommen, vor allem in den Gesprächen mit seinen beiden Töchtern.

Dieses Buch ist kein Roman, sondern eine wahre Geschichte. Für einen Roman wäre Kalanags Leben zu unglaublich. (M.H., Seite 420)

Und wieviel Wahrheit oder Illusion steckt nach deinen Recherchen in Schreibers selbst verfassten „Lebenserinnerungen“?

Kalanag hat eine Handvoll Körnchen Wahrheit genommen und sie dann in einer ganz großen Büchse voll Erfindungen geschüttelt. Ich habe ihm erstmal gar nichts geglaubt, nach Belegen gesucht und seine Geschichten auf ihre Plausibilität geprüft. Ich zeige im Buch auch, wie er sich gezielt stilisiert – und zwar in der literarischen Tradition eines Robert-Houdin und anderer berühmter Vorgänger. Kalanags Memoiren sind, wie es sich für eine ordentlichen Zauberkünstler gehört, Teil einer großen Illusion.

Immer im Mittelpunkt: Kalanag mit seinen Mystery-Girls
(Bild: Archiv Stiftung Zauberkunst)

Hattest du eigentlich schon früher Berührungspunkte zur Zauberkunst? Und hat sich deine Sicht auf sie womöglich durch dein Buchprojekt verändert?

Ich habe als Teenager ein paar Zauberbücher gelesen und einen Zauberkasten gehabt. Halbwegs stolz bin ich darauf, dass ich mir damals immerhin die Drehkarte beigebracht habe. Aber für mich waren das nur Tricks, ich hatte noch kein Gespür für die Kunst. Heute fehlt mir die Fingerfertigkeit, aber nach sieben Jahren mit Kalanag und vielen interessanten Begegnungen mit Zauberkünstlern und -künstlerinnen habe ich enormen Respekt und Wertschätzung für die Kunst des Zauberns, ihre Traditionen und Werte. Ich glaube, das scheint auch in meinem Buch durch, das nicht nur vom „großen Kalanag“ erzählt, sondern auch von der Faszination der Zauberkunst.

Letzte Frage: Ist womöglich auch schon eine englische Ausgabe deines Buches angedacht?

Mein Verlag Penguin Random House bietet aktuell die weltweiten Rechte für das Buch an. Die abenteuerliche Geschichte des Zauberkünstler Kalanag und seiner Zeit ist ja nicht nur für ein deutsches Publikum interessant. Kalanag hat vor Hitler gezaubert und dann – im wahrsten Sinne des Wortes – die Welt erobert. Es ist eine Geschichte voller Erfolge und Rückschläge, eine Geschichte über Wahrheit, Lüge und Verrat und darüber, warum wir alle uns manchmal bereitwillig täuschen lassen. Kalanag ist Stoff für Hollywood.

Besten Dank für das Gespräch, Malte, und viel Erfolg mit deinem Buch!

(Interview: Jan Isenbart)

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Nein, Helmut Schreiber log nicht. Dafür war er viel zu raffiniert. Er erweckte Anschein, machte vor, redete ein, suggerierte, manipulierte und verwirrte die Tatsachen, bis man von selbst auf ganz andere kam. Überhaupt, diese Liebe zur Wahrheit. Philosophen hatten einfach keine Fantasie. Für den Zauberkünstler Helmut Schreiber war die Welt alles, was der Fall sein könnte. Die Wirklichkeit hatte viele Facetten, am Ende war es eine Frage der Perspektive, nicht wahr? Lügen tut nur, wer sich festlegt. (M.H., Seite 44)

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Hier geht es zu Malte Herwigs Website. Bei Twitter und Instagram findet man ihn unter @malteherwig.

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Aus dem Waschzettel des Verlages zum Buch:

Das Buch kann neben dem regulären Buchhandel auch über den Zauberfachhandel oder die Stiftung Zauberkunst bezogen werden.

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Der Trailer zum Buch:

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TV-Doku: „Verzaubert und verdrängt – die Karriere des Magiers Kalanag“

Passenderweise zeigt Das Erste am Abend der Buchveröffentlichung (Montag, 22. März 2021, 23:35 Uhr) eine 45-minütige TV-Dokumentation über Helmut Schreiber-Kalanag. „Verzaubert und verdrängt – die Karriere des Magiers Kalanag“ ist ein Film von Oliver Schwehm (Lunabeach TV und Media GmbH) im Auftrag des SWR. Zu Wort kommen darin neben Malte Herwig auch der Filmhistoriker und Autor Rolf Aurich sowie Liselotte Littobarski, die letzte Sekretärin Kalanags. Sprecher ist der Schauspieler Ben Becker. Nach der Ausstrahlung wird die Dokumentation ein Jahr lang in der ARD Mediathek abrufbar sein.

Mit einer Truppe von bis zu 80 Mitwirkenden bereiste Kalanag die Welt
(Bild: SWR/Stiftung Zauberkunst)

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Im Interview: Erdnase-Übersetzer Rainer Vollmar

“Das Buch ist in der Pokerszene völlig unbekannt”

Rainer Vollmar ist studierter Germanist und nach vielen Jahren im Verlagsgeschäft heute als freier Übersetzer, Buchautor und Journalist tätig. Für eine Neuveröffentlichung des Nikol Verlages im Jahr 2019 hat er Erdnases Expert at the Card TabIe ins Deutsche übertragen. Im Rahmen unserer Spurensuche zur Rezeption von Erdnase im deutschsprachigen Raum spricht Vollmar über seinen Zugang zum Buchklassiker, Feinheiten und Herausforderungen der Übersetzung und über Verbindungslinien in die Welt des Pokerns.

Hallo, Herr Vollmar! Vielen Dank, dass Sie sich für meine Fragen Zeit nehmen. Zu Ihren Fach- und Interessensgebieten als Autor und Übersetzer zählen unter anderem Schach und Poker. Haben Sie auch eine ähnliche Beziehung zu den Themenfeldern Falschspiel und Zauberkunst?

Das Thema Falschspiel beschäftigt mich zwangsläufig. Seit es Glücks- und Strategiespiele gibt, gibt es auch das Interesse, sich einen Vorteil zu verschaffen.

Wie ist Ihre Übersetzung von Erdnase vor rund zwei Jahren zustande gekommen? War das Ihre Idee, oder wurde Ihnen diese angetragen?

Der Verlag hat bei mir angefragt, und ich habe gern angenommen.

War die Übersetzung für Sie irgendwie auch eine Liebhaberei, oder war es mit Erdnase gesprochen Ihr primäres Motiv, “das notwendige Geld zu verdienen” – was ja ein edles und hier besonders passendes Motiv wäre?

Von einer Liebhaberei kann man insofern sprechen, als mir schnell klar war, dass mein Stundenlohn bei einem so komplexen Thema nicht besonders hoch sein wird. Ich interessiere mich grundsätzlich für die Inhalte der Bücher, die ich übersetze. Sonst lehne ich den Auftrag ab.

Hatten Sie vor dem Projekt schon mal von S. W. Erdnase gehört bzw. sich näher für ihn und sein Buch interessiert?

Nein. Meine Vorkenntnisse zu diesem Thema beschränkten sich auf Poker- und Casinoquellen und ein sehr anschauliches Buch mit dem Titel How to Cheat at Cards, das sich in meiner Bibliothek befindet.

Beschäftigt Sie die Frage, wer Erdnase war, und verfolgen Sie die entsprechenden Veröffentlichungen und Diskussionen darüber? Haben Sie womöglich sogar einen Favoriten unter den diskutierten Kandidaten?

Nachdem ich das Vorwort der Dover-Ausgabe von Martin Gardner gelesen hatte, war mein Interesse geweckt und ich habe im Internet recherchiert. Ungeachtet dessen, ist es bei einem Text Standard, sich mit den Hintergründen auseinanderzusetzen.

Zu Ihrer zweiten Frage. Wenn man die durchaus unterhaltsamen Geschichten aus der Frühzeit des amerikanischen Glücksspiels kennt, spricht vieles dafür, dass Erdnase ein Hustler war oder einen solchen gut kannte. Ich tue mich aber schwer, der Figur eine historische Bedeutung beizumessen. Seinem Buch schon.

Kannten Sie die schon viele Jahre vorliegende deutsche Übersetzung von Christian Scherer?

Selbstverständlich bin ich bei meinen Recherchen darauf gestoßen und habe mit Bedauern festgestellt, dass das Buch im Buchhandel nicht erhältlich ist.

Haben Sie sich für Ihre Übersetzung zu irgendwelchen Aspekten des Falschspiels oder Kartenzauberns mit Fachleuten ausgetauscht oder andere Quellen herangezogen?

Glücklicherweise ist der Vermieter meiner Frau ein recht bekannter Zauberer, der auch andere Größen der Szene gut kennt und den ich engagieren konnte. Er ließ die Rohfassung dankenswerter sogar kursieren, weil auch er die Verantwortung gespürt hat, die mit einem solchen Projekt verbunden ist. Ohne eine prüfende Lektüre von Fachleuten und deren Hinweise hätte ich meine Übersetzung nicht in Satz gegeben.

Ihre Übersetzung trägt den vermutlich verkaufsfördernd gedachten neuen Untertitel “Wie Sie erfolgreich manipulieren und meisterhaft zaubern” und verzichtet dafür auf den berühmten Untertitel und Erläuterungstext bis hin zur Nennung des Illustrators M. D. Smith. War das Ihre Entscheidung oder die des Verlages?

Der Verlag hat sich einen modernen und verkäuflichen Untertitel gewünscht, und ich habe einige Vorschläge gemacht. Das ist bei Sachbüchern nichts Ungewöhnliches. Das Vorwort von Martin Gardner hätte ich gern im Buch gehabt, aber das hätte eine Lizenzierung erfordert, während der reine Buchtext ja gemeinfrei ist.

Auf welche Schwierigkeiten sind Sie bei der Übersetzung gestoßen?

Das größte Problem ist natürlich, eine bereits vorhandene Fachsprache zu respektieren und das Buch dennoch für Einsteiger verständlich und lesbar zu machen. Liest man die grundsätzlich zwar meist positiven Rezensionen, ist Letzteres leider nur zum Teil geglückt. Dazu kommt die ewige Frage, inwieweit man englische Ausdrücke übernehmen muss. Ein Beispiel sind etwa „Shuffle“ und „Riffle“, bei denen es sich ja um unterschiedliche Techniken handelt, für die wir im Deutschen aber nur das Wort Mischen kennen.

Ich habe das Buch in der 2. Auflage 2019 gekauft. Können Sie mir sagen, wie hoch die Auflagen waren?

Nein, aber mich freut für den Verlag, dass es nachgedruckt wurde.

Ist der Experte am Kartentisch nach Ihrer Erfahrung in der Pokerszene bekannt und wird womöglich sogar gelegentlich zitiert oder diskutiert?

Das Buch ist meines Wissens in der deutschsprachigen Pokerszene völlig unbekannt, einige Tricks dagegen nicht. Zum Glück gibt es heutzutage Dealer, die in aller Regel nur vom Casino bezahlt werden und für einen geregelten Ablauf sorgen. Beschissen wird trotzdem, und natürlich wird ein Fall wie Phil Iveys Millionengewinn beim Baccarat, den er – vom Casino zugelassen! – mit mitgebrachten und gezinkten Karten erzielte, in der Szene und in der Justiz heftig diskutiert. Offenbar sind der menschlichen Fantasie da kaum Grenzen gesetzt.

Sehen Sie Parallelen zwischen Erdnases psychologischen Erkenntnissen zum richtigen Verhalten des (Falsch-)Spielers und heutigen Pokerspielern oder zu Tipps heutiger Poker-Autoren?

Auf jeden Fall. In der Pokerszene kursieren mehrere Bücher ehemaliger FBI-Profiler über sogenannte Tells (wieder so ein Anglizismus-Problem, für das es keine Entsprechung gibt). Diese beziehen sich aber nicht nur auf die Psychologie, sondern vor allem auf körpersprachliche Aspekte.

Was macht für Sie den Reiz des Buches aus, fast 120 Jahre nach der Erstausgabe?

Als passionierter Kartenspieler habe ich über die Vielfalt der Tricks gestaunt, die man mit einem klassischen Deck veranstalten kann. Natürlich habe ich auch einige Tricks nachgestellt und mir dabei fast die Finger gebrochen. 

Das kann ich gut nachvollziehen… Ganz herzlichen Dank für Ihre Antworten, Herr Vollmar, und weiterhin alles Gute!

(Interview: Jan Isenbart)

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Zum Interview mit dem ersten Erdnase-Übersetzer Christian Scherer geht es hier.

Noch mehr zu Erdnase in seiner eigenen Rubrik hier.

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Im Interview: Erdnase-Übersetzer Christian Scherer

“Der Text war eine größere Herausforderung”

Christian Scherer gehört seit Jahrzehnten zu den profiliertesten Schweizer Zauberkünstlern. Neben der Kreation vieler eigener Routinen für Bühne und Close-up hat sich der studierte Psychologe auch einen Namen als Autor, Übersetzer, Seminarleiter und Vereinsfunktionär gemacht. Auf unserer Spurensuche zur Bedeutung und Rezeption von S.W. Erdnases Expert at the Card Table im deutschsprachigen Raum haben wir ihn in seiner Funktion als erster Übersetzer des Werkes ins Deutsche befragt.

Hallo Christian! Schön, dass du dir die Zeit für ein Gespräch nimmst! Weißt du noch, wann oder wo dir zum ersten Mal Erdnase und sein Buch begegnet sind?

Ich sah das 1975 erschienene Buch Card Mastery von Michael MacDougal, in dem der komplette Text von Erdnase enthalten ist, in einem Prospekt von Tannen’s und kaufte es 1971 als mein 13. englischsprachiges Zauberbuch. – Ich weiß das so genau, weil ich die Anschaffung meiner ersten 520 Zauberbücher nach Kaufdatum aufgelistet habe.

Bist du damals schon über den komischen, deutsch klingenden Autorennamen “Erdnase” gestolpert?

Nein.

Was hat dich denn ursprünglich an dem Buch am meisten fasziniert?

Die detaillierten Abhandlungen zu den einzelnen Techniken und die Erkenntnis darüber, wo eine große Zahl von Techniken, die ich bereits aus anderen Publikationen kannte, ihren Ursprung hatte.

Hast du jemals Kunststücke aus dem Buch einstudiert oder vorgeführt? Oder hatten dir es dir mehr die Griffe fürs Falschspiel angetan?

Wie erwähnt kannte ich viele der beschriebenen Techniken und deren Weiterentwicklungen schon aus der Sekundärliteratur. Techniken wie Injog-Mischen, Palmieren, der Bottom Deal, der Erdnase Color Change (Transformations Two Hands, First Method), oder der einhändige Erdnase Shift haben mich mehr in Bezug auf allgemeine Anwendungen bei Kartenkunststücken interessiert als in Bezug auf das Falschspiel bzw. Falschspieldemonstrationen.

Vorgeführt habe ich zum Beispiel “The Card and Handkerchief”, zu dem ich eine eigene Handhabung entwickelt habe, die in Karten à la Carte veröffentlich wurde, oder “The Exclusive Coterie”, mit eigenem Vortrag.

Wann und wie ist dann der Gedanke zur Übersetzung entstanden?

Da der Experte am Kartentisch eine der bedeutendsten Grundlagen der Kartenkunst ist und immer wieder als Quelle angegeben wurde und wird, viele Zauberfreunde jedoch des Englischen nicht genügend mächtig sind, um komplexe Texte ohne Schwierigkeiten zu lesen, lag es nahe, den Text ins Deutsche zu übertragen. Die Idee konkretisierte sich 1990, die erste Auflage wurde dann 1991 veröffentlicht, die zweite, überarbeitete und mit einem Anhang über das Euchre-Spiel ergänzte Auflage 2009.

Was waren dabei die größten Hürden für dich?

Das englische Vokabular der Zauberkunst war mir schon recht geläufig, die Übersetzung des gesamten, 70 Jahre früher verfassten Textes war jedoch eine größere Herausforderung, da es Übersetzungstools wie DeepL und LEO damals noch nicht gab. Da war noch Handarbeit unter Zuhilfenahme von einschlägigen Wörterbüchern wie z. B. Webster’s New Encyclopedic Dictionary angesagt!

Vor zwei Jahren ist ja eine Neuübersetzung von Erdnase ins Deutsche erschienen…

…und die ist schlecht und ein echtes Ärgernis! Warum übersetzt jemand, der sich offensichtlich in einem Fachgebiet nicht auskennt, ein Buch, das bereits in deutscher Übersetzung vorliegt? Auch wenn Erdnases Experte am Kartentisch oft als “Bibel” bezeichnet wird, handelt es sich hier ja nicht um eine Bibelübersetzung, bei der überlieferte Texte neu interpretiert werden müssten. Der Originaltext liegt vor. Aus Respekt für den Autor, und um Sprachgebrauch und Zeitgeist des Anfangs des 20. Jahrhunderts verfassten Textes wiederzugeben, wäre es angemessen, sich möglichst eng an die Sprache des Originals zu halten. Davon hält der Übersetzer Rainer Vollmar offensichtlich nichts. Das beginnt schon auf der Titelseite mit einem frei erfundenen reißerischen Untertitel, “Wie Sie erfolgreich manipulieren und meisterhaft zaubern”. Dafür fehlt die zur Zeit der Entstehung des Originaltextes übliche blumige Umschreibung des Inhaltes, nämlich “Eine Abhandlung über die Wissenschaft und Kunst der Kartenmanipulation von S. W. Erdnase. Umfasst alle Kunstgriffe, die von Spielern und Zauberkünstlern verwendet werden, beschreibt im Detail jedes bekannte Mittel, jeden Trick und jede List des Kartenexperten mit über 100 Zeichnungen nach dem lebenden Modell von M. D. Smith”.

Was kritisierst du noch?

Ach, so einiges. Im Inhaltsverzeichnis etwa entspricht die Kapiteleinteilung nicht der Einteilung in Ober- und Untertitel des Originals. Auch ist dem Übersetzer die Bedeutung der Begriffe “Trick” und “Kunstgriff” oder “Technik” nicht geläufig: Der Titel des Kapitels “Kunstgriffe am Kartentisch” lautet hier “Tricks am Kartentisch”. Ebenso werden bei den Kunststücken Griffe oder Techniken als “Tricks” bezeichnet. Auch ist ihm der Fachbegriff des “Egalisierens” nicht geläufig, er spricht von “Glattstreichen”. Außerdem ist bei ihm von einem “vorsortierten Spiel” die Rede, was in der Fachsprache ja ein “gelegtes Spiel” ist. Und weshalb Vollmar anstatt “Mischen” nun “Shuffle” im Deutschen verwendet, weiß wohl auch nur er. Und das sind nur einige ärgerliche Beispiele.

Zurück zum Original: Was ist denn für dich persönlich die größte Entdeckung oder Erkenntnis aus dem Buch?

Dass viele der auch heute noch gültigen Grundlagen der Kartenzauberei bereits Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt und vorhanden waren und zahlreiche Autoren auf den von Erdnase veröffentlichten Prinzipien und Techniken aufgebaut haben. Was zu der interessanten, wenn auch akademischen Frage führt, wie sich die Kartenkunst entwickelt hätte und wo sie heute stünde, wenn der Experte am Kartentisch nicht veröffentlicht worden wäre…

Wie sehr hat dich das Rätsel um die Person hinter dem Pseudonym S.W. Erdnase interessiert? Verfolgst du heute noch die Veröffentlichungen und Diskussionen darüber?

Früher war mein Interesse daran eher gering. Nach Veröffentlichungen wie The Man Who Was Erdnase von Whaley, Gardner und Busby, die ebenso viele Fragen offenlassen wie beantworten, verfolge ich gespannt insbesondere die sehr breit angelegten Recherchen von Chris Wasshuber.

Hast du denn einen Favoriten unter den diskutierten Kandidaten?

Da möchte ich mich nicht festlegen. Ich habe auch so meine Zweifel, dass es jemals gelingen wird, eindeutige Beweise für die Identität Erdnases zu finden.

Warum?

Weil sich schon zahlreiche Leute seit vielen Jahrzehnten vergeblich um Aufklärung bemüht haben.

Was glaubst du: War Erdnase eher Falschspieler oder Zauberer?

Zu Glaubensfragen äußere ich mich nicht… 😊

Strikt neutral, so kennen wir unsere Schweizer Freunde… Herzlichen Dank für das Gespräch, lieber Christian, und weiterhin alles Gute!

(Interview: Jan Isenbart)

Und hier geht es zu Christian Scherers Website. Viele seiner Werke sind auch als E-Buch bei Lybrary.com erhältlich. Zuletzt erschienen von ihm sein Hauptwerk Schlaglichter, mit vielen eigenen Routinen und Gedanken zur Zauberkunst, sowie die drei Bildbände Magicians in Action, 1980 – 2015.

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Alle weiteren Interviews – u.a. mit den Fertigen Fingern Helge Thun, Pit Hartling und Thomas Fraps – finden sich gleich hier.

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Ausgezeichnet: Simon Pierro, Volker Huber und Christian Theiß

Kürzlich hat der Magische Zirkel von Deutschland (MZvD) seine beiden wichtigsten Ehrungen bekanntgegeben:

Simon Pierro ist Magier des Jahres 2020. Der sympathische Künstler hat sich in den letzten Jahren weltweit einen hervorragenden Ruf als innovativer digitaler und virtueller Zauberkünstler erarbeitet.

Volker Huber und Dr. Christian Theiß sind die Schriftsteller des Jahres 2020. Gewürdigt wird mit der Auszeichnung ihre jahrelange akribische Arbeit an und schließlich die Herausgabe der monumentalen Bibliographie des deutschsprachigen Schrifttums zur Zauberkunst – Publikationen bis 1945. Nur wer selbst einmal wissenschaftlich-bibliografisch gearbeitet hat, kann ansatzweise ermessen, was für eine Herkulesaufgabe dieses Projekt über Jahre und Jahrzehnte hinweg gewesen ist!

Herzlichen Glückwunsch allen drei Preisträgern, die auf ganz unterschiedliche Art erstklassig die Zauberkunst in Praxis und Forschung (re)präsentieren!


 

Worauf wir uns freuen können

Mal abgesehen von den zahlreichen magischen Zoom-Shows und Livestreams, die inzwischen angeboten werden, gibt es auch noch Neues aus der klassisch-analogen Medienwelt zu vermelden:

Für den 22. März ist nun die Veröffentlichung der schon länger erwarteten Kalanag-Biografie von Malte Herwig angekündigt. Der große Kalanag: Wie Hitlers Zauberer die Vergangenheit verschwinden ließ und die Welt eroberte umfasst stolze 480 Seiten und erscheint im Penguin Verlag.

Ich konnte in den letzten Jahren bei zwei Anlässen mit Malte über Facetten in Kalanags (illusions)reichem Leben sprechen und bin schon sehr gespannt auf das fertige Werk!

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Wer die Zeit bis dahin themennah mit spannender Lektüre nutzen möchte, könnte sich zum Beispiel der deutschen Ausgabe von Nazi-Gold von Sayer/Botting widmen, die nach jahrelanger Ankündigung nun endlich im FinanzBuch Verlag erschienen ist. Es handelt sich hierbei um die Geschichte des weithin ungelösten Rätsels der bei Kriegsende verschwundenen Reichsbank-Millionen. Und wer es noch nicht wusste: In dieser Geschichte spielt Helmut Schreiber-Kalanag mindestens eine interessante Nebenrolle…

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Farid bekommt nach drei Jahren Pause eine neue Staffel seines Formates “Farid – Magic Unplugged” beim Sender SKY, wie der Mediendienst DWDL kurz vor Weihnachten berichtete. Ab dem 1. März werden immer montags um 20:15 Uhr Doppelfolgen zu sehen sein. Als staunende Gäste dabei sind u.a. Boris Becker, Lothar Matthäus, Felix Neureuther und Nico Rosberg.

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Die Gerüchte halten sich schon länger, nun scheint aber tatsächlich ein magisches Houdini-Musical am Broadway langsam Gestalt anzunehmen. Auf der entsprechenden Webseite gibt es jetzt erste Informationen und Skizzen zu sehen. Die Show verspricht etwa 20 verschiedene Großillusionen – wohl mehr als Houdini jemals in seinem Leben vorgeführt hat…


Ehrlich Brothers suchen Nachwuchszauberer

Im Auftrag von SUPER RTL und TVNow geht demnächst die “Ehrlich Brothers Magic School” auf Nachwuchs-Suche. Wie das Medienmagazin DWDL.de berichtet, sollen in der Sendung jeweils zwei Zauberer unter 15 Jahren gegeneinander antreten. Insgesamt acht Folgen werden in diesen Tagen aufgezeichnet. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.