Täglicher Theater-Zauber

ZZZBühne

Naja, nicht ganz… Nicht täglich, aber doch gefühlt im Wochentakt ist ab September in der neuen Kabarett- und Kleinkunst-Saison 2019/20 irgendwo ein Zauberer im Raum Frankfurt/Wiesbaden zu bestaunen, z.B. Ingo Oschmann, Marion Metternich, Pit Hartling (mit und ohne Thomas Fraps), Monsieur Brezelberger, Harry Keaton, Christian de la Motte, das Team von Magic Monday und andere mehr. Insbesondere das Thalhaus-Theater in Wiesbaden glänzt mit zahlreichen magischen Gastspielen.

Die genauen Termine müsst Ihr euch bei Interesse schon selber raussuchen, aber hier geht es zu den Programmen der von mir begutachteten Schaubühnen:

Frankfurt, Die Schmiere: Programm

Wiesbaden, Thalhaus-Theater: Programm

Frankfurt, Die KÄS: Programm

Und auch das Zauber-Schiff der Primus-Linie legt mit dem “Original Zauber-Dinner” an Bord zwischen Oktober und April wieder regelmäßig zu Abendfahrten auf dem Main in Frankfurt ab!


 

Advertisements

Ein Förderverein für die Stiftung Zauberkunst

MagLogo_StZK

Uwe Schenk und Michael Sondermeyer teilen mit:

Am 8. Oktober 2019 haben 11 Personen im Zentrum für Zauberkunst den Förderverein für die Stiftung Zauberkunst e.V. gegründet.

Nun folgen noch einige formale Schritte (Anmeldung beim Amtsgericht, Steuererklärung, Kontoeröffnung etc.) aber dann kann jeder, der möchte, als Mitglied dieses Vereins die Stiftung unterstützen.

  • Der Verein ist gemeinnützig und kann dementsprechend Zuwendungsbestätigungen ausstellen, die das Finanzamt akzeptiert.
  • Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 25,- € im Jahr (als Mindestbeitrag) festgelegt.
  • Der Beitrag für Organisationen und Firmen wird im Einzelfall festgelegt.

Wir werden uns wieder melden, sobald die Formalien erledigt sind und freuen uns natürlich über jegliche Unterstützung und Hilfe – sei es denn ganz praktisch, finanziell oder ideell.

Für das nächste Jahr haben wir den 28. März als Termin für die nächste Mitgliederversammlung angedacht. Wir planen an diesem Tag dann wieder einen Aktionstag, an dem im Zentrum gemeinsam “gearbeitet” wird (wie schon an den vergangenen Aktionstagen). Zudem soll dann die Mitgliederversammlung des Vereins an diesem Tag stattfinden. Also liebe Vereinsmitglieder (und all diejenigen, die es noch werden möchten): Bitte den Termin vormerken.

Nochmals zur Erinnerung: Die Stiftung selbst kann man natürlich auch direkt durch regelmäßige Zuwendungen unterstützen – aber es gibt keine Möglichkeit einer Mitgliedschaft. Deshalb war bei der Planung zur Finanzierung der Stiftung dieser Förderverein ein wichtiger Bestandteil, um regelmäßige und planbare Einnahmen zu erzielen.

Wir freuen uns, dass der Verein nun gegründet werden konnte und werden Euch informieren, sobald die Formalien erledigt sind und Ihr Mitglied werden könnt (Ihr dürft Euer Interesse daran gerne schon vorher kundtun.)

Michael Sondermeyer und Uwe Schenk

Mehr zur Stiftung Zauberkunst findet Ihr hier.


 

Nicolai Friedrich ganz nah

Meistens kann man Nicolai Friedrich auf ziemlich großen Bühnen in noch größeren Stadthallen bewundern, doch nun kommt er ganz nah heran: Vom 25. Dezember bis zum 5. Januar schlägt er seine Zelte buchstäblich in einem solchen auf, nämlich im Zeltpalast an der Commerzbank Arena in Frankfurt. Dieser bietet im Halbkreis in zehn Sitzreihen bis zu 260 Zuschauern Platz, die auch auf den äußersten Sitzen maximal 7,70 Meter von der Bühne entfernt sein sollen – nah genug, um Zauberkunst mit Spielkarten, Münzen und Fingerringen zu erleben sowie verblüffende mentalmagische Experimente.

Die Shows beginnen um 14 und 19 Uhr. Und ja, das Zelt ist beheizt!

NicolaiFriedrich
Screenshot Website Nicolai Friedrich

Nähere Infos gibt es hier.


 

Die Stiftung Zauberkunst lädt ein

StiftZK

Ein Update von Uwe Schenk und Michael Sondermeyer:

Einladung zum Stiftungstag am 16.11.19

Am 3. November 2018 wurde die Stiftung Zauberkunst im Zentrum für Zauberkunst in Appelhülsen gegründet. Ein Jahr später möchten wir interessierte, engagierte, neugierige und kritische Menschen einladen, mit uns über die weitere Entwicklung und die Zukunft der Stiftung zu beraten. Dazu laden wir am 16.11.19 zu unserem ersten Stiftungstag ein.

Der Stiftungstag wird am Samstag, dem 16.11.19 stattfinden. Da viele Teilnehmer eine weite Anreise haben werden, gibt es die Möglichkeit, schon ab Freitag Nachmittag ins Zentrum für Zauberkunst zu kommen, und auch am Sonntag Vormittag ist das Zentrum geöffnet.

Ob und wie diese Zeiten schon für Gespräche, Arbeitsgruppen oder noch für die Vorbereitung genutzt werden, entscheidet jeder selbst. Wir gehen davon aus, dass viele Teilnehmer schon früher anreisen, so dass sich auf jeden Fall die Gelegenheit zum Austausch und dem Zusammensein mit Zauberfreunden ergibt.

Am Samstag wird es zum Einstieg einen kurzen Bericht über das erste Jahr der Stiftung geben. Danach soll in Kleingruppen an verschiedenen Themen gearbeitet werden, die für die Zukunft der Stiftung von Bedeutung sind. Zurzeit sind AGs zu folgenden Themen geplant:

  • Ist Zaubern Kunst?
  • Ideen zur Ausbildung von Zauberkünstlern
  • Inventarisierung und Dokumentation der Sammlung
  • Finanzierung der Stiftung (u.a. der Förderverein)
  • Räumlichkeiten der Stiftung
  • Mögliche weitere Aufgaben und Tätigkeiten der Stiftung

Die Liste kann gerne um weitere interessante Fragestellungen erweitert werden.

Wir freuen uns über jeden, der sich an diesen Diskussionen beteiligen möchte. Die Stiftungsgründung hatte ja vor allem den Zweck, eine Zukunft für die Sammlung und das Dokumentationszentrum zu ermöglichen – losgelöst von unseren Personen. Von daher wünschen wir uns eine möglichst große Beteiligung an den weiteren Planungen … und dann auch an deren Umsetzungen.

Wir hoffen auf viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen und freuen uns auf einen anregenden und spannenden Tag!

Michael Sondermeyer und Uwe Schenk

Auf der Website zum Stiftungstag gibt es weitere Informationen zur Organisation, zu den Themen und die Möglichkeit zur Anmeldung.
Ich bin dabei!

Frühe Kartenzauber-Psychologie (2)

“Forcieren der Karten”

Während die Volte nur durch stete Übung erlernt werden kann, gehört zum Forcieren einer Karte erstens, gleich wie bei der Volte, grosse Übung, dann kommt es aber auch noch auf eine undefinierbare individuelle Auffassung des Ganzen an. Es muss vom Künstler ein gewisser unbemerkbarer Zwang ausgehen, so dass eine Person gerade die vom Künstler gewünschte Karte wählt oder zieht. Hierbei muss den Künstler nun im Wesentlichsten seine eigene Beredsamkeit unterstützen, ja, er muss den oder die Zuschauer quasi fascinieren. — Für Bühnenkünstler ist dies nicht allzuschwer, da bei diesen noch zu viele Äusserlichkeiten als unterstützende Momente hinzukommen; schwerer ist es schon im Salon; am schwersten aber im guten Freundeskreise, da hier jeder conventionelle Zwang aufhört und Zwischenfragen an den Vortragenden gethan werden, denen derselbe dann natürlich kleine ausweichende Scherze entgegenhalten muss.

F.W. Conradi, Der moderne Kartenkünstler (1896), S. 9

Mehr frühe Kartenpsychologie gibt es hier!


 

Im Interview: Pit Hartling

_F2A1062
„Ich liebe vor allem die Abwechslung“

 

Hallo Pit! Um meiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachzukommen, möchte ich nach Thomas Fraps natürlich gerne noch weitere Fertige Finger zu ihren aktuellen Befindlichkeiten und zur Wahrnehmung ihres 25. Jubiläums befragen. Wie hast du dich denn dabei gefühlt?

Pit Hartling: Während des Finales im Theater Die Drehleier in München, zusammen mit Helge, Thomas, Jörg Alexander, Ben, Niko, Guido, Gaston und den anderen Gästen an diesem Abend, überkam mich eine kleine Welle nostalgischer Freude! Es ist sehr schön, nach 25 Jahren noch immer – oder zumindest wieder einmal – gemeinsam mit den Jungs auf der Bühne zu stehen. Ich habe das als einen ganz besonderen, kleinen Glücksmoment sehr genossen.

Was macht die Zahl 25 mit dir? Auch FISM Yokohama dürfte jetzt schon 25 Jahre her sein…

Ja, es ist verrückt! Da macht man einfach in aller Ruhe sein Ding, und – zack! – sind 25 Jahre rum! Vor allem fällt es mir auf, wenn ich mir anschaue, was die 16- und 17-Jährigen heute mit Spielkarten machen. Da schlackert man ja zum Teil mit den Ohren!

Wie und wo kannst du dir denn das Jubiläum “50 Jahre Gichtige Griffel Fertige Finger” vorstellen?

Haha, das planen wir dann, wenn es soweit ist, aber grundsätzlich hat man ja im Alter, was Comedy angeht, ganz andere Möglichkeiten! So manches, was von einem jungen Menschen ganz amüsant wäre, kann von einem altem sehr viel witziger sein. Ich habe neulich ein großartiges Foto gesehen, auf dem Mel Brooks, Carl Reiner und Dick van Dyke mit weit über 80 gemeinsam Grimassen schneiden – das finde ich schon eine ziemlich gute Zielvorgabe.

Wenn Thomas der “Zeigefinger” der Finger ist, welcher bist dann du? Der kleine Finger, der Linking-Ring-Finger oder der…?

Die Bezeichnung “Kleiner Finger” fiel tatsächlich das eine oder andere Mal. Aber das ist schon ok, zumindest bin ich nicht der Mittelfinger – das ist Guido!

Da zwei Fälle in der Boulevardpresse ja schon ein Trend und drei eine Massenbewegung sind, würde ich gerne mindestens noch einen weiteren Finger befragen. Du darfst bestimmen, wer das sein soll (Instant Stooging: Helge! Helge! Helge!) – und welche Frage ich ihm unbedingt stellen muss!

Klar, Helge! Frag ihn bitte, wann es denn jetzt endlich mit unserer großen Vegas-Tour losgeht, viel Zeit haben wir nicht mehr!

Prima, geht klar! Wahrscheinlich ist er gerade wieder in der Bredouille unterwegs. Aber was macht eigentlich Heinz, der kleine Schwerenöter? Er müsste ja so langsam mal in die Pubertät kommen…

Du, es ist ganz seltsam, aber im Gegensatz zu mir scheint Heinz kaum zu altern!? Vermutlich eine Stoffwechselsache. Andererseits war er halt auch immer schon ziemlich altklug, der kleine Scheißer.

Neben den Fertigen Fingern bist du ja auch Mitglied anderer langlebiger Kollektive, wie der Magic Monday Show im Kabarett „Die Schmiere“ oder beim Zauber-Dinner in Frankfurt. Welche Bedeutung haben diese für dich – ewiges Jugendlager, ruhiger Heimathafen oder kreative Testbühne?

Ich liebe vor allem die Abwechslung! So sehr ich es genieße, solo unterwegs zu sein, so sehr freue ich mich auch immer auf unsere Magic Mondays – die Show geht jetzt auch ins 20. Jahr – oder auch das „Metamagicum“ mit Thomas Fraps, immerhin seit 15 Jahren. Am ehesten kreative Testbühne sind für mich unsere Zauber-Dinner auf dem Schiff, vor allem, weil wir dort das Publikum in drei Gruppen aufteilen. Damit hat man dort die Gelegenheit, neue Nummern gleich drei Mal am Abend zu spielen – sehr, sehr nützlich!

Vor vier Jahren waren Denis Behr und du die deutschen Mitbegründer des internationalen Kollektivs Half Half Man. Nach einem sehr ambitionierten Start mit ausgewählten Produkten und hochwertigen Publikationen ist es dann bald ruhiger geworden. Lebt das Projekt noch?

Das scheint für viele so gewirkt zu haben, aber tatsächlich kann von „Mitbegründern“ oder gar „Kollektiv“ keine Rede sein. Helder (Guimarães) hatte einfach sowohl Denis als auch mich wegen einer Kolumne für eine neue, geplante Zeitschrift gefragt. Einzeln hatten wir beide keine Lust, aber wir schlugen ihm vor, gemeinsam etwas zu machen, in Dialogform. Unsere einzige Bitte war „carte blanche“, sprich, wir wollten einfach über alles reden bzw. schreiben können, wonach uns gerade der Sinn stand. Und so haben wir es dann gemacht. Irgendwann schlief das Ganze ein. Und irgendwo muss noch unsere letzte, bisher unveröffentlichte Kolumne herumliegen.

_F2A1373

Schade drum! Kommen wir endlich zu den Kartensachen. In einem Podcast-Interview mit dir habe ich neulich gehört, dass 80 Prozent deines Broterwerbs tatsächlich Stand-up-Auftritte sind. Heißt das, du zauberst mit Karten eigentlich mehr für andere Zauberer als für Laien?

Karten kommen bei mir im professionellen Bereich vor allem bei formellen Close-up-Shows zum Einsatz, meinem sogenannten „Magic Circle“. Wann immer ich Anfragen für kleine Gruppen bis zu maximal 50 Personen habe, schlage ich dieses Format vor: Die Gäste sind in einem engem Kreis dicht um einen runden Tisch herum versammelt, dazu ein grüner Casino-Filz und zwei Scheinwerfer. Diese Situation mag ich sehr, und dort ist es auch, wo ich zum Beispiel Kunststücke aus Card Fictions und In Order to Amaze hauptsächlich vorführe.

Dazu noch der eine oder andere „normale“ Close-up-Auftritt, aber ansonsten gibt es Spielkarten bei mir in der Tat mehr auf Kongressen, bei Seminaren und Workshops, das stimmt. Und natürlich öffentlich, bei meinen sogenannten „Magischen Soiréen“ im Grandhotel Hessischer Hof hier in Frankfurt oder bei Close-up-Gastspielen in Spielorten wie Stephan Kirschbaums Wundermanufaktur, bei Jan Logemann im Magiculum in Hamburg, der Close-up Lounge Hannover etc.

Dein lange vergriffenes erstes Buch Card Fictions ist inzwischen ja wieder erhältlich. Die Liste deiner Veröffentlichungen ist im Vergleich zu einigen anderen Kartenprofis eher schmal, aber dafür werden deine praktisch durch die Bank weg hoch gelobt ob ihrer Originalität und Perfektion. Wie intensiv verfolgst du und wie bewertest du denn den fast täglichen Auswurf der heutigen Zauberindustrie mit Tricks, Decks, Moves, Gimmicks und Instant Downloads?

Ich muss gestehen, dass ich diesen „Markt“ fast gar nicht verfolge. Allein bei der Menge an Buchveröffentlichungen halte ich mich an das Motto „Mut zur Lücke“. Das ist allerdings weniger irgendeiner Skepsis geschuldet, als vielmehr ganz profanem Zeitmangel. Ich bin sicher, dass mir dabei auch viele tolle Ideen und Entwicklungen entgehen, und ich versuche gerade in den letzten Jahren, da wieder etwas genauer hinzuschauen.

Was würdest du sagen: Auf welche deiner eigenen Trickschöpfungen bist du am meisten stolz?

Stolz empfinde ich in diesem Zusammenhang eigentlich kaum. Man kann ja nichts dafür, dass einem etwas einfällt. Stolz bin ich, wenn ich zu Hause ausgemistet habe oder zehn Kilometer joggen war! Aber was die Kartensache angeht: Zu den „Dauerbrennern“ in meinem Repertoire gehören sicher „Amor“, „Feurio“, „Finger Flicker“, die O-Saft Gedächtnisdemo oder die Pokerformeln.

Aber manchmal habe ich auch gerade Lust auf ganz andere Sachen. Das liebste „Baby“ ist ja sowieso immer das aktuelle Projekt, aber was dann den Test der Zeit besteht und gewissermaßen „überdauert“, das weiß man ja ohnehin immer erst nachher.

Gibt es neben dem memorierten Spiel noch ein besonderes Karten-Steckenpferd für dich, also zum Beispiel Story-Tricks, Gambling-Routinen oder Gimmick-Karten?

Nicht wirklich, nein. Methoden sind ja nur Werkzeuge. Sie sind Mittel zum Zweck, und der Zweck ist der Effekt. Und was Effekte angeht, mag ich in einer Show eine gewisse Abwechslung: Mal eine Skill-Demo, mal ein mehr „unmöglichkeitsbetontes“ Kunststück, mal etwas sehr Lustiges, etwas zum Thema Casino und Gambling, mal ein leiser, langsamer Rhythmus, dann wieder schnell und interaktiv. Ob dabei ein gemischtes Spiel zum Einsatz kommt oder ein Memospiel, Psychologie, Mathematik oder Gimmicks oder eine Kombination aus allem, ist für die Wirkung und das Publikum erstmal kein Kriterium.

Pit Hartling FU

Noch ein ganz anderes Thema, passend zu den meisten meiner anderen aktuellen Interviews: Du warst bereits im letzten Jahr zu Gast bei „Penn & Teller: Fool Us“, mit einer ganz starken Kartenroutine. Wie hast du die Show und die Gastgeber erlebt, und wie enttäuschst warst du womöglich, dass es nicht zu einer begehrten F.U.-Trophäe gereicht hat?

„Fool Us“ war eine rundum schöne Erfahrung! Die Produzenten hatten mich im Jahr davor schon einmal angefragt. Da ich aber zu diesem Zeitpunkt das Format nicht sehr gut kannte, hatte ich abgesagt. Ich glaubte zu wissen, dass es um eine Art Wettbewerb geht: Wenn du uns täuschst, hast du gewonnen, wenn nicht, haben wir gewonnen. Das fand ich die denkbar schlechteste Haltung für Zauberei.

Erst danach habe ich mitbekommen, dass das einfach eine kleine Mogelpackung von Penn und Teller ist, um zur besten Sendezeit gute Zauberei ins Fernsehen zu bringen. Das „Foolen“ oder nicht ist eher ein schönes Schmankerl, so dass sich eine größere Enttäuschung dort, glaube ich, wirklich für niemanden einstellt. Im Gegenteil: Es ist eine Freude zu erleben, wie dort alle an einem Strang ziehen, um möglichst gute Ergebnisse zu erzielen. In meiner Vorführung waren zum Beispiel diverse Kleinigkeiten daneben gegangen, so dass ich ein wenig improvisieren musste. Der Effekt und der Gesamt-Rhythmus waren davon zum Glück nicht groß betroffen, und die kleinen „Slalom“-Schlenker, die ich machen musste, wurden im Schnitt bereinigt.

Dabei ist das Konzept durchaus echt und ehrlich: Penn und Teller erfahren erst in dem Moment, wer ihnen da vorgesetzt wird, wenn man auf die Bühne tritt, und sie haben tatsächlich keinerlei Ahnung, was sie zu sehen bekommen werden. Ihre „Beratungen“ dauern live sehr viel länger, als am Ende zu sehen ist, aber ein Großteil dieser Zeit verwenden sie nicht um zu überlegen, wie die Methode war – das kennt man ja selbst: Entweder man ist getäuscht oder nicht -, sondern um die Texte für ihre „codierten“, verklausulierten Kommentare zu schreiben.

Überhaupt ist die ganze Sendung ein Kraftakt: Die Produktion geht über zwei Wochen, es sind ca. 200 Personen beteiligt, und an sechs Drehtagen werden 64 Acts aufgezeichnet plus 13 Penn & Teller-Nummern! Und dabei sind alle noch gut gelaunt und professionell. Sehr beeindruckend!

Mit einem Jahr Abstand — was hat dir dieser Auftritt persönlich, künstlerisch oder auch geschäftlich an Mehrwert gebracht? Und würdest du es wieder tun?

Handwerklich vor allem zwei Dinge: Die Erfahrung, wie es logistisch bei einer TV-Produktion dieser Art zugeht. Und die Erkenntnis, wie man Darbietungen für den Bildschirm „verknappt“ und auf den Punkt bringt. TV hat andere Gesetze als die Bühne.

Geschäftlich: Nix. Zwar meldeten sich die Produzenten von „America’s Got Talent“, aber die melden sich glaube ich bei jedem, und im Gegensatz zu „Fool Us“ weht da ein ganz anderer Wind. Vielleicht hätte man den Auftritt pressemäßig etwas ausschlachten können, aber das habe ich vergessen oder war zu faul!?

Wieder tun: Eindeutig ja. Das hat großen Spaß gemacht!

Schenkst du uns zum Abschluss bitte noch eine magische Weisheit oder ein Kurzgedicht des Lebemanns, Fußgängers und Kleinillusionisten Heinz?

Na, dann doch gerne beides:

Die große Weisheit (die nur so trivial klingt): Die wichtigste Fähigkeit für einen Zauberkünstler ist, die Dinge aus der Sicht der Zuschauer zu sehen.

Und, anlässlich der aktuellen tropischen Temperaturen, hier ein Zweizeiler zum Thema „Air Condition“: „Die Kühlanlage tat ihn stör’n. Er konnt’ die schon nicht mehr hör’n.“

Ich verrate aber nicht, was von mir und was von Heinz ist!

Großartig, ich glaube, das wird auch nicht nötig sein! Doppelten Dank, Pit und Heinz, für diese Perlen und all die persönlichen Einblicke, und euch weiterhin alles Gute!

(Interview: Jan Isenbart)


Hier geht es zur Website von Pit Hartling.

Hier ist Pit in einem recht aktuellen Podcast-Interview bei Vanishing Inc. zu hören.

Und hier sein letztjähriger Auftritt bei “Penn & Teller: Fool Us”:


 

Boretti feiert den 800sten!

Boretti 800

An dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch an Boretti zu einer weiteren stattlich großen Zahl!

800 Ausgaben von seinem wöchentlichen “Wort zum Sonntag” mit stets interessanten News, Links und Diskussionen – das ist eine unglaubliche Leistung und Ausdruck beneidenswerter Ausdauer und Leidenschaft.

Chapeau und gerne weiter so!


 

Fundsache: Hoch verehrtes Publikum!

Nachgesch

Wenn man zeitgenössische Programmhefte (oder auch Werbematerialien) aufschlägt, schreit einem oft schon in der Begrüßung entgegen, wie UNGLAUBLICH und GROSSARTIG der MEHRFACH AUSGEZEICHNETE und WELTWEIT ERFOLGE FEIERNDE MEISTERMAGIER einfach ist, der in Kürze leibhaftig vor einem stehen soll.

Subtext: Der kunstfremde Pöbel möge sich gefälligst dankbar zeigen, dass der ILLUSIONIST DES NEUEN JAHRTAUSENDS sich heute Abend, nach UMJUBELTEN GASTSPIELEN in Los Wochos und Klein-Paris, in der Stadthalle Bitterfeld überhaupt die Ehre gibt, und das zu Schmutzpreisen!

Wer derartige sprachliche Kraftmeierei für normal und gar sympathisch hält (Hallo an alle MERLIN Preisträgkäufer!), der möge sich als Kontrast vielleicht einmal das nachfolgende Intro aus einem alten Programmheft von Alois Kassner zu Gemüte führen:

Kassner1

Der ebenfalls große Zaubermeister nicht als Ehrfurcht heischender, ferner Halbgott, sondern als (ziemlich) bescheidener und dankbarer Verbündeter des Publikums – so geht’s auch! Sicher auch heute noch.

Tja, früher war eben alles besser, sogar die gute, alte Zeit…


Bildnachweis: Die schöne Lota Vase oben gibt es z.B. bei New Magic Line.


Kleinanzeigen Flimmer


 

Im Interview: Wolfgang Moser

WM Teekessel Q

“Jeder Teilnehmer gewinnt durch den Auftritt in der Show”

 

Herzlichen Glückwunsch, Wolfgang, zu deinem gelungenen Auftritt bei Penn & Teller! Hand aufs Herz: Hast du damit gerechnet, die beiden „foolen“ zu können? Und wie bewertest du selbst deine Erfahrung mit der Show?

Wolfgang Moser: Ich denke, das mit dem „Foolen“ ist wirklich sehr schwer vorherzusagen, denn das hängt von so vielen Faktoren ab, auf die man keinen Einfluss hat. Manchmal reicht es, wenn die beiden nur eine Kleinigkeit übersehen. Oder man hat vielleicht Glück und sie (er)kennen die Methode ganz einfach nicht. Es ist also immer auch etwas Glück im Spiel. Zwar ist Teller ganz eindeutig das Zaubergenie der beiden, aber auch Penn ist verdammt schlau und weiß natürlich sehr viel. Tatsächlich haben die beiden sich – was man im Fernsehen natürlich nicht sieht – eine Viertelstunde lang beraten. Und Teller hat mir hinterher gesteckt, dass ich beide zwar einzeln gefoolt hatte, sie dann aber im Austausch miteinander doch noch zur richtigen Lösung kamen. Es war also recht knapp! Auch wenn ich die beiden letztlich nicht täuschen konnte, war die Show für mich also eine zu 100% positive Erfahrung.

Wie kam es denn zu deinem Auftritt?

Ich hatte mich schon vor Jahren mal bei der Show beworben, wurde aber vertröstet und habe seitdem nichts mehr gehört. Ich hatte mich also schon damit abgefunden, dass mein Act wohl nicht in das Showkonzept passen würde. Umso mehr war ich überrascht, als dann plötzlich sehr kurzfristig die Anfrage kam, ob ich in wenigen Wochen Zeit für die Aufzeichnung in Las Vegas haben würde.

Stand für dich von Anfang an fest, deine Version des Teekessels zu zeigen?

Ich denke, hier hat man als Teilnehmer der Show zwei Möglichkeiten. Entweder man tritt dort mit dem Ziel an zu „foolen“. Viele Teilnehmer entwickeln ja auch eigene Routinen speziell für die Show – Tricks mit mehreren potenziellen Lösungen, falschen Fährten, labyrinthischen Methoden usw. Gerade Kartentricks täuschen deshalb sehr häufig. Das Ergebnis ist dann aber oft eine Darbietung, die zwar „foolt“, aber wenig bleibenden Eindruck beim Publikum hinterlässt.

Andere Teilnehmer nutzen die Show, um einen eingespielten Act vor einem großen TV-Publikum präsentieren zu können. Schließlich gewinnt jeder Teilnehmer schon durch den Auftritt in der Show. Das Täuschen von Penn & Teller ist dann nur ein Sahnehäubchen oben drauf, ein Aufhänger um sehr gute Zauber-Acts zu präsentieren und der gesamten Show etwas mehr Spannung zu verleihen. Mein Fokus lag also darauf mich gut zu präsentieren. Da ich mit dem Trick aber auch schon viele sehr namhafte Zauberer auf der ganzen Welt täuschen konnte, war der Teekessel bestimmt in beiderlei Hinsicht die gute Wahl.

Wie hast du dich speziell auf diesen Auftritt vorbereitet? Und was hast du an deiner Routine ggf. verändert?

Ich hatte die Nummer ja schon für die FISM 2015 auf Englisch ausgearbeitet. Und ich zeige den Teekessel auch immer wieder in Galashows, Kongressen usw. auf Englisch. An der Methode habe ich so gut wie nichts verändert um den Trick unerklärlicher zu machen. Im Gegenteil, ich musste die Nummer fast um die Hälfte kürzen, da jeder Teilnehmer maximal fünf Minuten Zeit hat. Das war eigentlich für mich die größte Herausforderung, da ich den Ablauf der Routine selbst nicht verändert kann.

Und wie wurdest du vor Ort beraten?

Vor der Show präsentiert man die Nummer erst mal den Produzenten, vor der Aufzeichnung gibt es dann noch eine Generalprobe mit dem gesamten Team. Mit dabei ist immer Michael Close, der sich um die tricktechnischen Aspekte kümmert. Aber auch die Produzenten bringen sich mit wertvollen Tipps und Vorschlägen ein. Ein Tipp eines Produzenten war etwa, sich nicht mit Penn auf eine Diskussion einzulassen, die würde man nämlich garantiert verlieren… Im Ganzen war der Umgang mit den Künstlern wirklich sehr positiv.

Die Aufzeichnung der Sendung ist ja nun schon einige Monate her. Wie schwer war es, nicht darüber sprechen zu dürfen?

Ach, das macht mir gar nichts aus. Im Gegenteil. Wenn ich die Show dann ein halbes Jahr später sehe, kann ich mich ja selber davon überraschen lassen.

Wie geht es nun weiter? Willst du dich vielleicht nochmal der Herausforderung stellen?

Wie gesagt, „Penn & Teller: Fool Us“ war ein tolles Abenteuer, das mir sehr viel Spaß gemacht hat. Wenn ich die Gelegenheit noch einmal bekomme, würde ich also bestimmt nicht lange überlegen.

Welche wichtige Erkenntnis und welchen besonders schönen Eindruck nimmst du von der Show aus Las Vegas mit nach Hause?

Vor allem wurde meine Erkenntnis bestärkt, wie großartig die Arbeit von Penn & Teller ist. Die beiden präsentieren, wie unterhaltsam, faszinierend und clever Zauberei sein kann, in einer Show, die auf der ganzen Welt gesehen wird. Das hilft der Zauberei, ihr verstaubtes Image abzulegen.

Als besonderen Eindruck nehme ich das Treffen mit den beiden nach der Show mit. Teller nahm sich kurz Zeit um mir zu sagen, wie sehr ihm mein Trick gefallen hat. Und das war für mich mehr wert als jeder Preis.

Vielen Dank für das Gespräch, Wolfgang, und weiterhin viel Erfolg!

(Interview: Jan Isenbart)

WM PT FoolUs
Wolfgang Moser nach der Show mit Penn & Teller

Und hier der Auftritt von Wolfgang:


Zu Wolfgang Mosers Webseite geht es hier.

Weitere Interviews, u.a. mit den deutschen “Fool Us”-Kandidaten Harry Keaton und Axel Hecklau, gibt es hier.


 

Neue TV-Reihe für Farid bei ProSieben

Farid Pro7
Bild: ProSieben

Zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr präsentiert ProSieben am 20. August unter dem Label “Farids Magische 13” “Die gefährlichsten Illusionen der Welt”.

Aus dem Pressetext: Neben vielen anderen spektakulären Illusionen muss Pietro Lombardi Farid das Leben retten. Denn der Illusionist ist an eine Mauer gekettet und ein 2,5 Tonnen schwerer Geländewagen wird auf Farid zustürzen – wenn Pietro nicht rechtzeitig aus über 200 Schlüsseln den einzigen finden wird, der passt.”

Am 27. August folgt dann “Die beste Street Magic der Welt”, u.a. mit Oliver Pocher. Eine Woche später schließt die Reihe mit “Die verrücktesten Illusionen der Welt”.

Farid selbst schreibt dazu auf Facebook:

Ich freue mich sehr darauf Euch die Magie als Kunstform zu präsentieren und zu zeigen was für eine einzigartige Geschichte diese Kunst hat. Die Show ist eine „magische Reise“, auf die ich Euch mitnehme. Ich reise um den Globus, um der Historie der besten Zaubertricks und Illusionen der Welt auf den Grund zu gehen und Euch diese vorzustellen. Hierbei wird es auf jeden Fall verrückt, waghalsig und gefährlich. Es ist ein sehr authentisches, spektakuläres und kunstvolles Format, das zeigen wird, wie vielseitig die Magie ist.

Wir sind gespannt!

Infos zu Farids nächster Tour durch Deutschland gibt es hier.


Addendum 04.09.2019:

Nach einem guten Auftakt hat die dreiteilige Reihe leider kontinuierlich Zuschauer eingebüßt. Wie der Medienfachdienst DWDL.de heute berichtet, sank die Quote von anfangs 1,1 Millionen Zuschauern gesamt auf nun 800.000 ab. Damit dürften weder ProSieben noch Farid richtig zufrieden sein.