Wenn Zauberkunst ins eigene Wohnzimmer streamt

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SAVE THE ART nennt sich ein neues, spannendes Projekt, das von den Hamburger Zauberkünstlern Lucas Kaminski und Jan Logemann mit Studio 17 initiiert wurde. Das Ziel: “Das Theater kommt zum Gast” – und das per Livestream ins eigene Wohnzimmer. Es passt somit perfekt zum derzeitigen Corona-Lockdown, unter dem natürlich auch gerade die dadurch beschäftigungs- und umsatzlosen Künstler und Theaterbetreiber leiden. Der Ticketpreis beträgt 9,90 Euro. Weitere Gäste vor demselben Bildschirm zahlen – auf Vertrauensbasis – nur 6,90 Euro; auch Spenden sind möglich.

Die Premiere am 26. März zumindest darf schon mal als voller Erfolg gewertet werden. Registrierung, Link-Versand und Übertragung bei YouTube klappten bei mir einwandfrei, auch Bild und Ton waren bestens. In der Spitze waren 590 Bildschirme live dabei und davor etwa 1.000 zahlende Zuschauer (vermutlich plus eine Dunkelziffer nicht-zahlender Mitgucker). Denen hat es in Summe offenbar hervorragend gefallen, denn der begleitende Live-Chat quoll geradezu über von Lob und witzigen Kommentaren.

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Neben starker Zauberkunst und skurrilen Texten von Musik-Kabarettist Felix Oliver Schepp gefielen die natürliche Atmosphäre und der lockere Plauderton, der auch Raum für Improvisation ließ. So kam der Abend tatsächlich nicht als streng getaktetes Kleinkunst-Programm rüber, sondern mehr wie eine gesellige Runde unter guten Bekannten, an der man aus dem eigenen Wohnzimmer heraus teilhaben konnte. Den diesbezüglichen Vergleich eines Sehers zur Late-Night-TV-Sendung “Inas Nacht” fand ich sehr treffend.

Übertragen wurde professionell mit mehreren Kameras aus dem kleinen, feinen Zaubertheater Magiculum des Magischen Zirkels Hamburg. Der versendete Link ist nach wie vor gültig, d.h. wer bezahlt hat, kann die Show auch nachträglich noch einmal anschauen.

Schade nur, dass aufgrund einer Terminverschiebung dieser Premiere der angekündigte Roland Henning nicht mit dabei sein konnte; ich hätte ihn gerne einmal “live” gesehen! Dafür gab es zwei großartige Einspieler mit Gästen: Helge Thun bekämpfte das Coronavirus zuhause virtuos mit Münzen und viel Seife; Denis Behr überzeugte wie immer, diesmal als “Expert at the Kitchen Table” mit einer Center-Deal-Routine. (Und ich glaube, im Hintergrund lief seine Spülmaschine…)

Für die nächsten Donnerstage sind weitere Abende mit Jan Logemann und Gästen geplant. An anderen Abenden spielen auch andere Künstler. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht und ob diese Art des bezahlten Heim-Theaters in unserer Kostenlos-Kultur einen Platz finden wird. Schön wär’s!

Zu den weiteren Terminen und Künstlern geht es hier.


 

Fundsache: Wie aus Feuer Zauber und aus Puncks Punx wurde…

Punx der Unfassliche

Ludwig Hanemann-Punx war nicht nur ein Meister der Zauberkunst, sondern auch des Wortes und der Ästhetik. Sein frühes, kleinformatiges Programmheft, “Punx der Unfassliche” betitelt, darf als wunderbarer Beleg dafür dienen und ist daher, obwohl nicht gerade selten, ein kleines Schmuckstück meiner Zaubersammlung.

In dem Heftchen schildert Hanemann auch, wie er als Schüler unter dramatischen Umständen zu seinem Künstlernamen kam:

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Wenn’s denn stimmt, hat jener Dr. Kappe auf diesem Weg einem wahrlich zauberhaften Künstlernamen ins Leben verholfen, der um so viel magischer klingt als jeder dahergelaufene Scholzano oder Müllerini!

Mehr über das “Prairiefeuerzeug Punks” (hier nur mit ‘k’ geschrieben) findet sich übrigens in Karl Mays Der Scout, wie hier nachzulesen ist.


 

Zaubern mit Corona?!

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Die Frage mag manchen absurd, anderen geschmacklos vorkommen; aber jeder neue Trend oder Hype aus Medien und Gesellschaft, ob positiv oder negativ (wie eindeutig hier!), bietet dem zeitgemäßen Zauberer auch relevantes Vortragsfutter, ob ernsthaft vorgetragen oder eher augenzwinkernd.

Wie könnte man also die aktuelle Not und Ausnahmesituation zur Zauber-Tugend machen und dadurch vielleicht ein kleines bisschen erträglicher gestalten? (Humor darf schließlich ansteckend sein!) Hier sind fünf Ideen – natürlich nicht unbedingt zur zeitnahen Umsetzung (Wer will jetzt Zauberer sehen? Und wer wollte oder sollte jetzt unbedingt fremde Schwammbälle oder Karten anfassen?), sondern für die hoffentlich bald kommende Zeit “danach”:

  1. Das Bild oben deutet es schon an: Schwammbälle als Corona-Viren, die plötzlich erscheinen, wild von Hand zu Hand wandern, sich verdoppeln und am Ende explosionsartig (Tom Stone!) vermehren, wenn wir nicht sehr gut aufpassen…
  2. Die eher klassische Variante: Der Chicagoer Billardball-Trick wird zum Mailänder Corona-Fiasko… Tragisch! Als positive Note einfach nach und die Viren-Bälle wieder verschwinden lassen und die Gefahr bannen. Darauf dann einen guten Espresso!
  3. Endlich mal ein sinnvoller Einsatz für den vor sich hin staubenden Kellentrick: Ein einfaches Holzstäbchen wird so wahlweise zum Rachentester oder Fieberthermometer. Am Ende verschwindet die Bedrohung natürlich so schnell wieder, wie sie gekommen ist!
  4. Großes Revival für das Svengali-Spiel: Ein “frei gewählter” Kartenvirus verbreitet sich rasant von Stapel zu Stapel, bis er das ganze Volk infiziert hat… Zum Glück verschwindet auch hier der Spuk schnell wieder, und die Gesellschaft lebt so bunt und divers weiter wie zuvor…
  5. Ähnlich gelagert, aber noch überzeugender und dramatischer zu präsentieren: Der Wild Card-Effekt hat endlich einen sinnvollen Plot (okay, den zweiten nach Tommy Wonder) gefunden! Der Virus ist nämlich so gefährlich, dass er blitzartig eine Karte nach der anderen “erwischt”… Zarte Gemüter drehen die Story natürlich um und bringen wahlweise einen Joker wie Jens Spahn, Meister Proper oder Jedi-Meister Yoda ins Spiel, um eine Gruppe Viren nach und nach zu deaktivieren! – Wer gerade kein Wild Card-Set parat hat, nimmt einfach vier oder fünf Karten und verwandelt diese nacheinander (per DL und Elmsley) in die “Virenträger-Karte” und zurück.
  6. Bonus-Idee: Jetzt günstig ein paar Corona-Biere kaufen und mit den Kronkorken eine Matrix-Routine als Viren-Wanderung inszenieren oder den Virus ohne Umschweife per Spellbound Change oder à la Karate Coin unschädlich machen. Eine flotte Umsetzung (“How to Kill Corona in 3 Seconds!”) könnte in den sozialen Medien schnell viral gehen – und das wäre ja mal eine erwünschte Massenverbreitung. Prost!

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Addendum:

Nick Lewin, Profizauberer und Kolumnist beim “Vanish Magic Magazine”, hat auch gerade einige Tipps zum Zaubern in der Corona-Krise veröffentlicht. Lesenswert!


 

MRA richtet Corona-Hilfsfonds ein

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Hanno Rhomberg schreibt im Namen des Vorstandes des Magischen Rings Austria (MRA):

In Österreich sind derzeit alle Veranstaltungen über 100 Personen verboten worden. Das bedeutet ein Zusammenbruch der kulturellen Szene, stornierte Aufträge für Künstler. Auch unsere Mitglieder und die Gemeinschaft der Aladin Leser kommen unter Druck, vor allem wenn Zauberei zu 100% der Broterwerb ist. Aber auch unsere deutschen und Schweizer Zauberfreunde haben Probleme und Einschränkungen.

Ich bin sehr stolz darauf, dass unser Vorstand einstimmig bereit war, einen Hilfsfond für professionelle Künstler zu schaffen, die durch diese Maßnahmen an den Rand ihrer Existenz gedrängt werden. Wir bitten um Verständnis, dass wir ausschließlich Künstler mit dem Fond unterstützen die hauptberuflich die Zauberkunst betreiben und ansonsten keine Absicherungen haben.

Der MRA – der als kleiner gemeinnütziger Dachverband mit 290 Mitgliedern über keine größeren Mittel verfügt  hat 5.000 Euro in den Fond eingezahlt. Wir hoffen, dass viele Zauberfreunde bei diesem Solidaritätsprojekt mitmachen. Wer kann und diese Aktion unterstützen möchte kann auf folgendes Konto einen Betrag mit dem Kennwort “Solidarität” einzahlen. Die Verwendung der Gelder und Zuteilung erfolgt unter Aufsicht eines Rechtsanwalts und wird durch einstimmige Beschlüsse im Vorstand des MRA vergeben.

Es wäre eine tolle Geste, wenn wir gemeinsam so Künstlern helfen könnten, die durch diese Maßnahmen die Allgemeinheit schützen und nicht verdient haben jetzt allein stehen gelassen werden. Jeder kleine Betrag kann helfen.

Hier unsere Kontonummer (Bitte Verwendungszweck: “Solidarität” nicht vergessen!)

Bankverbindung: Magischer Ring Austria, Oberbank-Zentrale
IBAN: AT 61 1500 0007 5109 5621
BIC: OBKLAT 2L
Kennwort: „Solidarität“

Auf unserer HP: www.mra.at findet Ihr weitere Infos dazu.

Und da sage nochmal einer, die Österreicher seien langsam… Eine schnelle Reaktion und eine tolle Initiative, wie ich finde! Mal sehen, ob der Magische Zirkel etwas Ähnliches auf die Beine stellt.


 

Absage des Sammler- und Chronistentreffens 2020!

Sammlertreffen

Gerade wollte ich eine Reminder-Meldung im Sinne von “Nur noch wenige Tage bis zur hochkarätig besetzten Konferenz für Zaubersammler und -historiker am 20. bis 22. März in Frankfurt am Main …” veröffentlichen, da kommt per Mail die offizielle Absage der Organisatoren Andreas Fleckenstein und Ulrich Rausch – das Corona-Virus lässt traurig grüßen.

Neben der Sorge um die Gesundheit der Teilnehmer hat dabei offenbar auch eine Rolle gespielt, dass es bereits eine Reihe von Absagen gegeben hat. Auch das Programm hätte dadurch deutlich gekürzt werden müssen. Sehr schade, aber natürlich nachvollziehbar!

Nun wird ein neuer Termin für 2020 gesucht, voraussichtlich im November. Wir drücken die Daumen, dass es dann im zweiten Anlauf klappt!

Und dies wäre das vollständige Programm gewesen.


 

Neues zur Kulturgeschichte der Zauberkunst

Wittus Witt hat soeben die zweite Ausgabe vom A-B-C der Taschenspielerkunst vorgelegt. Der 192-seitige Band enthält Beiträge von Peter Mika, Peter Rawert, Waldemar Hans Horster und Witt selbst. Highlights sind eine umfassende Biografie von Alexander Heimbürger sowie eine bisher unveröffentlichte Becherspiel-Routine von Reinhard Rohnstein. Dank Stefan Alexander Rautenberg gibt es aus dem Nachlass von Alexander Adrion eine CD-Beilage mit einem Heimbürger-Feature des Deutschlandfunks von 1982.

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Schriftliche Bestellungen am besten direkt an abc@wittuswitt.de.

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Ende März erscheint die recht spannend klingende Dissertation von Katharina Rein als Buch: Techniken der Täuschung: Eine Kultur- und Mediengeschichte der Bühnenzauberkunst im späten 19. Jahrhundert.

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In der Kurzbeschreibung des Titels heißt es:

Katharina Reins preisgekrönte kulturwissenschaftliche Dissertation widmet sich der Bühnenzauberkunst in ihrem “Goldenen Zeitalter” (ca. 1860–1900), das von wissenschaftlicher und technischer Innovation ebenso geprägt war wie von einer florierenden Medienkultur, den Umbrüchen der Industrialisierung oder den Erfahrungen von Globalisierung und Kolonialismus. Moderne Bühnenzauberei beansprucht keine übernatürliche Wirkung, vielmehr präsentiert sie technisch erzeugte Illusionen, deren Funktionsweisen sie allerdings verbirgt. Sie stellt damit eine spezifische Form des Mediengebrauchs dar, die mediale Effekte exzessiv ausstellt, während sie das dahinterstehende technische Geschehen zum Verschwinden bringt. Die Analyse von vier paradigmatischen Großillusionen (“Pepper’s Ghost”, “Vanishing Lady”-, Levitations- und Telepathie-Illusion) eröffnet nicht nur schlaglichtartige Einblicke in die bislang weitgehend ungeschriebene Zaubergeschichte des späten 19. Jahrhunderts. Sie geben zugleich die Sicht frei auf einschneidende kulturelle Veränderungen und Innovationen, die in diese moderne, hoch technisierte Form von Magie Eingang fanden.

Das Buch wird gebunden 34 Euro kosten und kann z.B. hier bei Amazon vorbestellt werden.

Die Autorin wird darüber auch bei Magica 2020 referieren.

Hier ist sie im Interview mit den Machern des Trickverrat Podcasts zu hören.


 

Im Interview: Nicolai Friedrich

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„Mein Fokus ist immer das Erlebnis der Zuschauer“

Hallo, Nicolai! Schön, dass ich dich so kurz nach dem Ende deines winterlichen Zeltpalast-Gastspiels in Frankfurt erwische. Wie fällt dein Fazit darüber aus?

Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, fast 50 Shows in diesem wirklich tollen Rahmen zu spielen. Insbesondere hat mir gefallen, dass die Zuschauer es wirklich schätzen, Zauberei einmal ganz nah zu erleben. Daher wurde das ganze Projekt wohl auch so gut angenommen, und ich kann an dieser Stelle schon verraten, dass es eine Fortsetzung geben wird: Dieses Jahr im Dezember wird der Zeltpalast wieder aufgebaut, und ich freue mich schon sehr darauf.

Wie ist das Projekt entstanden, und welche Vorlaufzeit hat es gebraucht?

Ich habe mich im Frühjahr 2019 mit meinem Veranstalter zusammengesetzt, und wir haben darüber geredet, ob wir für 2020 ein neues Programm benötigen. Die Bühnenshow läuft zwar im dritten Jahr, dennoch sind wir überein gekommen, dass wir bei den bundesweiten Zuschauerzahlen noch Luft nach oben haben. Anders im Rhein-Main-Gebiet, wo ich seit vielen Jahren auch mit öffentlichen Shows sehr präsent bin. Hier wollten wir etwas Neues machen.

Ich komme ja ursprünglich aus der Close-up-Magie und konnte oder wollte mich nie einzig auf Mentalmagie festlegen. Mein Fokus war nie eine spezielle Sparte, sondern ist immer das Erlebnis der Zuschauer. Jeder weiß, dass Zauberei umso erstaunlicher ist, je näher und unmittelbarer sie stattfindet. Also habe ich meinem Veranstalter gesagt, wir brauchen einen solchen „Close-up“-Rahmen. So kamen wir auf die Idee mit dem Zelt.

Es stand auch die Idee im Raum, sich das Zelt und die Termine mit anderen Künstlern zu teilen…

Ja diese Idee wurde auch umgesetzt. Verschiedene Künstler hatten Einzelshows im Zeltpalast, etwa Bodo Bach, Ingo Appelt, Matthias Fischedick und Alexander Herrmann.

Neben dem ganzen organisatorischen Aufwand war das ja sicher auch kein kleines finanzielles Risiko. Hattest du starke Investoren in der Hinterhand oder andere Partner und Unterstützer, die man einmal nennen sollte?

Wir hatten keine klassischen Sponsoren. Das Hauptrisiko trug mein Veranstalter S-Promotion zusammen mit mir. Wir hatten aber tolle Werbepartner, ohne die das Projekt sicher nicht möglich geworden wäre. Vielen Dank daher an die Stadt Frankfurt, die Commerzbank-Arena, an Hitradio FFH und an die Frankfurter Neue Presse!

Am Ende scheint die Rechnung ja gut aufgegangen zu sein, denn du hast vorhin bereits angekündigt, dass es im Dezember weitergeht…

Ja das stimmt zum Glück, aber natürlich lernt man im ersten Jahr auch einiges dazu und zahlt etwas Lehrgeld. Insgesamt sind wir jedoch alle sehr zufrieden und freuen uns auf die Fortsetzung!

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Nicolai Friedrich im Zeltpalast in Frankfurt (Foto: Salar)

Täuscht der Eindruck, oder hattest du im Verhältnis zu früher mehr Zauberei und etwas weniger Mentales im Programm?

Ich habe zwar schon immer stark gemischt und mich bewusst nie auf die Mentalmagie beschränkt. Im besonderen Rahmen des Zeltpalastes war es mir aber auch wichtig, viele klassische Close-up-Kunststücke wie Karten, Matrix oder Chop Cup zu zeigen. Dein Eindruck trifft also sicher zu!

Was steht bei dir noch so in diesem Jahr an?

Meine Tour startet wieder im April, und ich arbeite im Hintergrund fleißig an neuen Nummern. Ob daraus am Ende ein neues Bühnenprogramm wird oder ein zweiter Teil von „Magie ganz nah“ entsteht, kann ich noch nicht sicher sagen. Dazwischen läuft das normale Auftrittsgeschäft mit Firmen-Events und Galas im In- und Ausland.

Noch ein kurzer Blick zurück. 2019 war ja auch das Jahr des 25-jährigen Jubiläums der Fertigen Finger, das ihr in München gefeiert habt. Nach Thomas Fraps, Pit Hartling und Helge Thun möchte ich auch dich noch dazu im besten Sportreporter-Duktus befragen: „Nicolai Friedrich, wie hat sich das in dem Moment angefühlt?“

Es kommt mir überhaupt nicht wie 25 Jahre vor. Immer wenn wir uns treffen, fühlt es sich so an wie damals vor 25 Jahren. Es ist einfach toll, mit so vielen guten, aber auch völlig unterschiedlichen Leuten auf kleinstem Raum quasi eingeschlossen zu sein, denn so entstehen wirklich neue Impulse und Ideen, auf die man alleine niemals gekommen wäre.

Glaubst du, dass Ihr auch über die nächsten 25 Jahre noch ab und an zusammen auf der Bühne stehen werdet?

Es wird sicher schwieriger, aber ich hoffe es! Für mich kann ich sagen, dass es mir immer unheimlich viel bringt, wenn ich neue Nummern im Kreise der Finger ausprobieren und einspielen kann. Ich werde versuchen, soweit es meine Zeit erlaubt, weiterhin dabei zu sein!

Wie und wo könntest du dir denn das Jubiläum „50 Jahre Gichtige Griffel Fertige Finger“ vorstellen?

Dann machen alle Mentalmagie und Großillusionen! Nein, ich lasse mich überraschen, die Kollegen kommen immer wieder mit total neuen Ideen um die Ecke – Ben mit seinem Toilettenzelt, Jörg Alexander im Hasenkostüm, oder Gaston als Jaqueline. Das Potenzial für weitere Überraschungen ist auf jeden Fall da…

Was würdest du denn deinem 25 Jahre jüngeren Selbst aus heutiger Sicht gerne zurufen wollen? (Außer vielleicht „Augen auf bei der Berufswahl!“?)

Alles wird gut!

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Ich begegne deinem Vornamen fast ebenso häufig mit „k“ wie mit „c“ geschrieben. Klär uns doch bitte mal darüber auf!

Also, im wahren Leben werde ich mit „k“ geschrieben. So steht es auch in meinem Personalausweis. Als ich mich in den 90er Jahren zum ersten Mal daran machte, einen eigenen Prospekt zu entwerfen, meinte die damalige Grafikdesignerin, dass Nicolai mit „c“ vom Schriftbild schöner wirken würde, außerdem „internationaler“. Demzufolge habe ich quasi durch die Änderung eines Buchstabens meinen Künstlernamen geschaffen. Aber du hast recht, man kann da ganz schön durcheinander kommen!

Passier es auch noch, dass du ab und an als Friedrich Nikolai angesprochen oder angeschrieben wirst?

Ja, das kommt hin und wieder vor und zeigt, dass ich noch nicht wirklich berühmt bin…

Welchen großartigen Künstlernamen hättest du dir beinahe einmal gegeben?

Ich hatte tatsächlich mal Nicolai Alexander überlegt, denn so heiße ich wirklich mit Zweitnamen, aber da ist mir Jörg (Alexander) Weber zuvorgekommen. Aber Du willst sicher auf „großartige“ Namen heraus… Also auf meinem ersten Plakat – da war ich 12 – steht Nikolai Nikoleiowitsch!

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Das hat auch was… Und welchen Zaubertraum möchtest du unbedingt noch realisieren?

Es gibt viele Ideen, die ich gerne hinbekommen würde, zum Beispiel eine neuartige Erscheinungsillusion (ja, Illusion!), die ich total schön finde und sehr sehr gerne einmal auf die Bühne bringen würde. Ich hoffe, das klappt irgendwann… Mehr möchte ich noch nicht verraten.

Apropos, Helge Thun hat mir neulich verraten, dass 2021 hoffentlich sein Zauberbuch erscheinen wird. Schreibst du auch schon an deinem?

Nicht wirklich. Natürlich habe ich im Lauf der Zeit Material angesammelt, aber ich lege meinen Fokus derzeit noch voll auf das aktive Vorführen. Wenn das irgendwann mal nachlässt, werde ich sicher auch Seminare halten oder ein Buch schreiben. Aber das hebe ich mir tendenziell fürs Alter auf, also so wie Helge…

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Bitte kommentiere abschließend noch die folgenden Namen und Begriffspaare möglichst kurz und knackig:

Mona Lisa:

Sicher ein Meilenstein in meiner Karriere. Ohne ihr Lächeln wäre ich sicher nicht da, wo ich heute bin!

David Copperfield:

Nach wie vor für mich der innovativste Zauberkünstler der Gegenwart. Seine gesetzten Maßstäbe sind in vielen Bereichen bis heute unerreicht. Obwohl er fast jeden Tag noch zwei Shows spielt, ist er immer noch hungrig und interessiert sich für alle Neuheiten in der Zauberkunst.

Stadthalle oder Zeltpalast?

Wenn du so fragst, ganz klar der Zeltpalast! Obwohl ein schönes Theater oder eine große Location wie die Jahrhunderthalle auch ihren ganz eigenen Reiz haben. Ich liebe beides!

Mentalismus oder Mentalmagie?

Mentalmagie natürlich! Mentalismus impliziert für mich, dass übersinnliche Fähigkeiten im Spiel sind, und das ist überhaupt nicht meine Ding!

Zauberer und Mentalisten / als Elektronik-Spezialisten (hey, eine Reimvorlage für Helge!):

Das ist Fluch und Segen zugleich. Man sollte immer ein solides Handwerk und einen Plan B in der Hinterhand haben / sonst geht man ganz schnell baden (auch ein Reim!).

Mehr Charme: Gaston oder Jaqueline?

Wenn ich jetzt Gaston sage, wird Jaqueline total unglücklich – also sage ich Gisbert!

Mehr Rampensau: Pit oder Heinz?

Superheinz!

Besten Dank für das Gespräch, Nicolai, und weiterhin viel Erfolg!


Alle weiteren Interviews gibt es hier.

Hier geht es zu Nicolais Website.

Und hier ist sein jüngster Auftritt in der NDR Talkshow zu sehen sehen:


 

 

Zauberei sehen und hören

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Jörg Alexander – Vimeo-Screenshot (s.u.)

Wer gestern die “Lange Nacht der Zauberei” von Margot Litten im Deutschlandfunk verpasst hat, kann den dreistündigen Kessel Buntes mit vielen O-Tönen (u.a. mit Siegfried, Wittus Witt, Thomas Fraps, Helge Thun, Jörg Alexander, Christoph Borer) derzeit hier nachhören und auch das 57-seitige (!) Manuskript der Sendung herunterladen. Im Vorfeld gab es auch noch ein Interview mit Hans Klok.

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Harry Keaton wurde vor ein paar Tagen in einem Beitrag der “Hessenschau” des hr-Fernsehens als “Ein Magier mit Doktortitel” vorgestellt, der hier abrufbar ist.

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Roberto Giobbi bietet am 7. und 8. März 2020 auf Schloss Guteneck eine neue Masterclass über “Stand-up Card Magic” an.

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 Hier gibt es ein neues kurzes Video von Jörg Alexander über die Zauberkunst.

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Wenn Anfang Juli FISM Europe in Manresa (Spanien) über die Bühne geht, werden die folgenden deutschen Acts und Seminarleiter dabei sein: Topas, Eberhard Riese, Gaston Florin (mit Jaqueline!) und Nikolai Striebel.


 

Die Rückkehr des Zauberzwerges

Auch „Er“ ist wieder da: Der Zauberzwerg. Volkmar Karsten hat sein Magazin rund die Zauberkunst für Kinder, das von 2008 bis 2013 in gedruckter Form erschien, dieser Tage als Blog neu belebt.

Das erklärte Ziel:

Mit dem Blog „Der Zauberzwerg“ sollen Themen rund um die Zauberkunst für Kinder aufgegriffen und diskutiert werden: Theorie und Praxis, Trickrezensionen, Vorstellung von Programmen oder Tricks, Wie mache ich aus einem Trick ein Zauberkunststück für Kinder?, pädagogische Grundlagen, tricktechnische Grundlagen, Porträts von Zauberkünstlern, Berichte von Kongressen, Auftritten oder Meisterschaften – kurzum alles, was für die Zauberkunst für Kinder von Interesse und Bedeutung ist.

Mitmachen und Mitdiskutieren ist natürlich gewünscht und auch nötig! Volkmar freut sich auf viele Mitstreiter, die nicht nur Mit-Leser sind.

Einen Bonus gibt es jetzt schon: ein Seminarheft zum Thema „Was Kinder sehen wollen“ als kostenlosen Download.

Zauberzwerg Blog


 

Im Interview: Helge Thun

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Ganz weg war ich nie

Hallo, Helge! Schön, dass ich dich gerade erwische, bevor du vielleicht bald schon wieder auf Tour durch die Bredouille bist… Wie bist du ins neue Jahr gestartet, und was steht bei dir zauberseitig demnächst so an?

Ins neue Jahr bin ich mit Bronchitis gestartet. Im Moment versuche ich mich an einem Theatermonolog übers Zaubern, der im Herbst Premiere haben soll, Arbeitstitel „Der verschwundene Mann“. Und Anfang nächsten Jahres plane ich zusammen mit Topas einen Zauber-Comedy Abend, „Funny Magic“.

„Er ist wieder da!“ – So beschrieben sinngemäß manche Beobachter deine Rückkehr in die Zauberszene im letzten Jahr: neues Soloprogramm, Branchenauftritte und die Video-Kolumne „Magische Monologe“ in der magie und im Genii Magazine. Hast du das selbst so erlebt oder gar forciert? Oder warst du eigentlich nie so richtig weg?

Ganz weg war ich nie. Vor allem mit den Fertigen Fingern und einigen anderen Kollegen hatte ich immer Kontakt. Aber dass mich das Zauberfieber wieder so heftig packen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Das genieße ich sehr.

Du positionierst dich auf deiner Website mit dem Viersprung Comedy – Kabarett – Zauberei – Moderation. Steckt da irgendeine quantitative oder qualitative Wertung in dieser Reihenfolge?

Nein, wobei es momentan eigentlich Comedy, Zauberei und Impro heißen müsste. Vor allem Moderation mache ich kommerziell fast gar nicht mehr. Das kann ich zwar gut, aber die Vorbereitung nimmt mir einfach zu viel Lebenszeit.

Was ist eigentlich der große Reiz der Comedy-Szene für gelernte Zauberer? Und wo liegen aus deiner Sicht womöglich wesentliche Unterschiede?

Ehrlich gesagt besteht da für mich kein großer Unterschied, außer dass beim Zaubern noch das Trickhandwerk und das Staunen dazu kommen. Ansonsten sind die Mechanismen die gleichen. Der Aufbau, die Dramaturgie, die Überraschung am Schluss. Und ob es die nicht auflösbare Ambivalenz einer guten Pointe oder eines Zaubereffektes ist – im Gehirn der Zuschauer passiert das Gleiche. Und Zauberei ohne Humor ist genauso komisch – halt nur ungewollt.

Für mich lag der Unterschied eigentlich immer nur im Grad der Einschränkung bzw. der Freiheit was Themen und Inhalte angeht. Die Zauberei ist so dominant, dass der Effekt andere Inhalte immer überlagert. Ich kann mir noch so eine lustige Präsentation oder einen tiefgründigen Vortrag überlegen, am Ende beschäftigt doch alle nur, wie die Zeitung wieder ganz wurde oder der Ring in die Ananas kam. Aber in der Comedy, im Kabarett oder im Theater habe ich die absolute Freiheit über jedes Thema zu sprechen, das mich interessiert. Und darum geht es dann auch, und kein Trick lenkt davon ab.

Wie fügen sich für dich Theatersport und Improvisationskunst da noch mit ein?

Wie gesagt, für mich fühlen sich die Unterschiede nicht besonders groß an. Im Grunde ist es immer das Gleiche: Ich stehe auf der Bühne und bringe die Menschen zum Lachen und Staunen. Bei der Zauberei über den Effekt, bei der Comedy über die Gedanken und Pointen. Und bei Impro über die verblüffende Geistesgegenwart. In jede Sparte fließen bei mir auch die Erfahrungen aus den jeweils anderen Disziplinen ein. Die Offenheit und Bereitschaft zur Improvisation ist aber immer da und ehrlich gesagt das Wichtigste von allem! Nur dann ist man wirklich im Moment, und der Abend kann etwas Besonderes für Publikum und Künstler gemeinsam werden.

Deine „Magischen Monologe“ haben sicher viele Fans gefunden, aber hier und da offenbar auch Unverständnis hervorgerufen. Wie ist die Idee entstanden, und was war dir bei der Umsetzung besonders wichtig?

Ich habe die ersten drei Monologe für mein aktuelles Programm „TRiX“ geschrieben. Ich wollte den Zuschauern eine Ahnung davon vermitteln, was mich selber an der Zauberei fasziniert, ohne dabei langweilige Vorträge zu halten. So ist die Form entstanden: Gedanken, die sonst in einen Fachaufsatz oder philosophischen Essay gehören, mit den Mitteln der Comedy-Schreibweise kurz, prägnant und pointiert, aber hoffentlich trotzdem interessant umzusetzen. Als ich dann auf YouTube das Video „Invisible Dialogues“ von Derek DelGaudio gesehen habe, kam mir sofort die Idee, so etwas Ähnliches auch mit meinen Monologen zu machen.

Der filmische Aufwand, auch durch die Liebe zum Detail und Zwischenschnitt, erschien mir recht beträchtlich. Wie lange hat es gedauert vom ersten Skript bis zur fertigen Umsetzung?

Ehrlich gesagt ging das alles recht flott und aus der Hüfte geschossen. Mein Cousin Paul studiert gerade Mediengestaltung in Kiel und ist nicht nur ein guter Kameramann, sondern auch ein Technik-Nerd, ein guter Cutter und vor allem genauso offen und improvisationsbereit beim Filmen wie ich. Wir haben geschaut, dass wir eine fotogene und ruhige Location finden und haben ohne Plan losgelegt. Ein paar Ideen hatten wir vorher, aber vieles ist spontan beim Drehen entstanden. Da haben wir uns blind verstanden. Er wusste immer sofort, was ich will und umgekehrt. Meistens waren wir so vertieft, dass wir vergessen haben mittags was zu essen. Abends hat Paul dann schon den ersten Rohschnitt gemacht und wir hatten das Ding nach einem Tag im Kasten. Manchmal war dann der Aufwand noch etwas größer, weil noch Animationen dazu kamen. Aber da meine Frau Carolin Trickfilmerin ist und ihr Ex-Freund Erich unser Musiker, blieb auch das „in der Familie“.

Chapeau! An manchen Stellen hatte ich allerdings den Eindruck, dass das optische, magische Geschehen meine komplette Aufmerksamkeit bündelt und die Tonspur derweil ungehört weiterrauscht… ein Problem?

Klar! Aber das Gute an YouTube ist ja, dass man sich ein Video mehrmals anschauen kann. Also lieber schnell, kurz, inhaltlich überladen und visuell und sprachlich verschachtelt, als schön langsam und verständlich ausgebreitet. Lieber mehrmals schauen und Dinge entdecken, die man beim ersten Mal übersehen hat, als dass sich das niemand bis zum Ende anschaut.

Können wir uns irgendwann auch noch auf Outtakes oder gar weitere Folgen freuen? Und wo bleibt eigentlich nach mehreren Gedichtbänden dein erstes eigenes Zauberbuch?

Wenn mir mal wieder ein gutes Thema einfällt – vielleicht. Aber geplant habe ich erst mal keine weiteren Folgen. Buch kommt als Nächstes, aber da muss ich mich eher zwingen und quälen. Das war damals beim Buch der Fertigen Finger auch schon so. Aber mein Plan ist es, das bis FISM 2021 fertig zu kriegen.

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Da freuen uns doch schon drauf! 2019 war auch das Jahr des 25-jährigen Jubiläums der Fertigen Finger, das ihr in München gefeiert habt. Nach Thomas Fraps und Pit Hartling möchte ich auch dich noch dazu im besten Sportreporter-Duktus befragen: Helge Thun, wie hat sich das in dem Moment angefühlt?

Wie Heimat.

Was würdest du denn deinem 25 Jahre jüngeren Selbst aus heutiger Sicht gerne zurufen wollen? (Außer vielleicht „Augen auf bei der Berufswahl!“)

Mach weiter mit den Ziergriffen! Daraus wird mal eine eigene Kunstform!

Wie und wo könntest du dir denn das Jubiläum “50 Jahre Gichtige Griff Fertige Finger” vorstellen?

In einem dunklen Raum mit Scheinwerfern und Publikum.

Welche Frage wolltest du einem anderen Finger schon immer mal öffentlich stellen?

Keine offenen Fragen. Wir wissen alles voneinander.

Von Pit darf ich dir jedenfalls die folgende Frage übermitteln: „Wann geht es denn jetzt endlich mit unserer großen Vegas-Tour los? Viel Zeit haben wir nicht mehr!“

Vegas war mal. Wanne-Eickel heißt das neue Ziel!

Neben den Fertigen Fingern bist du ja auch Mitglied anderer langlebiger Kollektive, etwa bei der Comedy Stube oder bei deinen Duetten mit Heiner Kondschak und Udo Zepezauer. Bist du ein geborener Ensemble-Spieler? Oder dir vielleicht nur selbst allein auf der Bühne zu langweilig?

Beim Theatersport und als Schauspieler habe ich gelernt mit anderen zu spielen. Das war das Beste, was mir passieren konnte. Vor allem zu lernen, dass man selber am besten rüberkommt, wenn man versucht, die anderen gut aussehen zu lassen. Als ich mit Heiner Kondschak angefangen habe zu spielen, habe ich auf der Bühne in kürzester Zeit mehr über mich gelernt, als in all den Jahren zuvor. Seitdem versuche ich mir immer Kollegen zu suchen, die in irgendetwas besser sind als ich. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich eine Tendenz habe, mich immer wieder ungewollt in die Chefrolle zu manövrieren…

Jetzt wo du es sagst… Wie liefen eigentlich zum Jahresende in Tübingen die Werkstatt-Impro-Abende „zum gemütlichen Ausprobieren und fröhlichen Scheitern“ mit dir, einem Musiker und einem emeritierten Professor?

Das war Wohnzimmeratmosphäre mit Menschen und Dingen, die nicht zueinander passen. Wir haben gleich wieder ein paar neue Termine gemacht.

Welchen großartigen Künstlernamen hättest du dir beinahe einmal gegeben?

Helgini Thunino.

Das hätte was werden können! Bitte kommentiere jetzt noch die folgenden Namen und Begriffspaare möglichst kurz und knackig:

Heinz Erhardt oder Joachim Ringelnatz?

Heinz Erhardt, Robert Gernhardt und Erich Kästner.

Gut singende Zauberer: Topas oder Desimo?

Singen: Topas. Pferdedressur: Desimo.

Das Udo oder das Biest?

Äpfel und Birnen.

Jan Böhmermann oder Jan Logemann?

Logemann, ist doch klar! Alleine schon wegen der Fernsehsendung.

Sudhaus in Tübingen oder Magic Castle in Hollywood?

Sudhaus. Hat mehr Glamour.

Münzen oder Karten?

Becher. Nee, Münzen. Nee, Karten. Nee, Becher. Nee, Münzen. Nee, Karten…

Anzug oder Hawaii-Hemd?

Anzug mit Hemd auf Hawaii.

Was reimt sich eigentlich gut auf „Eutin“ (außer „Bilbo Beutlin / fährt noch heut‘ hin“) und „Tübingen“ (außer „trüb‘ Dingen“)?

Nichts, was den Aufwand lohnt.

Zum Abschluss: Schenkst du uns bitte noch einen gepflegten Vierzeiler? Gerne auch mit aktuellem Bezug, etwa zu Greta oder den Ehrlich Brothers…

Also Ehrlich sind die Brothers
Greta than the others.
Afterthought (nur etwas später):
Some others are noch Greta.

(Andächtiges Schweigen.) Das lassen wir jetzt einfach mal so im Raum schweben… Ganz herzlichen Dank, Helge, für deine Zeit, und weiterhin toi toi toi, wie der Schwede sagt!

(Interview: Jan Isenbart)


Hier beispielhaft der letzte von Helges zehn Magischen Monologen:

Und hier geht es zu Helges Website!


Alle weiteren Interviews − u.a. mit den Fertigen Fingern Pit Hartling und Thomas Fraps − finden sich gleich hier.